Zu Gast bei … Architekt Andreas Burmester

Was fasziniert uns so an Architektenhäusern? Manchmal sehen sie aus wie ein Designgefängnis, aber im besten Falle sind sie ein Hort der Kreativität und ein Spiegel der architektonischen Handschrift und Persönlichkeit des Erbauers. Sie sind seine zweite Haut. Der Detmolder Architekt Andreas Burmester hat ein Haus jenseits des architektonischen Regelkanons entworfen. Es geht über Repräsentation und Selbstdarstellung hinaus. Es ist ein Kleinod, ein Gesamtkunstwerk. Individuell und sehr entspannt. 2013 haben wir es schon einmal besichtigt. Nun waren wir zu einem Interview eingeladen.

Warum wohnst Du in einer ehemaligen Gewerbehalle?
So ein Gebäude ist wohl der Traum vieler Menschen. Es ist 360 m2 groß und 4 bis 5 Meter hoch. Wir können hier sehr großzügig in offenen, hohen Räumen wohnen. Die Halle liegt in einem Gewerbegebiet inmitten wunderschöner Natur. Das Grundstück mit altem Baumbestand ist uneinsehbar. Es ist ganz eingewachsen mit Bäumen und Hecken. Wir haben uns hier unsere kleine Oase geschaffen.

Wie ist das Konzept des Hauses?
Mir war wichtig, dass die Struktur des Hauses erhalten bleibt. Die statische Decken-Trägerkonstruktion ist ebenso wie der größte Teil der Außenwände erhalten geblieben. Das Zentrum unseres Hauses bildet die 120 m2 große Wohnhalle. Nach Süden zum Garten ist die Fassade großzügig bis zum Boden verglast, wir erleben alle Jahreszeiten hautnah. Durch eine große Falltüranlage können wir die Natur direkt ins Haus holen. Natürlich gibt es auch abgeschlossene, halböffentliche Räume. Meine Frau und ich haben jeweils ein eigenes Zimmer; dazu kommen Ankleideraum, Abstellraum, Bäder und Sauna. Die Struktur der Deckenkonstruktion ist bis in die Nebenräume einsehbar. So ist alles licht und offen.

Wie hast Du das Haus eingerichtet?
Unsere Möbel sind mit uns gewachsen. Einige sind Fundstücke wie die zwei Stahlrohrsessel, die wir in Bergen in Holland an der Straße gefunden haben. Die meisten anderen Möbel sind „selbst entworfen“, aber vielleicht ist das auch ein zu großes Wort. Gerade als Architekt und Innenarchitekt wird man von allen Seiten inspiriert. Vieles habe ich in die architektonische Struktur integriert, wie Schränke und Regale, die in die Wände eingelassen wurden.

Der Esstisch ist riesig. Hat das einen besonderen Grund?
Der Tisch ist unser Mittelpunkt. Er ist 4.30 m lang und einen Meter breit. Es ist ein Tisch, auf dem ich etwas liegen lassen kann. Fachzeitschriften, Zeitungen und Bücher, die ich nicht wegräumen muss, wenn ich zum Essen eindecke. Hier können wir mit vielen Leuten sitzen, was uns wichtig ist, weil wir gerne Gäste haben.

Ü60 Bloggerin Ursel vom Iknmlo Fashionblog für Frauen ab 40 bei architekt Andreas BurmesterIch mag es sehr gern, dass eine Hollywoodschaukel in Eurem Haus steht. Wie kam es dazu?
Ich habe sie meiner Frau vor einigen Jahren zum Geburtstag geschenkt – eigentlich mehr als Gag, weil wir beide Hollywoodschaukeln aus unserer Kindheit von unseren Eltern kennen.. Wenn der Sommer zu Ende geht, verlängert sie uns die warme Jahreszeit und bevor der Frühling kommt, erhöht sie die Vorfreude darauf.

Am ungewöhnlichsten finde ich Euer Schlafzimmer.
Es befindet sich auf einer zweiten Ebene genau in der Mitte unter dem First der Halle. Es ist über eine schmale Eichenholztreppe zu erreichen und total gemütlich. Wir kommen uns ein wenig wie in einer Höhle darin vor. Zum Wohnraum hin gibt es eine große Fensterfront. Von hier aus überblicke ich das ganze Haus. Da kommt man sich wie der Kapitän auf der Brücke seines Schiffes vor.

Die Werkstatt, die direkt an das Haus anschließt, umfasst noch einmal halb so viel Raum wie das Wohnhaus. Wozu ist so viel Platz nötig?
Jungs halt! Jungs wollen was zu basteln haben. Wobei ich wenig Zeit dazu habe, aber die Möglichkeit schätze, mit meinem eigenen Werkzeug Einiges selbst machen zu können. Dieser Bereich wird auch als Garage und Haustechnikraum genutzt.

Gibt es im Haus einen Ort, an dem Du Dich besonders gern aufhältst?
Auf dem Sofa. Das ist ein gemütlicher Platz, gerade in der kalten Jahreszeit, wenn das Feuer im Kamin brennt. Vielleicht ist das Sofa auch deshalb mein Lieblingsplatz, weil ich hier wirklich entspannen kann und alles im Blick habe.

Welche Kennzeichen des Hauses sind typisch für Deine Handschrift als Architekt?
Ich mag klare, hohe Räume mit langen Fensterbändern von Wand zu Wand. So entstehen lichtdurchflutete Häuser, in denen es Spaß macht zu leben. Diese Offenheit, die sich z.B. auch in den Treppenhäusern wiederfindet, charakterisiert alle meine Entwürfe.

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