Mein Berlin-Highlight: Besuch bei KPM

DSC_2568Der Höhepunkt in meinem Termin-Marathon letzte Woche in Berlin war zweifellos der Besuch bei KPM – der Königlichen Porzellan-Manufaktur. Theresa Haala, Marketing-Managerin der Firma, lud mich ins Allerheiligste eines der ältesten deutschen Traditionsbetriebe ein: in das KPM Quartier. Eine spannende Gelegenheit, alle Schritte der Herstellung des königlichen Porzellans live mitzuerleben und den Mitarbeitern über die Schultern zu sehen. Nicht in der Schauwerkstatt, sondern in der realen Produktionsstätte.

„Dem Besten verpflichtet“ lautet das Motto über dem Personaleingang. Wir betreten zuerst den Raum für die Masseanfertigung, wo die Rohstoffe Kaolin, Feldspat und Quarzsand gelagert werden. Es ist blitzsauber, riecht aber leicht muffig, denn die Masse muss über mehrere Monate durchfeuchtet und gelagert werden, damit sie die nötige Geschmeidigkeit erhält. Im zweiten Produktionsschritt wird sie in ein Gipsmodell gegossen, damit sie die richtige Form erhält. Überall im Haus befinden sich diese Mutterformen, auf Schränken, in Regalen und sogar verschlossen hinter Gittern. Sie bilden das wichtigste Kapital der Manufaktur und sind der Garant, dass KPM-Liebhaber jedes Teil ihres Geschirrs zeitlebens nachbestellen können.

Die KPM-Manufaktur hat eine einmalige Historie. In diesem Jahr feiert sie ihren 252. Geburtstag. Sieben Könige und Kaiser waren Eigentümer des Hauses. Gegründet wurde sie von Friedrich dem Großen. Der feinsinnige Preußenkönig verlieh ihr mit dem kobaltblauen Zepter aus dem kurfürstlich-brandenburgischen Wappen sein königliches Markenzeichen. Der alte Fritz galt selbst als sein bester Kunde, gab er doch für jedes seiner Schlösser ein Service in Auftrag. 21 insgesamt. Geschickt setzte er Porzellan als diplomatisches Geschenk ein und sorgte so dafür, dass es als „weißes Gold“ an europäischen Fürstenhöfen bekannt und begehrt wurde.

Formen, gießen, brennen, malen, glasieren und polieren – das sind die einzelnen Fertigungsschritte bei der Herstellung von Porzellan. Den größten Eindruck machen die sieben Porzellanmaler auf mich. Allesamt Individualisten, wie schon die Gestaltung ihrer Arbeitsplätze zeigt. Alle hoch konzentriert in ihre filigrane Arbeit versunken. Alle schon etwas älter, denn ein Porzellanmaler braucht allein 10 Jahre, bis er die Fertigkeit erlangt, die KPM-Muster aus freier Hand auf den glänzenden, weißen Untergrund aufzutragen. Alle stolz auf ihre Fähigkeit, etwas Besonderes zu schaffen und ihren schönen Arbeitsplatz inmitten ihrer Entwurfsskizzen, Vorlagen aus der Natur und der alten Musterbücher. Hier entstehen sie, die englischen Rosen, Orchideen und üppigen Mohnblumen. Jedes Mal in höchster Vollendung und jedes Mal ganz leicht variiert.

Viele der hier entstehenden Arbeiten finden heute gerade unter jüngeren Kunden, die sich Tischkultur, echtes Handwerk, elegantes Design und Wertbeständigkeit leisten wollen, ihre Liebhaber. So auch die beiden Services, für die ich mich begeistere: das schon 1790 in reinster klassizistischer Form entstande Service „Kurland“ mit dem feinen Relief und Trude Petris zeitloser, schlichter Klassiker „Urbino“. Nach meinem Besuch bei KPM betrachte ich das zerbrechliche Gut mit noch mehr Hochachtung. Jeder Henkel, jeder Griff, jeder Knopf entsteht in immens aufwendiger Handarbeit. Und jedes Teil ist schön – so wie nur Dinge schön sein können, die mit großem Aufwand in monatelanger Arbeit entstehen.

Danke, liebe Frau Haala, für diese herrliche Entdeckungsreise!

Führungen und Workshops in der KPM-Welt können hier gebucht werden werden.
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