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Unter Frauen: Seit über 900 Tagen gegen den Brexit

Ja, ich weiss: ihr seid bestimmt langsam genervt vom Brexit. Ich auch. Und zwar so richtig! Aber was soll man machen? Hier einfach nur rumsitzen und darauf warten, dass alles in die Hose geht? Nein, so geht es nicht. So bin ich nicht. Und gleiches gilt für Nicola James. Nicola ist sozusagen mein Gegenstück: ich EU Bürgerin in Grossbritannien, sie Britin in den Niederlanden. Gemeinsam – sozusagen unter Frauen – kämpfen wir gegen den Brexit. Seit nunmehr über 900 Tagen.

Tanja und Nicola beim Final Say For All “Beehive” in Bath

Also nun sag mal, Tanja, warum machen wir diesen Mist überhaupt? Und auch noch seit über 900 Tagen?

Tanja: Das frage ich mich im Moment immer öfter, da muss ich ehrlich sein. Ist ja auch bald nicht mehr auszuhalten, dieser ganze Dreck. Neben dem allgemeinen Chaos fällt der Britischen Regierung jeden Tag etwas Neues ein, was das Leben für EU Bürger noch schlimmer machen wird. Es liegt alles nur an Theresa May – sie treibt dies voran: EU Bürger sind ihr zuwider. Und Briten, die in einem anderen EU Land leben, hat die Regierung ganz vergessen. Mit Absicht.

Nicola: Ja, leider. Ich habe aus ganz persönlichen Gründen angefangen, mich gegen den Brexit zu stellen. Mein Leben wird ganz direkt, und sehr negativ, beeinflusst werden, falls der Brexit wirklich kommt. Ich war aber auch einfach unglaublich verärgert: Da ich seit mehr als 15 Jahren nicht in Grossbritannien gelebt habe, durfte ich beim Referendum nicht abstimmen – obwohl ich ja Britin bin. Wir Briten in der EU werden vollkommen ignoriert. Wir sind weit über eine Million Menschen.

Tanja: Angefangen habe ich eigentlich nicht aus persönlichen Gründen, sondern aus Überzeugung: Ich glaube an die Werte der EU. Es ist aber über die Zeit immer persönlicher geworden. Gerade auch, weil ich immer mehr Menschen getroffen habe, immer mehr persönliche Geschichten gehört habe. Ich habe neulich mal meine Ordner durchgeschaut: Über 12 000 Emails und Nachrichten habe ich seit dem Referendum von Menschen bekommen, die ganz verzweifelt sind. Für sie mache ich weiter. Ich könnte hier nicht nur einfach rumsitzen, und mir das nur anschauen. Ich muss jeden Abend in der Lage sein mich im Spiegel anzusehen und zu sagen: “Ja, ich habs versucht.”

Nicola: Genau. Es ist für mich auch viel mehr geworden. Die Menschen, die ich getroffen habe, inspirieren mich ungemein und ich kann sie nicht einfach alleine leiden lassen. Ich kann nicht einfach nur hier stehen und mir ansehen, wie das Land, das ich liebe, durch Hass und Gier zerstört wird. Genau darum fühle ich mich auch so verbunden mit EU Bürgern, die in Grossbritannien leben – als ob wir Zwillinge wären. Ich kann nicht fassen, was ihnen nun alles in Grossbritannien bevorsteht … aber ich verstehe ihre Angst, die Machtlosigkeit und die Unsicherheit.

Aber einfach ist es nicht. Die Angriffe kommen öfter und werden schlimmer – gerade bei dir, Tanja. Wie können wir denn überhaupt weitermachen? 

Tanja: Wie immer nach dem Motto “courage calls to courage everywhere” – für mich hat das ja nun eine ganz persönliche Bedeutung. Und natürlich zusammen mit den wunderbaren Menschen, die wir kennengelernt haben. Die neuen Freunde. Ohne sie ginge bei mir auf jeden Fall absolut gar nichts mehr. Gerade die letzte Woche hat mir das mal wieder ganz deutlich gezeigt.

Nicola: Ja! Ich fühle mich sozusagen mit den Menschen, die ich getroffen habe, gesegnet, und habe Glück gehabt, dass ich sie treffen konnte. Ich werde sie niemals im Stich lassen und gebe nicht auf.

Tanja: Wir geben zusammen nicht auf! “Courage calls” …

Final Say For All 

Nicola James ist Mitgründerin der Final Say For All Kampagne. Bei der Kampagne geht es darum – sollte es eine zweite Brexit Abstimmung geben – allen Menschen eine Mitspracherecht zu geben. Also auch EU Bürgern und allen Briten, die in einem EU Land leben – beim ersten Referendum durften die meisten von ihnen nicht abstimmen. Final Say For All hält in ganz Grossbritannien und in Brüssel sogenannte “Beehive” Veranstaltungen ab. Bei ihnen geht es darum, ganz normalen Menschen die Möglichkeit zu geben ihre Geschichte zu erzählen; ihnen zu erlauben darüber zu sprechen, warum Brexit für sie so persönlich ist.

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