Zeit, sich zu trauen! Madeleina Kay machts – jetzt als Junge Europäerin des Jahres 2018

Madeleina Kay – EU Supergirl

Madeleina Kay war eigentlich nie besonders politisch. Aber dann kam der Brexit und alles wurde anders. Seitdem kämpft sie unermüdlich als EU Supergirl gegen den Brexit, traut sich und kämpft für eine bessere Zukunft und den europäischen Zusammenhalt – nicht nur für junge Briten, sondern auch für die Werte der EU. Dafür wurde sie gerade von der Schwarzkopf Stiftung mit dem Titel Junge Europäerin des Jahres 2018 ausgezeichnet.

Ich habe Madeleina kürzlich beim March for Europe in Edinburgh getroffen. Dort haben wir uns beide zusammen getraut – mit vielen weiteren Menschen, die sich gegen den Brexit einsetzen. Für Frauen, ob jung oder älter, ist der Kampf gegen den Brexit besonders schwierig, denn Anfeindungen gegen Anti-Brexit Stimmen sind häufig, und frauenfeindliche Beschimpfungen gehören für uns mittlerweile zum Alltag. Daher war es gut, über Brexit und den Kampf gegen ihn, und was er für Madeleina bedeutet, zu sprechen. Wir hoffen beide, dass noch mehr von euch – Frauen und Männer, alle – sich aufraffen und trauen. Die Zeit, sich zu trauen – sie ist jetzt. Egal wo in Europa, egal wo auf der Welt, ihr lebt.

Folgt uns bei Twitter: Madeleina Kay @albawhitewolf & Tanja Bueltmann @cliodiaspora

Madeleina Kay Young European of the Year 2018 Brexit

Madeleina, ich bin ganz begeistert, Dich hier in Edinburgh zu treffen – ich bewundere Deinen Aktivismus und weiss, dass es nich einfach ist … gerade als Frau. Du bist eine der unermüdlichsten Brexit Gegnerinnen. Warum kämpfst Du gegen den Brexit? 

Madeleina Kay: Weil die EU es Wert ist und ich mir selbst nicht mehr ins Gesicht schauen könnte, wenn ich es nicht wenigstens versuchen würde. Den Schaden, den der Brexit anrichten wird – für unsere Wirtschaft, die Gesellschaft und unsere Kultur – ist unentschuldbar. Wenn mir Europäische Freunde erzählen, dass sie sich aufgrund unserer Entscheidung zurückgewiesen und verraten fühlen, macht mich das tieftraurig. Noch schrecklicher ist, dass für die ärmsten Teile Grossbritanniens, die sowieso schon viele Problem haben und unter der Politik der Konservativen leiden (und die zudem zumeist für Leave gestimmt haben), die Konsequenzen des Brexit  am schlimmsten sein werden.

Besonders tragisch, finde ich auch. Es macht die Lügen, die viele Politiker bis heute verbreiten, noch schlimmer. 

Madeleina Kay: Das Gefühl der Ungerechtigkeit brennt ganz stark. Auch, weil wir diese Situation und ihre Folgen unseren Kinder vermachen. Es ist einfach ganz unglaublich und ich weigere mich, diese Zukunft zu akzeptieren – nicht für mich und nicht für zukünftige Generationen. Wir haben jetzt noch die Möglichkeit, den Brexit zu stoppen, bevor das Land, das wir lieben, zerstört wird. Es ist unsere Pflicht als Bürger, dass wir uns gegen den Brexit stellen. Nichts zu machen bedeutet letztendlich, dass man eigentlich hilft, dass der Brexit kommt. Es ist unser demokratisches Recht, gegen den Brexit zu demonstrieren, und es ist durch demokratische Mittel eben auch noch möglich, den Brexit zu stoppen. Und so werde ich bist zum Ende weiterkämpfen. Wir haben noch nicht verloren, wenn wir nicht aufgeben.

Siehst Du, ich sage ja, dass ich Dich bewundere – genau deshalb. Du wurdest gerade mit dem Titel Junge Europäerin des Jahres 2018 ausgezeichnet. Nochmal herzlichen Glückwunsch!  Was bedeutet Dir die Auszeichnung? 

Madeleina Kay: Ich bin unglaublich dankbar, mit dem Titel Junge Europäerin des Jahres 2018 ausgezeichnet worden zu sein, weil es mir hilft, die Arbeit, die ich die letzten zwei Jahre hinweg gemacht habe, zu legitimieren. Denn in meine Kopf gibt es schon immer mal wieder Zweifel – die werden von Hetzern auf Twitter und Kritikern genährt – und so gibt mir die Auszeichnung eine Bestätigung und auch Zuversicht, dass ich das richtige mache. Meine “unkonventionellen” Methoden des politischen Aktivismus werden immer wieder scharf kritisiert, obwohl sie sehr effektiv sind, Aufmerksamkeit zu erregen und Ideen zu kommunizieren. Die Schwarzkopf Stiftung hat darin, wie ich Kunst, Musik und Literatur nutze, um eine im Grunde sehr ernste Botschaft über Frieden, Liebe und Gemeinschaft zu vermitteln, ganz klar Kraft und Potential gesehen.

Auf jeden Fall. Ich finde die Sachen die Du machst, und wie Du sie machst, super. Meiner Erfahrung nach sprechen Menschen viel besser darauf an, wenn die Botschaft persönlich und nicht abstrakt ist. 

