Sagen Sie mal, Frau Braun…

P1010131Frau Braun, warum fühlen Sie sich in Bozen so wohl?
Hier liegt alles vor der Haustür. Die dolomitigsten Dolomitenspitzen, die üppigsten Weinberge und das Mittelmeer. Es ist mindestens 10 Grad wärmer als zu Hause. Der Himmel strahlt blau und dümpelt nicht ostwestfälisch grau vor sich hin.

Wo kaufen Sie ein, wenn Sie etwas Besonderes für Ihre Garderobe suchen?
Die meisten deutschen Innenstädte mit ihren Kaufhäusern und Systemgeschäften langweilen mich. In den kleinen Läden unter den Bozner Arkaden finde ich oft Dinge, die ich nicht überall bekomme. Bei Buratti, dem ältesten Schuhgeschäft der Stadt, gibt es jedes Modell auch in meiner Schuhgröße (35,5). Schon allein deshalb müsste ich jedes Jahr zwei Mal nach Bozen fahren.

Was kann man sich von den Boznerinnen abschauen?
Sie kombinieren einen anglophilen Landadel-Look mit italienischem Aufgeputztsein und haben keine Scheu, ihre Pelzmäntel aus dem Schrank zu holen. Motto: High maintenance.

Viele deutsche Frauen tragen den lässigen Parka/Sneaker – Look. Welche Attitüde ist typisch für Bozen?
Burberry-Halstuch und Perlenkette.

Warum Bozen und nicht Meran?
Meran ist zu viel Sissi, zu viel Kur, zu viele deutsche Rentner in Dirndl und Kniebundhosen. Bozen dagegen ist zu zwei Dritteln italienischsprachig, chic und ein blühendes Handelszentrum mit Universität und bedeutenden Museen.

Was fanden Sie an Bozen sofort umwerfend?
Den Ständer mit 35 Tageszeitungen aus 6 Ländern im Café Walther. Hier vergesse ich Raum und Zeit.

Für welches Bozner Frühstück stellen Sie den Wecker?
Für das Bircher Müsli mit Mascarpone und zuckerfreiem Apfelsaft auf der sonnenbeschienenen Terrasse des Parkhotel Laurin. Dafür lasse ich sogar mein geliebtes Bettfrühstück sausen.

Schönster Ort außerhalb der Stadt?
Kloster Neustift, die Seiser Alm und natürlich die Hausberge, der Ritten und der Kohlern. Mit der Seilbahn hochfahren, über den Freud-Weg an den Sommerhäusern der reichen Bozner Familien aus den 1920er Jahren entlang spazieren und in den historischen Wirtshäusern einkehren. Im Penzlhof Sirup, Saft und Marmelade kaufen. Besonders köstlich: der Minzsirup.

Auf was könnten Sie am ehesten bei einem Bozen-Besuch verzichten?
Iceman Ötzi. Er ist zwar museumsdidaktisch interessant aufbereitet, aber ich finde es eher abstoßend, mit Hunderten Besuchern in einer Schlange zu stehen, um durch ein Guckloch auf eine 5000 Jahre alte Leiche zu starren.

Noch ein Wort zu den Bozner Männern.
Eine Kreuzung von Italienern wie aus einem Mafiafilm und gediegenen Herren in Lodenmänteln mit Mittelfalte plus Gamsbarthut. Typischer Vertreter: Matteo Thun. Donnerstags ab 18 Uhr beim Jazz-Cocktail in der Bar vom Laurin häufig anzutreffen.

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