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Maya Fiennes: Fashion Queen, Trendsetterin und Yoga-Star

P1120124Ein Ecktisch im Restaurant des Hotels „Gräfliches Hotel & Spa“ in Bad Driburg. Nach 6 Stunden Yoga essen wir ein köstliches Detox-Menu. Dazu trinken wir Bad Driburger Mineralwasser. Doch nach dem Essen soll mal Schluss sein mit der Askese, findet Maya Fiennes. Und ordert: ein Glas Rotwein für sich selbst, einen Weißen für mich. Unser Gespräch über ihr aufregendes Leben und die Kleider, die darin eine besondere Rolle gespielt haben, kann beginnen.

Was hast Du als Kind getragen?
Ich wollte nie so sein wie andere. In Mazedonien, meiner Heimat, war alles dunkel. Ich aber trug bunte Kleider und ich lachte. Die anderen Kinder nannten mich Smiley. Ich habe eine starke Persönlichkeit, einen eigenen Stil. Man braucht Selbstvertrauen und Originalität, wenn man nicht mit der Herde trabt und Kleider so trägt, wie man es will. In Mazedonien habe ich mich nie zu Hause gefühlt. Ich träumte schon als Kind davon wegzugehen. Mit 13 war es so weit. Ich flog allein nach London in eine Familie. Woher ich den Mut genommen habe, ich weiß es nicht.

Was mochtest Du an London?
In London fühlte ich mich wohl. Ich mochte die Menschen. Sie lachten, waren höflich, es gab keine Aggressionen, kein Schreien, kein Schimpfen – ganz anders als in Mazedonien. Es ist mir ein Rätsel, wie Gott es zulassen konnte, dass ich dort zur Welt kam. Ein einziger Albtraum, die Leute arbeiten ein Leben lang im gleichen Job, kommen nicht voran. Ich musste da weg. Mein Ehrgeiz, härter zu arbeiten, mehr zu lernen, besser als andere zu sein, war so groß, dass ich es überall auf der Welt zu etwas gebracht hätte. Mit 18 zog ich endgültig nach London. Als beste Studentin hatte ich ein Stipendium für die Musikakademie bekommen. Kurz danach heiratete ich.

Was hast Du bei Deiner Hochzeit getragen?
Mein Hochzeitskleid war eine Sensation. Elizabeth Emanuel, die Designerin von Prinzessin Dianas Hochzeitskleid, hat es für mich geschneidert. Wir feierten in Syon Park, dem Schloss des Duke of Northumberland. Das englische Magazin „Hello“ bezahlte, weil Prinz Andrew kam, dazu Joseph und Ralph Fiennes, die Brüder meines Mannes, großartige Schauspieler. Ja, wir waren definitiv Stoff für „Hello“, und ich eine Prinzessin in goldener und weißer Seide mit Perlen, eingefasst in elfenbeinfarbige Spitze.

Wie kam es zu Deinem Kontakt mit den Royals?
Ich war 1988 nach London gekommen, sprach kaum Englisch. Ein deutscher Freund, der mich mochte und mir imponieren wollte, nahm mich mit zu einem Dinner in Sunninghill Park, der Residenz von Prinz Andrew und Sarah Ferguson. Sie hatten gerade einen Flügel von der Queen geschenkt bekommen und sagten: „Ja, ganz schön, aber nichts weiter als ein Möbel. Kann etwa jemand darauf spielen?“ Vorsichtig hob ich meinen Finger und spielte. Alle waren begeistert. Ich wurde fürs nächste Wochenende eingeladen und fürs übernächste und überübernächste und immer wieder. Prinz Andrew und Sarah mochten mich. Er wurde mein Sponsor. Ich nahm meine erste CD auf, das Q Magazine veröffentlichte eine gute Kritik, ich lernte meinen späteren Mann kennen und er produzierte meine zweite CD.

Warum hast Du in London Dein eigenes Modelabel gegründet?
Als Musikerin hatte ich meine eigene Band, alles Frauen, die ich auch einkleidete. Jeder sagte: „Nicht schlecht, die Musik, aber von wem sind die Kleider?“ So gründete ich meine eigene Modefirma. Hilary Alexander, Modechefin beim Daily Telegraph, wurde meine Fördererin. Sie trug meine Kleider und wurde darin für alle Zeitungen fotografiert. Die Topmodels, alles meine Freundinnen, liefen auf meinem Runway. Ich war in der Auswahlkommission für Central St. Martins, wurde in die großen Fashionshows eingeladen, immer 1. Reihe. Ich war die totale Fashion Queen. Seitenweise Fotos in den Zeitschriften. Jeder wollte wissen, was ich trug. Meine Originalität, mein Witz, mein Mut – das alles kam mir jetzt zu Gute. Ich sah ungewöhnlich aus, folgte keiner Mode. Aber bald zeigten sich die Tücken der Modewelt.

