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Vorfreude auf den Sommer: Spaghetti-Eis

P1100054Zum Sommer gehören für mich: endlich ohne Strümpfe gehen, Abendessen draußen auf der Terrasse, Gartenparties, Tischtennis spielen im Park. Für meine wunderbare Schwiegermutter kennzeichnete den Sommer nur eins: Spaghetti-Eis. Jeden Tag gönnte sie sich ein Spaghetti-Eis. Nicht etwa, dass sie sich aus dem Supermarkt einen Plastiktopf mit Vanilleeis holte und zu Hause am Küchentisch etwas Erdbeersauce darüber goss. Zum Gesamtpaket gehörte, dass sie aus ihrem Spaghetti-Eis ein in jeder Hinsicht sinnliches Erlebnis machte. Nach dem Mittagsschlaf kleidete sie sich sorgfältig an, wobei sie auch jenseits der Neunzig noch bewundernswert extravagante (und unbequeme) Prada-Schuhe mit korrespondierenden Handtaschen trug, sich die Augenbrauen nachstrichelte, etwas Rosé auf die Lippen auftrug und in die Eisdiele ging. Der Sommer fing für sie also an, wenn sich nach dem Winter der Teppichladen in die Eisdiele zurückverwandelte und in Erwartung warmer Temperaturen die Tische, Stühle und Sonnenschirme auf der Terrasse aufgestellt wurden.

Dort nahm die wunderbare Schwiegermutter Platz. Gianni, der schöne, junge Kellner, eilte herbei, Signora que bella, bellissima! Leider war er wieder schlecht durch den Winter gekommen, sodass sie sich vornahm, am Wochenende Lotto zu spielen, um ihm einen Teil des Gewinns zukommen zu lassen und ihn aus der Arbeitsfron auszulösen. Freilich nur 50%, den Rest würde sie, nein, nicht in die Kinder und Enkel, sondern in die neue Kollektion von Prada investieren. Eine Speisekarte brauchte sie nicht, no grazie, sie wusste, was sie wollte. Ein Spaghetti-Eis und einen Espresso. Schon das erste Löffelchen Spaghetti-Eis, das sie genussbewusst und langsam verspeiste, erinnerte sie an die Ferien in der Nachkriegszeit, im Opel Rekord tausend Kilometer Richtung Süden, an den rot-weiß gepunkteten Bikini am Strand von Grado, an die Schlager von Conny Frances und Dolce Vita. Tuto bene? fragte Gianni. Alles bestens, antwortete die wunderbare Schwiegermutter, denn sofort schienen sie die milchigdünnen deutschen Sonnenstrahlen ein bisschen mehr zu wärmen.

Gestern sah ich, dass die Lampenausstellung in meiner Nachbarschaft sich in die Eisdiele zurückverwandelt hat. Für Tische, Stühle und Sonnenschirme auf der Terrasse ist es natürlich noch viel zu kalt. Eigentlich auch für Spaghetti-Eis, aber vielleicht schaue ich doch morgen mal rein.

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