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Verrückt statt vernünftig: Bei Frida Kahlo in London

Ü60 Bloggerin Ursel über Frida KahloDu lieber Himmel, was ist denn hier passiert? Ich, Selfies knipsend, mit floralem Impro-Look als Kopfputz, während die Menschen um mich herum mich anstarren, als sei ich nicht mehr ganz bei Trost. Wie konnte das geschehen?

Letzte Woche war ich in London. Ich wollte unbedingt auf den letzten Drücker die Ausstellung von Frida Kahlos Kleidern im Victoria&Albert Museum ansehen. Zwar waren die Kritiken verhalten, und auch Tanja äußerte sich in ihrer Rezension im Blog kritisch. Doch ich wusste, dass ich unbedingt selber hinfahren und gucken musste. Nach London, nur um die Frida Kahlo-Ausstellung anzusehen? Im Museumsshop aus Begeisterung über das Gesehene ein Frida Kahlo-Haarband einshoppen, das ich vielleicht nicht mal mehr im Karneval tragen werde? Ja! Weil es manchmal richtig ist, genau das zu machen, was uns wichtig ist. Auch wenn es vielleicht verrückt statt vernünftig ist.

Dinge zu tun, die vernünftig sind, erscheint uns als das Normalste von der Welt. Dazu gehört vor allem, Ziele zu haben und uns und unser Leben immer noch ein bisschen besser zu machen. Doch häufig sind es gar nicht unsere eigenen Ziele. Vielleicht sind es eher die der von uns bewunderten, erfolgreichen Freundin. Oder die eines Mannes, dem wir gefallen wollen. Auch Frauenzeitschriften und eine gigantische Werbemaschinerie versuchen nichts anderes, als ständig neue Ziele in uns hinein zu pflanzen, die oft nicht das Geringste mit uns zu tun haben. Wir alle können sie im Schlaf herunterbeten: Halte Dein Gewicht. Mach regelmäßig Pausen. Vermeide Zucker. Kleide Dich jung und stylisch. Sei vernetzt. Pflege interessante Hobbies. Auch viele kommerzielle Modeblogs spielen hier eine unrühmliche Rolle. Sie erzeugen Bedürfnisse in uns, die wir gar nicht haben. Oh ja, ich will diesen weißen Lederstiefel mit Blockabsatz. Ich spare auf diesen wunderbaren Kaschmir-Wintermantel. Den schwarzen Lederblazer brauche ich dringend.

Doch vielleicht noch gefährlicher als materielle Ziele sind die immateriellen. Mach das Beste aus Deinem Leben und aus Dir selbst. Werde noch schneller, perfekter, erfolgreicher. Letztendlich nicht zu erreichende Ziele, weil es das perfekte Leben nicht gibt.

Ich meine nicht, dass wir das Leben einfach immer nur auf uns zukommen lassen und ziellos darin herum dümpeln sollten. Ich würde auch nicht das Hohe Lied des Konsumverzichts anstimmen. Uns den Traum von dem Mantel zu erfüllen, in dem wir sozusagen wohnen können, weil er genau zu uns passt, obwohl er so viel kostet wie eine Einbauküche, kann gut tun. Ein Mensch, der eine Vision von sich und Ziele vor Augen hat, fühlt sich ausgefüllt, sieht einen Sinn in seinem Leben. Nur sollten wir uns nicht freiwillig ständig Zwängen unterwerfen, nur um krampfhaft Ziele zu realisieren, Erfolge einzufahren und andere damit beeindrucken zu können. Im Gegenteil. Ballast abwerfen, Freiheiten gewinnen und nur für Ziele eintreten, die für uns stimmig sind. Die uns begeistern und uns nicht mehr los lassen, weil sie aus unserem tiefsten Inneren kommen. Ganz egal, was andere darüber denken. Selbst dann, wenn jeder andere Mensch auf der ganzen Welt das total bescheuert findet.

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