Welche Erfahrungen hast Du als Modedesignerin gemacht?
Mode ist das undankbarste, unbefriedigendste Geschäft. Man überlebt nur, wenn man große Stückzahlen macht. Ich wollte keine Massenproduktion, nicht 1000 Leute im gleichen Pulli. Man steckt mehr und mehr Geld rein, verdient keinen Penny, bis zu dem Punkt, an dem mein Mann sagte: „Vergiss es! Es ist billiger, Du bleibst zu Hause und arbeitest gar nicht.“ Das war meine Modefirma, Planet Meyer, cool und funky für 5 Minuten. Tatsächlich dauerte es 3 Jahre. Wahrscheinlich war ich meiner Zeit zu sehr voraus, zu fortschrittlich. Ich machte mit einer kleinen Linie weiter, Dharma Queen, der ganze Yoga-Kram. Auch das verstand damals keiner. Sie fragten: „Drama Queen?“ Vor 15 Jahren dachte noch keiner an Yoga.

Wie würdest Du Deinen Stil beschreiben?
In London war ich eine absolute Trendsetterin. Ich erfand den Gypsy style. Die amerikanische Journalistin Julia Chaplin schrieb ein Buch darüber, „The Gypset“. Kreative, interessante Leute in Vintage-Kleidern, florale, fließende Stoffe, dazu eine kleines Täschchen von Gucci oder Prada, Vintage natürlich. Meine Haare waren bunt gefärbt, jeden Tag anders, dazu trug ich Tiaras. Sie waren mein Markenzeichen. Wohin ich auch ging, ich trug Tiara. Was die Leute dachten, war mir egal.

Welches Verhältnis hast Du heute zur Mode?
Ich gebe kein Geld mehr für Mode aus, ich kaufe auf Flohmärkten. Was ich da finde, ist so cool! Zwar habe ich auch einige teure Teile, aber ich kombiniere sie so, dass sie cool und funky aussehen. Nie zu elegant, es sei denn ich gehe auf eine Premiere oder irgendwohin, wo ich mich aufbrezeln muss. Ich habe keinen Bezug mehr zu Kleidung, ich bewahre sie nicht auf. Kein Besitz, leicht durchs Leben gehen. Weiter und immer weiter gehen.

Hast Du, wie so viele Frauen, einen Schuh- und Taschentick?
Ich liebe Schuhe. Schuhe und Taschen. Aber sie müssen anders, besonders sein. Ich habe Schuhe von Marni, MiuMiu, total ausgefallen, nicht wie andere Schuhe. Nur müssen sie bequem sein. Wenn nicht, würde ich niemals meinen Fuß in sie setzen. Ich werde immer ganz traurig, wenn ich junge Frauen sehe, die in ihren Schuhen nicht gehen können. Arme kleine Dinger! So war ich nie. Ich wollte nie den Männern gefallen. Ich wollte immer nur ich selbst sein.

Welche Kleidung trägst Du in Deinem Alltag?
In Los Angeles trage ich völlig andere Sachen als in London. Ich lebe am Strand, in Santa Monica. Jeder trägt Yogakleidung, weil jeder die ganze Zeit Yoga macht. Ich bin jetzt wirklich total casual. Aber ich trage Farben, besonders wenn ich nach London komme. Ich will Farben nach London bringen. Jeder trägt dort schwarz, total langweilig. Ich will London inspirieren, bin halt gut für Trends. Nicht weil ich das will, sondern weil das die Art ist, wie ich bin. Ich bin ich selbst. Und das finden die Leute gut. Sie finden mich interessant, sie kopieren mich.

Achtest Du auf die Kleidung anderer Menschen?
Ich lese die Kleidung anderer Menschen. Ich erkenne daran, wer sie sind. Es sagt viel über einen Menschen aus, wie er seine Kleidung trägt, wie er darin geht, ob er sich darin wohl fühlt. Sieht er aus wie aus dem Heft? Ist er ein Original? Folgt er Moden oder erschafft er sie?

Seit Kurzem bist Du wieder Single. Wie wichtig ist Dir Kleidung bei einem Mann, der Dich interessiert?
Bei Männern sehe ich zuerst auf die Schuhe. Auch bei Männern liebe ich alles, was free style ist. Bloß nicht wie aus dem Heft! Künstler erkenne ich sofort. Sogar in Abendgarderobe bei großen Events. Sie kleiden sich offener, lässiger. Offene Hemden, keine Fliegen, einfach lässig. Ich mag das an Männern. Es zeigt: Ich bin cool. Ich passe mich nicht an. Ich tue nicht so als ob. Männer in der City von London im Anzug, oh mein Gott! Sie versuchen, perfekt zu sein und das ist sehr traurig. Denn was bedeutet Perfektion? Nur Stress und Einengung. Künstler sind da anders, sie wollen nicht in der Box sein. Sie wollen frei sein, sie wollen nicht, dass ihnen irgendeiner erzählt, wie sie sich anziehen oder reden oder gehen sollen. Mir gefällt das. Ich bin genauso.

Über meine Gesprächspartnerin: Maya Dokic Twiestleton-Wykeham Fiennes ist eine mazedonische Konzertpianistin, Modedesignerin und Schauspielerin. (In Mission: Impossible spielte sie eine Agentin.) Sie ist in Skopje geboren. 1995 heiratete sie den Musikproduzenten Magnus Fiennes. Das inzwischen getrennte Paar hat 2 Töchter, Cheyenne Allegra und Shanti Atalanta. Maya Fiennes lebt in Santa Monica. Sie arbeitet weltweit erfolgreich als Yogalehrerin und hat mehrere Yogabücher und DVDs veröffentlicht.

Das Interview mit Maya Fiennes führte ich im Mai 2013.

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