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Zu Gast bei … Anna von Mangoldt

Atelier_DSC_7531Heute treffen wir Anna von Mangoldt, die auf dem westfälischen Gut Holzhausen zu Hause ist. Ein Gespräch über Happy Hours auf dem Land, südamerikanische Musik, die Spanische Hofreitschule und Colin Firth.

Wonach riecht Heimat? Morgens nach Kaffee und getosteten Brot und oft nach Kuchen, den meine Schwester gebacken hat. Im Moment nach Flieder und Bärlauch, gemähtem Gras, gefällten Bäumen. Abends nach Kaminfeuer, zwischendurch auch mal leider mal nach Landwirtschaft oder unseren nassen Hunden.

Was schätzen Sie am Landleben? Vor allem die Ruhe. Hier kann ich kreieren, komme runter, kann was schaffen. Alle Sinne werden angesprochen. Der Pferdestall ist nur 100 Meter von meinem Atelier entfernt. Wir haben Obstbäume im Garten, können über nasses Gras oder mal eben in den Wald laufen, leben mit den Jahreszeiten. Man hat mit weniger Dingen von außen eine unheimlich gute Zeit. Wir haben hier nun mal keine tolle Bar oder Disco, sondern müssen das Lagerfeuer anschmeißen. In meiner Familie machen wir, seit ich denken kann, Happy Hours. Man lädt auf ein Glas Wein ein, wer grad so da ist kommt. Es ist ein lockerer Rahmen, ohne viel Aufwand und jeder kommt mal aus seinem Häuschen heraus. Das Schöne hier auf dem Land ist auch, dass man Platz hat und sein Ding machen kann, aber auch viele nette Nachbarn da sind, die man bei Bedarf sehen kann. Ich bin ein totaler Landfan, obwohl ich die Stadt auch brauche: Ich reise viel für meinen Job und genieße dabei die vielen Anregungen. Dadurch hab ich Beides, aber zum Wohnen finde ich es wirklich traumhaft hier.

In welcher Metropole würden Sie gern mal leben? Ich bin gern in Berlin oder Wien. Ich treffe Freunde und Familie, gehe ins Museum, zu Eröffnungen oder zu einem Hauskonzert. Meist mit Freunden, allein würde ich nicht herumziehen. Es ist immer eine Mischung aus Kultur, Menschen treffen und arbeiten. Ich bin sehr empfänglich, sehr durchlässig für alle Eindrücke. Aber dann fahre ich auch gerne wieder aufs Land um meine Eindrücke zu verarbeiten und etwas Schönes daraus zu machen.

Wie sind Sie eingerichtet? Das kommt darauf an, wo ich lebe. Ich habe mal in Frankfurt gelebt, da hatte ich einen modernen Loftstyle. Jetzt hier auf dem Land ist es ein großzügiges Landhaus mit einem ziemlichen Stilmix, der auf jeden Fall farbig ist. Der Charme des Ganzen ist die Leichtigkeit. Wir haben viel Platz und viele Fenster und stellen nicht die ganzen Räume voll, sondern man kommt rein und die Sachen wirken einfach. Überall ist Holzboden oder Naturteppich. Ich liebe Sisal und habe in meinem kleinen Häuschen, in dem mein Atelier ist, einige Räume komplett mit Sisal ausgelegt.

Ihr liebstes Möbelstück? Ein runder Holztisch aus Nussbaum von „Zeitraum“ mit einem Fuß in der Mitte. Drum herum habe ich alte Stühle gestellt, neu bezogen mit einem blau-weißen Stoff. An diesem Tisch spielt sich alles ab. Man kann da allein sitzen, zu zweit oder auch mal zu neunt. Ich mag runde Tische, sie sind einfach unheimlich kommunikativ. Gerade wenn da kein störendes Tischbein ist, rückt man nah zusammen. Es ist ein Platz, wo das Leben spielt.

Haben Sie eine Deko auf dem Esstisch oder ist das spießig? Bei mir gibt es überall Blumen, auf dem Esstisch und auch sonst. Außerdem gibt es bei mir schöne Schalen mit Obst oder eine schöne Zuckerschale oder Tierfiguren aus Holz. Deckchen kommen bei mir nicht vor, wenn überhaupt, würde ich mal eine richtige, anständige Tischdecke drauflegen, die aber dann auch bis zum Boden geht. Dazu Stoffservierten, allerdings nicht im Alltag, sondern nur für Besuch. Der Aufwand mit Waschen und Bügeln ist mir einfach zu groß.

