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Mein Leben mit einem Arm (2)

P1030958In meinem Leben vor dem Armbruch habe ich kaum einen Gedanken an meine Finger- und Fußnägel verschwendet. Ab und zu feilte ich an ihnen herum, lackierte sie zu besonderen Gelegenheiten und fühlte mich dann ein bisschen wie eine andere, sehr elegante Frau. Ich wusste, dass es Frauen gibt, die sich jede Woche stundenlang mit ihren Fingernägeln befassen oder sich in sogenannten „Nagelstudios“ künstliche Fingernägel verpassen lassen. Meiner Meinung nach hatten sie sehr viel Zeit oder zu viel Geld oder sonst kein Leben.

Mit einem gebrochenen rechten Arm kann man sich verrenken, wie mal will. Zur Nagelpflege reicht es nie und nimmer. Vier Wochen nach dem Armbruch sahen meine Fingernägel aus wie die vom Struwwelpeter. Lang und ungepflegt. Ich schämte mich und hätte mich am liebsten auf meine Hände gesetzt. So kam ich auf Maniküre und Pediküre. Wenn schon, denn schon, dachte ich. Wenn schon der Arm so unmotiviert und unbeweglich neben mir herschlockert und ich mich total behindert fühle, dann soll es wenigstens ein schickes Etablissement sein. Auf keinen Fall ein sogenanntes „Nagelstudio“ an einer Ausfallstraße der Stadt oder in einem billigen Einkaufscenter, in dem man im Hinterzimmer verschwindet und nicht weiß, wie einem geschieht.

Mein Studio war ein lichter Raum mit vier großen Fensterscheiben und vier weißen Maniküre-Tischchen. Im Eingang stand eine Buddha-Statue, Duftkerzen brannten.Das Beste an der Maniküre war der Ingwertee, den meine Maniküristin mir anbot. Das Zweitbeste war, dass sie kein Interesse an meinem Leben heuchelte und mich in kein Gespräch verwickelte. Das Drittbeste war, dass ich, während sie meine rechte Hand manikürte, mit der linken in der Fachliteratur über die Königshäuser blättern konnte. Schlimm war jedoch, dass es höllisch wehtat, als sie die Nagelhaut mit einem kleinen Holzspatel ins Nagelbett zurück presste und dass alles wahnsinnig lange dauerte. Unterlack, Lack, Oberlack – und Stunden, bis das alles getrocknet war.

Und das bringt mich leider auf die Pediküre. Sie fand in einem Hinterzimmer statt. Zwar stand auch da ein Buddha, es brannten Duftkerzen, der Sessel hatte einen weißen Lederbezug, doch die Pediküristin war ein wahrer Dragoner mit klodeckelgroßen Händen und einem Arsenal von furchterregenden Instrumenten.

Aber, was soll ich sagen? Zwei Stunden später sahen meine Hände und Füße absolut makellos aus. Und was die Königshäuser betrifft – da kann ich endlich auch wieder mitreden.

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