Wenn Ü40 Frauen alleine reisen

Passionierter Solo-Traveller

Gleich mal zu Beginn: ich liebe es, bin, wie man auf Englisch so schön sagt, passionierter Solo-Traveller! Natürlich macht es auch sehr viel Spass, gemeinsam zu reisen! Erlebnisse und Entdeckungen zu teilen ist immer etwas besonderes. Bei manchen Reisen würde ich aber wohl Solo vorziehen. Einerseits kommt es daher, dass ich mich daran einfach gewöhnt habe. Durch die Arbeit bin ich mittlerweile so richtig gut eingespielt darin, weil ich viel im Ausland unterwegs bin – und diese Reisen sind  immer alleine. So musste ich mich damit auseindersetzen, alleine zu reisen. Und stellte schnell fest, dass es ziemlich viel Spass macht, alles so gestalten zu können, wie ich es möchte. Denn mir geht es beim Reisen vor allem um die Erfahrungen. Und wenn ich alleine reise, dann sind diese meiner Meinung nach intensiver. Ich muss mich selbst um alles kümmern, muss mir überlegen, was ich machen möchte. Ich lerne mehr Menschen kennen, weil ich nicht immer nur einfach mit dem Mitreisenden quatschen kann. Ich muss mehr heraus aus mir, weil ich alleine unterwegs bin. Manchmal ist das etwas unbequem und unpraktisch. Vor allem ist es aber immer spannend und biete ganz neue, oft unerwartete, Perspektiven.

Worauf sollte ich als Solo-Traveller achten?

Natürlich bin auch ich gerne mal spontan, aber “das Grobe” muss schon  vor der Abreise geregetl sein. Diese Vorliebe liegt nicht per se am alleine reisen, aber bei einer Solotour gibt Planung schon Sicherheit. In die Kategorie “muss vor Abreisen stehen” gehören für mich erstmal alle Flüge und sonstige Transportmittel, und vor allem auch die Unterkünfte. Und die müssen “Style” haben – wobei ich diesen nicht unbedingt in “teuer” oder “5-Sterne” bemesse: ich liebe Hotels, die anders sind. Die interessant sind, weil sie besonders eingerichtet sind. Oder, weil sie eine tolle Location haben. 0-8-15 Hotels mit langweiligen weissen Wänden und sterilen Korridoren mag ich gar nicht. Es muss Farbe in die Reise!

Für mich als alleinreisende Frau liegt ein gutes Hotel mittendrin – im Gewusel einer Stadt oder zumindest in unmittelbarer Nähe vom Leben. So ist es sichergestellt, dass man gut an- und eingebunden ist. Für den Entspannungsurlaub mag ja ein entlegenes Hotel schön sein, und eine Oase der Ruhe bieten. Wenn man aber, wie ich, normalerweise gerne viele Unternehmungen macht, dann ist es vor allem wichtig, dass das Hotel eine gute Anbindung an Transportmittel hat. In einer Stadt sollte das Hotel am besten in einer Gegend liegen, von der man sofort viel zu Fuss erreichen kann. Ich bin gerne so unabhängig, wie möglich, und sowieso ein grosser Freund davon, Orte zu Fuss zu erkunden.

Was zeichnet eine gutes Hotel aus Solo-Traveller Perspektive aus?

Mitarbeiter in Hotels sollten freundlich sein, ist ja klar. Sie sollten aber auch auf Alleinreisende sensibilisiert sein. Nichts stösst mir mehr auf wie eine Frage a la “werden Sie heute Abend alleine essen” bei der Tischreservierung. Würde ich mit mehreren Personen kommen, dann hätte ich es doch wohl sofort angegeben, oder? Warum ärgert mich diese Frage so? Weil sie darauf hindeutet, dass man sich als Alleinreisende alleine fühlt, und eigentlich unglaublich traurig ist, dass man alleine ist: wenige können sich vorstellen, dass man alleine zum Essen geht.

Aber nicht nur Hotels liegen hier gerne mal schief: es gibt auch immer mehr Restaurants, bei denen man alleine überhaupt erst gar keinen Tisch reservieren kann. Absolut unmöglich ist das! Mittlerweile habe ich eine schwarze Liste. Zwar kann ich ja durchaus nachvollziehen, dass ein Restaurant lieber zwei Gäste am Tisch hätte, aber es ist dennoch eine vollkommen inakzeptable Diskriminierung. Und da lobe ich mir all die Restaurants, die genau das Gegenteil machen, die sensibilisiert sind für diejenigen, die auch alleine gerne Gaumenfreuden geniessen möchten.

