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Sch… diäten!

2014-08-19 13.14.35Das Elend fing bei Zara in der Umkleide an. Ich wollte ein Kleid anprobieren, stand halbnackt vor dem Spiegel und was ich darin sah, gefiel mir nicht. Da wölbte sich was in meiner Leibesmitte. Mehrere Ringe wie beim Michelin-Männchen. So ging es nun wirklich nicht weiter! Hatten wir nicht bald unser Fotoshooting? Hatte ich bei unserem Ausstatter Marc Aurel nicht Kleidergröße 36 angegeben? Ute fiel mir ein und ihre einwöchige F.X.Mayr – Kur im Gräflichen Park, von der sie straff und schlank zurückgekehrt war. Morgens, mittags und abends ein trockenes Dinkelbrötchen, jeden Bissen 50 mal kauen, dazu ein paar Tassen Tee und jede Menge stilles Wasser. So hatte sie es erzählt. Das Geld für den Aufenthalt würde ich mir sparen. Ich würde zu Hause mayern. Beim Biobäcker kaufte ich 9 Dinkelbrötchen und verkündete überall, dass ich am nächsten Morgen loslegen würde.

Meine Kur begann Sonntag vor einer Woche. Auf meinem Frühstücksteller lag ein trockenes Dinkelbrötchen. Daneben stand statt Kräutertee eine Tasse Kaffee, ohne ging es nicht. Ich kaute jeden Bissen 50 mal. Zum Mittagessen gab es ein Dinkelbrötchen und Mineralwasser, am Abend ein Dinkelbrötchen und eine leichte Gemüsebrühe. Erstaunlicherweise hatte ich keinen Hunger. Überhaupt sah ich im Spiegel schon ganz schlank aus. Wahnsinn, wie schnell das ging! In der Nacht rumorte es in meiner Leibesmitte. Das war sicher schon der Fettabbau.

Montag morgen blieb ich lange im Bett liegen. Für ein Bircher Müsli mit frischen Früchten oder ein knackiges Brötchen aus weißem Mehl, fingerdick bestrichen mit je einer Lage Quark und Sauerkirschmarmelade wäre ich leichter aus den Federn gekommen. Aber gut, von nichts kommt nichts. Ich zerbröselte den braunen Dinkelfladen, zählte und kaute und speichelte jeden Bissen sorgfältig ein. Genauso am Mittag. Für den Nachmittag hatte ich mich mit Karin verabredet. Sie war die einzige, die ich treffen konnte, denn sie war auch grad auf Diät. Wir gingen in den Biergarten und bestellten stilles Wasser. Die drei Frauen am Nebentisch bekamen Schnitzel mit Pommes und einen Humpen Bier. „Guck doch mal diese Figuren!“, sagte Karin laut, „sie platzen bald aus den Hosen. Da weiß man doch, wofür man es macht.“ Am Abend hatte der Mann, der im Internet keine Spuren hinterlassen und deshalb im Blog nicht erwähnt werden will, schlechte Laune, denn der Kühlschrank war leer. „Ist wenigstens noch eine Pizza im Kühlfach?“, maulte er. Er belegte sie dick mit Bressaola und vielen kleinen Kirschtomaten. Ich musste den Raum verlassen, um nicht die Zähne in den Tisch zu rammen und mümmelte meinen Fladen allein vorm Computer. In der Nacht träumte ich schlecht. Raus, raus, raus – mit allem, was mich belastet, dachte ich. Hier wird jetzt körperlich UND seelisch entschlackt.

Der Dienstag begann mit Bröseln, Kauen, Zählen, Speicheln. Auf dem Weg durch die Stadt stand ich plötzlich vor einer Würstchenbude. Jetzt eine Bratwurst und ich würde sie ohne abzubeißen bis unten durchschieben. Am Nachmittag war ich mit Ute unterwegs. Wir kamen an einer Bäckerei vorbei. Nur EIN Rosinenbrötchen, dick mit Butter bestrichen! „Halt durch!“, sagte Ute, „du kannst dir ja am Abend mal einen Klacks Kräuterquark zum Dinkelbrötchen genehmigen.“ Am Abend zog der Mann die Backen nach innen und tat verhungert. Er verkündete, essen zu gehen. Ich speichelte den Dinkelfladen allein vorm Fernseher ein. In der Nacht überlegte ich, dass das gemeinsame Kochen und Essen bei uns zu Hause ein großes Thema ist. Das abendliche Treffen am Küchentresen, zusammen kochen und essen, Wein trinken und reden. Nicht schön, wenn das wegfällt! War es das denn wert? Eigentlich nicht.

Mayern zu Hause funktioniert nicht, wurde mir klar. Mayern geht nur an einem zurückgezogenen Ort, weg von den häuslichen Essensritualen und Lebensgewohnheiten. Damit man sich beim Fasten nicht leid tut, muss die Umgebung exklusiv sein. Am besten ein luxuriöses Hotel, Joga, Pilates im Einzelunterricht und dazu Dinkelbrötchen auf Silbertablett an Edelbouillon. Was glauben Sie wohl, wie mir der Dinkelfladen schmecken würde, wenn ich für eine Woche locker 2000 Euro bezahlt hätte?

Mittwoch morgen kochte ich mir ein Ei und aß ein herrlich frisches Brötchen mit Quark und Kirschmarmelade. Am Mittag gab es einen dicken Brathering mit viel Zwiebeln und in Speck gebratenen Kartoffelscheiben. Auch der Mann strahlte. Bis ich verkündete, dass ich jetzt eine neue Diät mache. Atkins. Tagsüber alles ganz normal, nur am Abend keine Kohlehydrate. Also alles ganz easy.

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