Welche Tischmanieren sind Ihnen wichtig? Dass man da ist, die anderen zur Kenntnis nimmt, offen ist, dass es wirklich zu einer Unterhaltung kommt, dass, wenn Mehrere am Tisch sind, es auch eine Gruppe ist und nicht einer den ganzen Tisch amüsiert.

Wie verlief Ihre 1. Party? Das war mein 18. Geburtstag, den habe ich an Silvester gefeiert. Im Nachhinein war es total mühsam. Mit 18 ist man ja noch nicht so souverän und ich war total gestresst, dass es allen gefällt. Ich bin eigentlich immer nur rumgerannt und habe geguckt, dass es allen gut geht. Es war halt meine 1. Party. Die darauf folgenden waren viel entspannter. Inzwischen kann ich total gut Parties veranstalten.

Wie gestalten Sie ein Sommerfest? Während unseres Kulturfestivals ‚Voices‘ feiern wir immer eins. Wir sind ja 5 Kinder, die dann gemeinsam Freunde einladen und Parties mit Konzerten kombinieren. Als Deko liebe ich Lampions. Ich habe Papierlampions, so richtig wie im Märchen. Die werden überall im Garten aufgehängt. Dazu Feuerkörbe, Feuer finde ich immer total wichtig, grade wenn man nachts noch länger draußen sitzt. Dazu Pimm’s zur Begrüßung, danach Wein, tanzen, gute Musik. Ich liebe Tanzen und ich liebe es, stimmungsvolle, fröhliche Musik, z.B. aus Südamerika. Ich bin in Brasilien geboren und mein Vater liebt Brasilien über alles, er hat halt ständig brasilianische Musik. Natürlich werden auch alle Sommerhits rauf und runter gespielt.

Welche 8 Gäste stehen auf Ihrer Traum-Gästeliste? Frau Merkel. Über ihre Politik mag man denken, was man will, aber ich finde, sie ist eine beeindruckende Persönlichkeit. Es geht ihr mehr um die Sache als um ihre Person und das finde ich total faszinierend. Und auch, wie sie einfach ohne Skandale ihr Ding macht. Dazu Eckart von Hirschhausen. Ich finde ihn total cool, weil er echte Lebensthemen mit so viel Humor anspricht. Annabelle Gräfin von Oeynhausen, seit vielen Jahren bin ich ein totaler Fan von ihr. Ich bewundere, was sie in Bad Driburg aufgebaut hat. Dabei ist sie wunderschön, sie hat einen eigenen Stil und ist so warmherzig. Meryl Streep, sie ist die tollste Schauspielerin. Ich finde beeindruckend, wie sie ihre Karriere hinbekommt und noch Kinder und Ehemann hat. Das Gleiche gilt für Colin Firth. Er ist einfach ein Super-Schauspieler, so vielseitig. Was der schon alles gemacht hat! Angefangen von Mr. Darcy, da war er mein Jugendschwarm. Meinen Onkel, Johann Friedrich von der Borch. Er ist ein totaler Freigeist, unabhängig von Allem. Ihm gehört der Hof hier, aus dem er etwas ganz Großartiges gemacht hat, aber gleichzeitig reist er mal eben mit dem Auto von Berlin nach Bhutan oder Iran oder Indien. Bernhard Bueb, der ehemalige Leiter von Salem. Er hat mich sehr geprägt und ist eine beeindruckende Persönlichkeit und ein hochspannender Gesprächspartner. Und zu guter Letzt eine Freundin von mir, Ricarda Kusch. Sie ist Anfang 30 und führt ein großes mittelständisches Unternehmen. Sie hat es mit Mitte 20 übernommen, und schafft es trotz großer Verantwortung und sehr viel Arbeit ein reiches Privatleben zu haben und Lebensfreude auszustrahlen. Meine Mutter wäre übrigens auch immer dabei. Mit ihr bin ich sehr eng, und wir verstehen uns einfach richtig gut. Außerdem ist sie eine super Mitgastgeberin.

Bei wem wären Sie gern mal eingeladen? Bei der Familie Fischbacher, der bekannten Stofffirma aus St. Gallen, bei der ich Stoffe beziehe. Es ist ein Familienclan, das finde ich total interessant. Oder bei der Familie Frey, ebenfalls ein Clan in der Stoffszene. Mit Pierre Frey Stoffen arbeite ich auch sehr gerne. Ich finde Unternehmer spannend, da überschneiden sich viele Themen, auf die ich noch Antworten suche. Oder – ich bin großer Lipizzaner-Fan – beim Oberbereiter der Spanischen Hofreitschule, Herrn Hausberger. Durch die Spanische Hofreitschule geführt zu werden, in die Ställe zu kommen und an die Pferde nah dranzukommen, fände ich megacool.