Aber nocheinmal zurück zu Hotels: sie sollten auch nicht davon ausgehen, dass es ok ist, Alleinreisende in die kleinsten Zimmer in der hintersten Ecke zu stecken. Wenn man pro Zimmer bezahlt, dann hat man auch ein Recht auf die gleiche Grösse und Qualität. Hotels die hier unterscheiden – und es gibt einige Ketten, die es tun – stehen bei mir sofort auf der Abschussliste.

Also, alleine unterwegs? Hier meine Top 5 Tips

Niemals glauben (oder sich einreden lassen), dass etwas allein reisend nicht geht: So ganz kann man es nicht abstreiten: einige Dinge sind schwieriger, wenn man alleine unterwegs ist. Da fällt mir schon gleich der Abflug und Besuch der Flughafentoilette ein: immer muss man alles mitschleppen, anstatt die Tasche einfach mal dem Mitreisenden in die Hand zu drücken. Man sollte aber nie einfach davon ausgehen, dass man irgendetwas nicht machen kann, nur, weil man alleine ist. Natürlich darf man alleine in ein schickes Restaurant zum Essen gehen. Warum soll man nicht alleine auf der Chinesischen Mauer unglaubliche Aussichten geniessen? Und wer sagt, dass es ein Problem ist, alleine durch Neuseeland zu fahren? Ich bin da ganz brutal: wenn ich jedes Mal so lange gewartet hätte, bis mal endlich jemand Zeit hat, mit auf die Reise zu kommen, dann hätte ich noch nicht einmal die Hälfte der Orte und Länder gesehen, die ich bisher besucht habe. Go for it! The sky’s the limit.

Travel light: Hier bin ich nicht gerade eine Weltmeisterin – nur mit Handgepäck, wie es die bekannte Solo-Reisende Janice Waugh vermag – reise ich normalerweise nicht. Aber man kann, und sollte, es sich antrainieren, mit kleineren Koffern zu reisen. Das habe ich auf jeden Fall perfektioniert! Wenn es in exotischere Gebiete geht, oder vielleicht auch einmal ein Zug bestiegen werden muss, sollte das Gepäck so leicht und transportabel wie möglich sein. Meine Empfehlung für solche Reisen: ein Kofferrucksack (zum Beispiel von Osprey).

Vorbereitet sein: Wo liegt das Hotel? Wie komme ich dorthin? Umso wichtiger, wenn man in Länder fährt, deren Sprache man nicht, oder nicht gut, spricht. Ich habe immer einen Stadtplan des Ziels auf dem Handy, und auch Screenshots von der Route vom Flughafen zum Hotel. Ich lade die Route auch immer einmal auf meiner Handy-Karte: dann kann man, selbst im Ausland und meistens ohne Roaming, per GPS sehen, wohin man fährt. Mittlerweile bietet Google Maps auf den temporären offline Download an. Wenn ich nach China fahre habe ich alle Hotelnamen und Adresse auf Chinesischen dabei. Und die Telefonnummern von Hotel, Notruf im Land, in dem ich mich aufhalte, der Deutschen Botschaft und meiner Bank zu Hause sind im Handy gespeichert. Vom Pass habe ich eine Fotokopie im Gepäck und sowohl Pass als auch meine Kreditkarten stecken bei mir immer in Hüllen mit RFID-Schutz. Overkill? Vielleicht. Aber geschadet hats mir bisher sicher nicht.

Niemals Angst zeigen: Falls es doch einmal seltsame Situationen gibt, man zum Beispiel meint, jemand würde einem hinterherlaufen, dann muss man vor allem ruhig bleiben. Einfach immer weiter gehen. Tatsächlich verlaufen? Nicht sofot die Strassenkarte rausziehen, wenn man sich in einer entlegeneren Ecke befindet. Lieber weitergehen, bis es wieder belebter wird, im Zweifelsfall zurück in die Richtung, aus der man kam. Es ist wichtig, zumindest immer so auszusehen, als sei man absolut Frau der Lage. Auch, wenn das nicht unbedingt immer so ist. You’re the boss!

Offen sein: Natürlich ist es eine Tatsache, dass Alleinreisenden immer mal wieder etwas passiert. Auch ich gebe hier schliesslich ein paar Tips, die dazu beitragen sollen, dass nichts passiert. Aber für mich ist auch ganz wichtig, dass man nicht vergisst, dass es unglaublich viele tolle und freundliche Menschen da draussen in der grossen weiten Welt gibt. Und für die sollte man immer offen sein. Also Orte besuchen, wo man Menschen kennenlernen kann. Sich einfach mal trauen, fremde Menschen anzusprechen. Und nicht immer gleich davon ausgehen, dass etwas faul ist, wenn man angesprochen wird.

PS: Ach ja, und die Kunst des Selfie – ja, die sollte man auch noch lernen (aber immer, immer, immer ohne Selfie-Stick!!!).

Leave a Reply

Your email address will not be published. Required fields are marked *