Meine Reise ins Paradies (#Kunstpilgern)

DSC_2777Interessant klingt immer so harmlos. Aber das Kunstpilgern war wirklich interessant. Selten fühlte ich mich so gut empfangen und so tief berührt, selten habe ich so viele schöne Orte auf einmal gesehen, selten einen so exklusiven Zugang zur Kunst erhalten.

Das Projekt #Kunstpilgern

Mit #Kunstpilgern werden vier neue Kulturrouten durch Nordrhein-Westfalen beworben. Die Touren mit den Titeln „Licht“, „Eine feste Burg“, „Jenseits“ und „Paradies“ wurden von Jan-Paul Laarmann und Jens Nieweg (Tourismus NRW/Kulturkenner.de) sowie Alissa Krusch ( Kunstsammlung NRW) konzipiert. Acht Blogger wurden eingeladen, die vier Touren zu bereisen und als Multiplikatoren über sie zu berichten. Ihre Pilgerberichte findet man unter #Kunstpilgern auf verschiedenen Social Media Kanälen.

Die Route

Ich wurde eingeladen, die Tour „Paradies“ zu bereisen. Mit dem eigenen PKW und einem Begleiter, den ich selbst bestimmen konnte. Die Reise sollte vier Tage dauern und kreuz und quer durchs Rheinland, Münsterland und Ruhrgebiet führen. Jeden Tag fielen zwei bis vier Termine an – ein Programm, bei dem mir schon vorab die Luft weg blieb. Doch war vorgesehen, dass uns in allen Museen die Kuratoren führen sollten, was ich einmalig attraktiv und unwiderstehlich fand. Deshalb begab ich mich auf die Reise. Am 1. Tag fuhren wir zur Bundeskunsthalle Bonn, ins Museum Insel Hombroich und auf die Raketenstation in der Langen Foundation in Neuss. Den 2. Tag verbrachten wir in den Gärten von Schloss Dyck, im Museum Abteiberg Mönchengladbach, im Kloster Kamp und im Landschaftspark Duisburg-Nord. Schloss Moyland und Schloss Anholt waren die Ziele des 3. Tages. Den Abschluss der Reise bildete Düsseldorf, wo sich Blogger und Organisatoren der Tour persönlich kennen lernten, im K21 durch Tomàs Saracenos „in orbit“ sowie die Ausstellung „THE PROBLEM OF GOD“ geführt wurden, im Schmela-Haus das Kunstpilgerprojekt auswerteten und an der Eröffnung von „THE PROBLEM OF GOD“ teilnahmen.

Zum Auftakt: Bundeskunsthalle Bonn

DSC_2770In Bonn hatte es die ganze Nacht wie aus Kübeln vom Himmel geschüttet. Am nächsten Morgen prasselte der Regen munter weiter. Die dunkelgrauen Wolken hingen tief über dem Rhein. Auf dem Weg zur Bundeskunsthalle sprangen wir mit dem Regenschirm von Pfütze zu Pfütze. „Ärger im Paradies“ heißt die dort hauptsächlich auf dem Dach gezeigte Ausstellung, auf die wir so gespannt waren. Doch – was für eine Enttäuschung! – der Zugang war wegen des Dauerregens gesperrt. Ganz kurz durften wir trotzdem hinauf, für ein schnelles Foto. Die „schönste Dachterrasse Bonns“ war menschenleer und der Blick auf das Siebengebirge nebelverhangen. So konnten wir uns den zwei Exponaten, die die Besucher einladen, sie zu benutzen, zu bewegen, zu bespielen, leider nur theoretisch annähern. Darunter Michael Beutlers bunte Heuballen und der witzige, aber auch irritierende Minigolfplatz mit dem Titel „Trümmerbahnen-Minigolf“, den die Berliner Bildhauerin Ina Weber präsentiert. Hier wird der Ball, jedenfalls wenn es nicht gerade regnet, durch mit Graffitis besprühte Überreste alter Häuser jongliert, durch einen Plattenbau, eine Tankstelle, eine Parkgarage, ein Schwimmbad – durch die Realität der uns umgebenden Architektur, die eben auch zerstörte und verfallene Häuser einschließt.

DSC_2769Die Ausstellung präsentiert 14 zeitgenössische Künstler. Die meisten Exponate spielen mit der Wahrnehmung der Betrachter, indem sie zunächst harmlos wirken, doch auf den zweiten Blick zeigen, was alles schief läuft im Garten Eden. Im Foyer der Bundeskunsthalle sahen wir den Blumenstrauß von Maria Loboda. Ihre Arbeit trägt den Titel „A Guide to Insults and Misanthrophy“ (Ein Leitfaden für Beleidigungen und Menschenfeindlichkeit). Der schöne Strauß, der jeden Montag neu gesteckt wird, ist alles andere als harmlos. Jede Blume steht für eine negative menschliche Eigenschaft wie Eitelkeit, Arroganz oder Machthunger. Ihre Assoziationen bezieht die Künstlerin aus einem Buch über Blumensprache aus dem viktorianischen Zeitalter.

Lange verweilten wir vor der poetischen Arbeit „For the Birds“ von Alvaro Urbano und Petrit Halalaj. Gebaut aus einfachem Maschendraht, wie man ihn für Hühnerkäfige verwendet, wächst aus der Fassadenseite der Bundeskunsthalle ein gut 50 Meter langer Tunnel, der in einem temporären „Vogelnest“ mündet, der bepflanzten Loggia der Bibliothek des Gebäudes, in der 2 Kanarienvögel leben. Die Besucher des Hauses finden hier auch eine kleine Handbibliothek zur Ornithologie und zu Vögeln in der Kunst. Die Kanarienvögel erkunden unterdessen durch ihren Tunnel das Geschehen in der Bundeskunsthalle aus der Vogelperspektive, kümmern sich nicht um die Menschen und fühlen sich dabei so wohl, dass sie inzwischen Nachwuchs bekommen haben.

(Die Ausstellung „Ärger im Paradies“ wird noch bis zum 11. Oktober gezeigt. Vielen Dank an Jutta Frings, Axel Thiele und insbesondere die Ausstellungsleiterin der Bundeskunsthalle, Susanne Kleine, für die Führung. Über die zweite im Haus gezeigte und von ihr kuratierte Ausstellung. „Hanne Darboven. Zeitgeschichten.“ wird später berichtet.)

Falls es Sie interessiert, wie es weiter ging beim Kunstpilgern: Samstag geht’s weiter mit dem Bericht.

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