Dekadenblick … Perlenketten

perlen“Nicht nur für Bräute! Perlenketten stehen für raffiniertes Understatement und sind doch zeitlos, klassisch und ungemein elegant! Perlenketten in klassisch weiß gehören als Standard in jedes Schmuckkästchen!
Eine echte Perlenkette kann sich heutzutage jede Frau leisten: Eleganz und Reinheit pur!” So die einschlägigen Slogans der Werbung!

Nicht selten werden Perlen mit Tränen assoziiert. Die Perser glaubten, dass Perlen Tränen der Götter seien. Von allen Königinnen galt Elisabeth I (1533-1603) als die wohl leidenschaftlichste Anhängerin von Perlen. Gemälde zeigen sie meist mit mehreren Perlenketten verschiedener Längen. Einige reichten ihr bis zum Knie. Die Geschichten rund um Perlen und ihre Trägerinnen sind vielfältig!

Aber was ist mit uns, was bedeutet die klassische Perlenkette uns Frauen von heute ?

DSC04644Perlen? Echt? Oder lieber Fake? Ich halte es mit meiner unvergleichlich wunderbaren Schwiegermutter, einer Frau, neben der noch in ihrem 96. Lebensjahr jede andere Frau zu einer Waschfrau zusammenschrumpfte. Sie sagte: “Eine Frau kann einen falschen Busen tragen, ein falsches Lächeln oder eine falsche Haarfarbe, aber niemals falsche Perlen.”

Als ich zum ersten Mal eine Perlenkette geschenkt bekam, war ich 14. Ich hatte Konfirmation. Nach dem Verspeisen der Buttercrèmetorten durfte ich am Nachmittag die Geschenke auspacken. Maria Weiß – ein Ess- und Kaffeegeschirr für 12 Personen, ein 12 teiliges Essbesteck aus Silber von WMF, ein 12 teiliges Dessertbesteck mit einer Rose am Griff, Handtücher mit der Aufschrift „ER“ (hellblau) und „SIE“ (rosa). Nichts davon habe ich je benutzt. Allein die kleine Perlenkette, die mir meine Patin anlegte, gefiel mir. Perlen gehörten Ende der Sechziger Jahre zum Leben einer Frau. Ich gehörte jetzt zu den Frauen. Das machte mich stolz.

In der Generation unserer Mütter waren es Perlen, die etwas darüber aussagten, ob man es zu etwas gebracht hatte im Wirtschaftswunder-Deutschland. Als sich meine Mutter und meine Schwiegermutter das erste Mal trafen, Weihnachten unterm Christbaum, hatten sie angelegt, was die Schatullen hergaben. Pfundweise Perlen. Kurze Perlenketten, lange Perlenketten, vier Reihen ineinander verschlungene Süßwasserperlen, dreireihiges Perlenarmband, vierreihiges Perlenarmband, Brosche und Ringe mit Perlen. Die Mütter funkelten mit dem Weihnachtsbaum um die Wette und taxierten einander. Wer brachte mehr Perlen auf die Waage? Meine Mutter zog eindeutig den Kürzeren. Meine Mutter, eine Mutter, die einen großen Garten hatte, Marmelade kochte und zu Hause Kittel mit kleinen Mustern trug, hatte gegen die prächtige Schwiegermutter keine Chance. Da war das Weihnachtsfest für sie gelaufen.

Als ich zum letzten Mal eine Perlenkette geschenkt bekam, war ich 53. Es ist eine kurze Kette aus großen, hellrosa schimmernden Süßwasserperlen; der Verschluss sieht understated aus, ist aber hochkarätig. Zum Teufel mit der Bescheidenheit! Der Glamour-Look steht uns. Je älter, desto besser.

tanja2Au weia! Nun geht es los: Perlenketten! Und genau hier koennte von mir aus die Geschichte auch schon enden, denn Perlenketten stehen ziemlich weit oben auf meiner “must not have” Liste. Nicht unbedingt, weil ich sie per se so furchtbar haesslich finde. Das wuerde ich nun nicht sagen. Aber sie erinnern mich vor allem an die Queen. Und an Margaret Thatcher. Und bei der Dame … na ja.