Welches Kunstwerk würden Sie gern besitzen? Ein Stillleben von Matisse mit schlafender Frau, das liebe ich wahnsinnig. Oder das Bild „Kaiserin Elisabeth von Österreich auf den Stufen des Achilleon“ von Josef Arpad von Koppay. Da steht sie mit ihrem Hund, sie ist schwarz gekleidet, schon älter. Das Bild hat eine irre Ausstrahlung auf mich. Ich bin großer Fan der Berliner Malerin Rebecca Raue. Ein kleines A4 Bild von ihr habe ich schon. Ich spare auf jeden Fall für ein größeres. Ich träume gern von Sachen, die ich mir auch mal erfüllen kann, und ich glaube, mit einem Matisse wird das nichts. Rebecca Raue könnte noch hinhauen, wenn ich weiter gut meine Farben verkaufe.

Seit wann beschäftigen Sie sich mit Farben? Ich male, seit ich denken kann. Schon als Vierjährige war es meine Hauptbeschäftigung. Meine Mutter sagt immer, ich sei mit dem Farbtopf in der Hand geboren. Sie hat das auch immer gefördert. Ich hatte mit 7 mein eigenes Atelier im Keller, es war ein Zimmer ohne Fenster, aber immerhin ein eigenes Atelier. Und ich hatte Malstunde. Malen hat mich von Anfang an begleitet und nur verlassen, als ich in Salem im Internat war. Zum Glück bin ich während des Studiums in England darauf zurück gekommen. Ich habe Geschichte und Kunstgeschichte studiert und Kunstunterricht genommen, um einen kreativen Ausgleich zu haben. Es war eine ganz tolle Zeit. In England habe ich auch die hochwertigen, matten Farben kennengelernt und beschlossen: So etwas will ich auch machen.

Wie erklären Sie den schwarz gekleideten Architekten, warum Farben wichtig sind? Das ist nicht schwer, denn das Thema Farben ist in Deutschland angekommen. Ich muss nicht so sehr überzeugen, sondern zeige Beispiele, wie Räume durch Farbe verändert werden können. Vor allem zeige ich, dass Farbe nicht unbedingt „bunt“ heißt. Mir geht es vor allem darum, von reinem ‚Verlegenheits-Weiß‘ wegzukommen. Ich habe z.B. einen Ton, der heißt „architect´s delight“, das ist ein ganz raffinierter, heller Grauton. Es ist wirklich so, dass Architekten den Ton mögen, weil er ihre Architektur nicht kaputt macht, aber trotzdem fürs menschliche Auge angenehmer ist als reines Weiß. Reines Weiß ist eine ganz schwierige Farbe, die wirklich nur von Architekten eingesetzt werden.

Sehen Sie sich eher als Unternehmerin oder als Künstlerin? Ich bin Farbdesignerin, aber in dieses Unternehmer-Sein bin ich reingewachsen. Da ging ja kein Weg dran vorbei. Wenn ich hier nur im Atelier sitzen und Farben mischen würde, wäre ich nicht so weit gekommen. In meiner Sache bin ich Vollblutunternehmerin, aber ich würde jetzt keine Autoreifen verkaufen, auch wenn es finanziell noch so interessant wäre.

Was ist das Schöne an Ihrem Beruf? Dass ich es mit sehr viel Schönheit zu tun habe und Schönes schaffen kann, mit sehr vielen Menschen zusammen komme, die auch diesen Sinn dafür haben. Aber auch die Freiheiten, die ich habe. Ich kann mir meinen Tag selbst gestalten und sehr viel reisen, es dann aber auch wieder sein lassen, wenn ich will. Das habe ich mir in den letzten 5 Jahren so aufgebaut. Jetzt habe ich eine Infrastruktur, die mir das ermöglicht. Es ist die Kombination aus Menschen, Schönheit und Freiheit.

Über Anna von Mangoldt: Die Farbdesignerin wurde 1985 in Sao Paulo/Brasilien geboren. Sie besuchte das Internat Schloss Salem und studierte Geschichte und Kunstgeschichte an der University of Warwick/England. Im Herbst 2010 brachte sie ihre erste AvM Kollektion auf den Markt, die sie über ausgewählte Fachhändler in Deutschland, Österreich und der Schweiz vertreibt. Anna von Mangold lebt auf Gut Holzhausen im Kreis Höxter/Nordrhein-Westfalen. Dort findet vom 20. bis 28. Juni 2015 das renommierte Kulturfestival “Voices” statt.

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Mehr Informationen unter: www.annavonmangoldt.com

Fotos: Portraitfoto Jörg Dieckmann, alle anderen Fotos Viktor Strasse

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