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Koch für die Royals und Aktivist im Brexit-Chaos: Damian Wawrzyniak und sein House of Feasts in Peterborough

Damian Wawrzyniak ist bekannt in Grossbritannien. Er hat für die Royals und bei den olympischen Spielen 2012 gekocht. Auch im Fernsehen hat man ihn gesehen, und zwar zusammen mit Mary Berry – als sogenannte Queen of Cakes irgendwie auch ein Royal. Trotz dieser Leistungen, und der Tatsache, dass Damian seit fast 15 Jahren in Grossbritannien wohnt, wurde ihm im August der volle „settled status“ verweigert – dies ist der neue Status, auf den sich alle EU Bürger hier in Grossbritannien bewerben müssen, wenn sie bleiben wollen. Nach grossem Aufschrei und Medieninteresse ist Damians Situation mittlerweile positiv ausgegangen: er hat nun den vollen, den für ihn richtigen, Status. Aber es wird, daran habe ich keine Zweifel, viele weitere solche Fälle geben. Und überhaupt: Menschen, die seit Jahrzehnten in Grossbritannien leben sollten sich nicht bewerben müssen, um bleiben zu können. Es ist alles eine Schande.

Genau das ist auch ein Grund, warum Damian seit seiner eigenen Erfahrung nun viel daran liegt, dass es anderen EU Bürgern nicht auch so ergeht. Aber ihm ging es nicht nur um Tweets und warme Worte: Damian will helfen. Und so bietet er seit September in seinem Restaurant in Peterborough, dem House of Feasts, Veranstaltungen an, bei denen EU Bürger Informationen bekommen oder sich gleich bewerben können – qualifizierter Rat von einem Anwaltsbüro wird umsonst bereitgestellt.

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Ein Pole und eine Deutsche, die sich (durch Zufall) zum ersten Mal persönlich am 80. Jahrestag des Deutschen Überfalls auf Polen trafen; dem Jahrestag, der den Beginn des 2. Weltkriegs markiert. Ein Pole und eine Deutsche, die nun in Grossbritannien dafür kämpfen, dass die Rechte von EU Bürgern geschützt werden. Manchmal spiel die Geschichte eindeutig eine Rolle dabei, welchen Wert jüngere Generationen Europa und der europäischen Idee beimessen. Dem war bei uns vielleicht gerade auch deshalb so, weil Damians Grossmutter Maria so direkt vom Kriegsbeginn betroffen war: sie wurde nach dem Einfall der Deutschen in einen Zug nach Treblinka geschafft. Dieser wurde jedoch umgelenkt und so kam sie letztendlich nach Lublin. Dieser Tatsache hat sie vermutlich ihr Leben zu verdanken, denn das Konzentrationslager Treblinka überlebten von 925,000 Gefangenen nur 67. Mich berührte das erste persönlich Treffen am 1. September jedenfalls gerade aufgrund dieser Geschichte tief. Seitdem denke ich oft an unsere unterschiedlichen Geburtsländer und ihre Geschichte – und wie sie nun auf gewissen Weise durch uns und den Brexit auf ganz neue Weise zusammenkommen. Als Europäer.

Polnisch mit Twist

Einen richtig guten Übergang von diesem ersten Thema zu gutem Essen gibt es wohl nicht. Aber mir liegt sehr daran, euch auch von Damians tollem Restaurant zu berichten – und zwar eben nicht nur, weil er die Räumlichkeiten umsonst für EU Bürger und die Beratung zum „settled status“ zur Verfügung stellt. Denn das House of Feasts ist ein kleiner Gourmet-Tempel! Hier trifft die traditionelle polnische Küche den sogenannten ‚modern twist‘. Von Hering bis zu Piroggen, mit Apfelkuchen zum Nachtisch. Ich habe die wunderbaren Gerichte jedenfalls sehr genossen. Peterborough ist nicht unbedingt ein Ort, an dem man als Urlauber Halt macht – obwohl die Kathedrale der Stadt sehenswert ist – aber für das House of Feasts lohnt sich ein solcher Halt auf jeden Fall.

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Damians Geschichte

Mehr über Damian, seine Geschichte und die Situation von EU Bürgern in Grossbritannien gab es gestern im Europamagazin. Schaut es euch an – hier auch in der Mediathek der ARD.

Wo finde ich das House of Feasts?

Das House of Feasts liegt etwas ausserhalb von Peterborough. Vom Bahnhof am besten ein Taxi nehmen.

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