Fuer mich muessen Ketten aussagekraeftiger sein. Grosse Steine. Farbige Steine. Oder moderne Ketten aus interessanten Materialien. Wo hier also nun die Mehrheit ihre Perlenkettenphantasien auslebt biete ich stattdessen meine Ketten-Favoritenliste aus aktuellen Kollektionen:

Fuer den kleinen Geldbeutel: farbenfroh und witzig ist die Canny Books Wire Necklace; bitte in rot. Mir gefaellt auch die Long Bobble Rope Necklace von Accessorize – laesst sich umstylen durch einen Knoten oder eine Doppelung. Two for one! Geht auch als Armschmuck. Noch besser: three for one! Auch wunderbar: Coiled Metal Necklace von COS. Fuer anspruchsvollere Geniesser mit extra Kleingeld: Cable Necklace von Katrin Zimmerman. Oder Millefili gold-dipped quartz necklace von Rosantica – love – love – love! Oder vielleicht doch lieber die contour hammered gold necklace von Gurhan?

Und wenn es schon klassisch sein muss, dann sage ich: diamonds are a girl’s best friend!

Lange Zeit stand eine Perlenkette (Akoya, weiß), zusammen mit einem Jil Sander Kostüm, einem Porsche 356 (das erste Serienmodell von Porsche aus dem Jahre 1948), einem Tiffany-Ring und einem Burberry Nova Check Kaschmirschal (die 2 m lange Ausführung in der Farbe Trench) auf meiner Liste der Desiderata ganz oben. Doch im Gegensatz zum Jil Sander Kostüm (das seit drei Jahren in meinem Schrank hängt, wenn auch nur aus der Jil Sander for Uniqlo Kollektion), dem Porsche (in dem ich jedenfalls hinreißend aussehe, auch wenn ich aus Überzeugung kein eigenes Auto besitze und wann immer möglich mit öffentlichen Verkehrsmitteln reise), dem Tiffany-Ring (wenn auch nur leihweise, FÜR SIE Fotoshooting sei Dank) und dem Burberry Schal (den ich zur großen Erleichterung meines Freundes immer noch nicht besitze), fand ich lange Zeit keine Perlenkette, die meinen Erwartungen an dieses klassischste aller klassischen Accessoires erfüllt hätte. Sie sollte mich elegant und glamourös wirken lassen, erwachsen und besonders. Stattdessen ließ sie mich aussehen wie eine 90-jährige, trutschige Kopie der Queen und zu der Einsicht kommen, dass das Tragen einer Perlenkette einer gewissen Stilentwicklung bedarf, die ich noch nicht vollzogen habe, vielleicht niemals vollziehen werde.
Ich war knapp dreißig Jahre alt, als ich “meine” Perlenkette fand. Feinste weiße Akoyaperlen sind auf unregelmäßigen Spiralen aufgezogen um einen Silberreif drapiert. Sie lässt mich elegant und glamourös wirken, erwachsen und besonders. Vor allem aber ist sie eines: als Perlenkette so ungewöhnlich wie ich selbst.

Ach ja, letztes Jahr ging ich Karneval als Queen. Königsblauer Wollmantel über königsblauem Kleid, graue Albert Einstein Perücke, weiße Handschuhe, Zepter, Krone, Verdienstorden am roten Band und natürlich eine Perlenkette. Dreireihig. Von Accessorize für 9,90 Euro. Ich finde, sie sah perfekt an mir aus.

Profilbild (Mittel)Auf meiner ersten Tupperparty im Jahre 1993 in einem Vorort von Bielefeld trug jede, aber auch jede der anwesenden potentiellen, noch ziemlich jungen Tupperwarekundinnen eine einreihige kurze Perlenkette zu einem hochgeschlossenen Pullover! Ich rätselte, welcher Zusammenhang zwischen dem Erwerb wertiger Plastik-Haushaltsware in plüschiger Wohnzimmeratmossphäre und dem scheinbar uniformen Tragen von kurzen einreihigen Perlenketten bestünde.Vielleicht eine geheime Absprache oder ein vermeintlich modisches Signal: “Wir können auch chic und verbringen unser Leben nicht nur mit den Gedanken an die rechte Auswahl der betreffenden Lebensmittel-Aufbewahrungsbehältnisse”! Möglicherweise aber auch der verborgene Wunsch eigentlich lieber an einer der damals grade aufkommenden Dessous-Partys teilzunehmen: Perlen mit Spitze geht immer und bringt Abwechslung in den Haushalt! Je länger, desto besser! Echt!

Mein Rat: Perlenketten bitte ausschließlich zu seidenen Spitzendessous anlegen (lassen!)

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