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Wie trägt man eigentlich… Doc Martens als erwachsene Frau, Mutter und PR-Direktorin?

kollage-gross

Als ich meine ersten Doc Martens kaufte, war ich weit davon entfernt, erwachsen zu sein. Viel weiter, als ich es mit meinen 15 Jahren dachte. Meine politische Einstellung, die ich mit dem Tragen der Docs bekunden wollte allerdings, hat das erst viel später folgende Erwachsenwerden überdauert. Entgegen aller Unkenrufe meiner Eltern und Verwandten, übrigens. Gott sei Dank .

Ein Schüleraustausch in den Süden Englands brachte mich damals meinem Traum von den Boots, mit denen die Füße die Solidarität zur Arbeiterklasse, und damit den Wunsch nach einem sozial gerechterem System, demonstrieren sollten, näher. Die Doc Martens waren in den Neunzigern im Zuge der Grunge-Welle nämlich in Mode gekommen (und damit teuer geworden) und somit vom Taschen- und erbabysitterten Geld einer Schülerin nicht ohne Weiteres zu erwerben. Ein Ausflug nach London mit der Gastfamilie war da hilfreich, und ich erstand meine ersten Docs für relativ günstige britische Pfund – in grün und überknöchelhoch. Den roten Schnürsenkel zog ich dann Zuhause ein – zum Missfallen meiner Eltern. Aber immerhin waren die Schuhe heile, fanden sie.

Bis zum Erwachsengewordensein verschliss ich zwei weitere paar Doc Martens in schwarz (der Klassiker) und lila. Ich trug sie im Winter und im Sommer, zur 501, zu selbstgenähten Schlaghose (aus Stoff aus dem Praktikum im Theater) zur kurzen Hose und zum (weißen) Kleid. Irgendwann war Grunge passé und ich verdiente mein Geld neben dem inzwischen begonnenen Studium nicht mehr mit Babysitten, sondern in Firmen, die ein seriöses Outfit verlangten. Dann muss man tun, was eine erwerbstätige Frau tun muss.

Menschen, die als Kinder Negerkussbrötchen liebten und diese Delikatesse Jahre später in der Bäckereitheke erspähen, muss es ähnlich gehen: Als die Schuhe „with bouncing soles“ vor zwei Jahren von Trendsettern und Designern wiederentdeckt wurden, empfand ich sentimentale Freude. An die repräsentative Seite meines Jobs denkend verwarf ich allerdings jegliche leidenschaftlich aufflammende Kaufabsicht. „Wann willst du die anziehen, Kristina?“

Einige Monate später sah ich im Schaufenster dann die ehrbare-Frau-und-Mutter-und PR-Direktorin-kompatiblen Doc Martens: Überknöchelhoch, aus grauem Veloursleder mit Pythonprägung. Mein damals elternzeitlich geschwächtes Budget jaulte beim Blick auf den Preis (ungefähr das in Euro, was sie vor gut 20 Jahren in D-Mark kosteten) auf, aber mein Mann wurde hinter meinem Rücken tätig, und ein paar Tage später waren sie als Überraschung Mein.

Und wie trägt man sie jetzt? Zur Jeans – skinny oder schmal geschnitten, zur Jogpants, zum gröberen Wollkleid oder –rock mit blickdichten Strümpfen, mit Mantel oder Parka. Ich habe auch einige bürotaugliches Lieblingsoutfits: Weiße Bluse, grauer Wollpullover und graue Flanell-Jogpants, zum Beispiel. Sieht cool aus und trotzdem sportlich-elegant. Oder eine graue Skinny Hose in Velours-Optik mit dunkelblauem Pullover und weißer Bluse im Lagenlook. Funktioniert nach der Arbeit auch noch bestens auf dem Spielplatz.

Was heute fehlt, ist der rote Schnürsenkel. Dafür darf ich inzwischen wählen – auch rot. Und im Herzen, da schnüre ich noch immer feuerrot.

3 Comments

  1. 06/10/2018 / 16:58

    Dankeschön… die Frage stelle ich mir (gestandene 46) auch gerade bei dem Anblick von goldenen Dr Martens (glitter). Aber ich werde sie kaufen und tragen… wenn nicht jetzt, wann dann? Und im Zweifelsfall mit Blazer und weißer Bluse. Liebste Grüsse

  2. iknmlo
    06/10/2018 / 19:37

    Gold? Mit Glitter? Dazu sagen wir ein ganz herzliches UNBEDINGT!!!
    Liebe Grüße!

  3. Claudia
    08/10/2018 / 19:55

    Wie wunderbar. Ich habe sie ebenfalls als Teenager geliebt und ihnen dann wegen mangelnder Alltagstauglichkeit abgeschworen. Gerade bin ich schwach geworden und hab mir das Paar mit dem Rosendruck aus der New Order Collection geleistet.
    Als die Bestellbestätigung kam, die leise Frage im Hinterkopf: “Kann ich die mit über 40 überhaupt noch tragen?” Dein Post beweist – ich kann. Die Vorfreude wächst.
    LG

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