Was trägt eine Frau eigentlich … zum Gerichtstermin?

P1160803Vor vielen Jahren kaufte ich mir ein Dirndl. Für den Fall aller Fälle wollte ich gern eins im Schrank hängen haben. Dabei dachte ich nicht so sehr ans Oktoberfest, sondern an einen Gerichtstermin. Schließlich war ich notorische Falschparkerin, und ich betrachtete ich es in jungen Jahren als Sport, in der Bundesbahn schwarz zu fahren. Wenn man mich schnappte und vor den Kadi schleppte, würde ich das Dirndl, dieses besonders feminine Kleidungsstück, das wie kein anderes den Busen, die Taille und die Hüften betont, strategisch einsetzen. Mit braver Flechtfrisur und treuem Augenaufschlag, so unglaublich unschuldig und frisch, würde ich mir unter dem Richtertisch noch ein wenig das Holz vor der Hüttn zurecht ruckeln. Nichts anderes als ein triumphaler Freispruch wäre das Resultat.

Die Zeiten haben sich geändert. Ich fresse kaum noch was aus. Zum Schwarzfahren in der Bundesbahn sind meine Nerven viel zu schwach geworden, lediglich das Falschparken habe ich noch nicht ganz aufgegeben. Doch das Dirndl ist immer noch da. Manchmal hole ich es aus dem Schrank. Ich trage es in einer Multikulti-Version. Mit einem japanischen Plisseemantel und einem bestickten Gürtel aus Mexiko. Was ich damit sagen will? Ich fürchte zwar keinen Gerichtstermin mehr, doch das Leben ist immer noch bunt.

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