Madeleina Kay: Genau. Und auch mal aufs Emotionale setzen, zum Beispiel durch Humor und Spass – all das hilft dabei, Menschen anzusprechen, die von Politik sonst zu Tode gelangweilt sind … eine Sache, die Politiker ungern hören: dass Politik die meisten Menschen langweilt. Aber es ist ganz entscheidend für unsere Demokratie, dass wir die Bürger ansprechen und informieren, und darum glaube ich, dass wir unseren Werkzeugsatz etwas ausbauen müssen, und abwechslungsreichere Kommunikationsmethoden nutzen sollten. Die Auszeichnung gibt meinen Alternativmethoden Glaubwürdigkeit und Einfluss. Zudem bietet der Titel mir ganz fantastische Möglichkeiten, durch Europa zu reisen, Veranstaltungen zu besuchen und Menschen, die in EU Institutionen arbeiten, zu treffen.

Madeleina Kay Junge Europäerin des Jahres Young European of the Year Brexit

Viele Menschen in Kontinentaleuropa denken nicht besonders oft an den Brexit, weil er sie nicht so dirket betrifft. Hast Du eine Nachricht für sie?

Madeleina Kay: Wenn die Menschen glauben, Brexit sei nur ein Britisches Problem, dann liegen sie falsch. Wenn man die Auslöser vom Brexit ignoriert, dann werden auch anderswo Problem auftauchen. Meine Hauptkritik an der EU, und die habe ich schon oft ausgesprochen, unter anderem auch auf einem Blog der EU Kommission und in einem Artikel im Panorama Magazin, ist dass die EU nicht gut darin ist, die Bürger anzusprechen. Sie tut sich auch schwer damit, über die viele gute Arbeit die gemacht wird gut zu kommunizieren. Dieses Problem gibt es nicht nur in Grossbritannien. Populismus erstarkt gerade auch anderswo und weniger Bürger interessieren sich für Europawahlen. Menschen müssen sich im demokratischen Prozess involviert fühlen, sich befähigt fühlen, dass sie etwas bewegen können, um weiterhin ans politische System glauben zu können. Die EU hat versagt, wenn ihre Bürger nicht mehr daran glauben, dass sie für Fortschritt und positiven Wandel arbeitet, der ihnen und ihren Mitmenschen zu Gute kommt.

Dem stimme ich zu. Es ist eigentlich etwas lustig: Brexit Befürworter halten mir immer vor, ich würde die EU durch die rosarote Brille betrachten. Tatsächlich bin ich oft die lauteste Kritikerin. Eben genau weil ich so sehr an die grundlegenden Werte der EU glaube. Wie Du auch.  

Madeleina Kay: Genau. Brüssel hat ein richtiges Problem mit der grauen, gesichtslosen Fassade – sie trägt dazu bei, dass Menschen sich nicht in Institutionen involviert fühlen. Fast jeder der in den EU Gebäuden arbeitet ist weiss, mittleren Alters und trägt einen grauen Anzug. Als ich bei der EWRC war (Europäische Woche der Regionen und Städte) – ich kann gar nicht sagen, wie oft ich den Satz “Wir müssen mehr junge Leute involvieren” hörte. Aber es bewegt sich nur wenig. Es ist eines meiner Ziele, Druck auf die EU auszuüben damit sie ihren Ansatz zur Involvierung von Bürgern ändert. Und wie sie die  Erfolge, die es gibt, besser kommunizieren kann. Wir müssen es schaffen, das Gespräch über den Nutzen der EU auf eine persönliche Ebene zu bringen; nur so können wir die Leidenschaft, EU Bürger zu sein, wieder erwecken.

Dem stimme ich zu! Bevor wir zum Ende kommen lass mich noch fragen: was ist Deine Hoffnung für die Zukunft?

Madeleina Kay: Zunächst hoffe ich vor allem, dass wir Brexit stoppen können, bevor es zu spät ist. Wir haben noch gut ein Jahr Zeit, um eine Abstimmung für die Britische Bevölkerung über den Vertrag mit der EU [über das neue Verhältnis zwischen EU und Grossbritannien] einzufordern, und Mitglieder des Parlaments bezüglichen ihres Votums zu überzeugen. Ich werde 110% dafür geben, dieses Ziel zu erreichen; zudem will ich die Britische Bevölkerung davon zu überzeugen, dass wir dafür stimmen müssen in der EU zu bleiben. Aber letztendlich ist das ja irgendwie nur ein Pflaster auf dem viel tieferliegenden Problem der Skepsis gegenüber der EU, die es in Grossbritannien gibt. Viel mehr Arbeit is nötig, um die Britische Bevölkerung über die EU aufzuklären, ihnen besser mitzuteilen, was die EU fördert, und die Bevölkerung allgemein viel mehr in Debatten über Europa einzubinden. Letztendlich hoffe ich, dass Grossbritannien und die EU von diesem schrecklichen Fehler lernen und in Zukunft besser zusammenarbeiten können. Ich hoffe zudem, dass die EU weiter wachsen wird, und weitere Länder die Mitgliederkriterien erfüllen, so dass noch mehr Menschen in Europa die Vorteile der Unionsbürgerschaft geniessen können.

Vielen Dank für das Gespräch, Madeleina. Was auch immer im nächsten Jahr passiert, Du gibst mir Hoffnung. 

Bei diesem Interview handelt es sich um eine Übersetzung aus dem Englishen. Das Original-Interview findet ihr hier.  Am Brexit interessiert? Dann schaut doch auch einmal auf das Interview mit Annette Dittert

Und zum Ende noch ein paar Impressionen vom March for Europe in Edinburgh. Falls es euch interessiert könnt ihr euch auch meine Rede ansehen.

March for Europe Edinburgh Brexit

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