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Karl

Ü60 Bloggerin Ursel vom Iknmlo Fashionblog für Frauen ab 40 über Karl LagerfeldPreisfrage: Für was muss man Karl Lagerfeld bewundern? Na? … Richtig! Er führt ein extrem produktives Leben. Auch jenseits der 80 entwirft er etwa 15 Kollektionen pro Jahr, davon allein 8 für Chanel. Als Beobachterin der Modewelt staune ich über die Fähigkeit dieses Designers zu maximaler Kreativität. Wie kriegt er es hin, dass ihm am Ende des Tages immer wieder etwas Neues einfällt? Sitzt er nie einfach da und kaut auf seinem Bleistift herum wie unsereiner?

Doch, tut er. Karl Lagerfeld hat dem Magazin Harper´s Bazaar seinen Tagesablauf folgendermaßen geschildert: Sein Frühstück besteht aus zuckerfreien Protein-Shakes, gedünsteten Äpfeln und der ersten von vielen Cola lights aus der Dose. Danach zieht er sich, noch im Nachthemd, in sein Lesezimmer mit Blick über die Seine und den Louvre zurück, um acht verschiede Tageszeitungen zu lesen, in Bildbänden zu blättern oder erste Zeichnungen anzufertigen. „Und ich tagträume. Tagträumen ist die vielleicht wichtigste Arbeit in meinem Leben.“

Lagerfeld betritt sein Büro erst am späten Nachmittag.

Um 11 Uhr lässt er sich die Haare frisieren und weiß färben, bevor er sich wieder seiner Arbeit widmet. Ein Mittagessen nimmt er nicht ein. „Nach meinem Malpensum gehe ich in die Badewanne. Ein Badezusatz, von dem ich die halbe Flasche in die Wanne gieße, macht das Wasser sanft. Es ist ein französisches Produkt, über hundert Jahre alt.“ Erst gegen 16 Uhr lässt er sich von einem seiner beiden Fahrer zu Chanel chauffieren. Auf dem Weg besucht er seinen Lieblingsbuchladen Galignani oder kauft Kleider ein. Gegen 17 Uhr betritt er schließlich mit der Mappe unterm Arm sein Atelier in der Rue Cambon. „Ich bin dort von fünf bis acht. Bei mir geht alles sehr schnell, ich bin gut organisiert. Ich ziehe es vor, alle Arbeit abends zu erledigen oder am Wochenende. Dann schicke ich alles ins Office mit dem iPhone. Ich drapiere keine Stoffe im Studio, so etwas mache ich nicht. Meine Arbeit ist sehr konzeptionell.“ Lagerfeld zeichnet mit einer Lidschattenpalette von Shu Uemura (!), dazu muss eine Duftkerze aus eigener Produktion brennen.

Wie jetzt? Karl Lagerfeld sucht nur von fünf bis acht sein Büro auf beziehungsweise seine Arbeit besteht heute darin, mehr oder weniger den ganzen Tag zu verträumen? Trotzdem erstellt er 15 Kollektionen pro Jahr? Tage, die tagträumend und noch dazu in liegender Position verbracht werden, wären eigentlich ganz und gar meins. Ich beschloss, von den Großen zu lernen und wollte meiner Umwelt schon mitteilen, dass ich ab jetzt auf acht Tageszeitungen, mehreren Hektolitern Badezusatz und einem Hausfriseur bestehen müsse und man darauf gefasst sein dürfe, mich fortan täglich bis 16 Uhr im Bademantel zu sehen. Der Lohn aber werde phantastisch sein. Meine kleinen wöchentlichen Blogartikel würden das ganz große Publikum entzücken und mich zur Heldin der Bestsellerlisten machen.

Erst Jünger arbeitete unermüdlich bis ins hohe Alter.

Vorsichtshalber recherchierte ich noch den Tagesablauf anderer kreativer Herrschaften, was mich sogleich ganz still werden ließ. Bei Ernst Jünger herrschte ein strenges Regiment. Er begann den Tag bis ins höchste Alter – er wurde fast 103 Jahre alt – um 8 Uhr mit einem Eisbad. Danach wärmte er sich mit Seilspringen auf, um fortan bis zum Abend zu arbeiten.

Peter Scholl-Latour ließ den Stift um 17 Uhr sinken.

Peter Scholl-Latour zog sich zum Schreiben in seine Villa in der Nähe von Nizza zurück. Den Tag begann er früh und mit einem eisernen Fitnessprogramm: 10 Sit-ups, 25 Kniebeugen, 20 Liegestütze. Dazu murmelte er Gebete auf Latein. „Das ist gut für den Kopf.“ Danach fuhr er mit seinem alten Kleinwagen ins Dorf, um im Café die aktuellen Tageszeitungen zu lesen, darunter die Herald Tribune und Le Monde. Das Frühstück musste reichhaltig sein, denn die nächste Mahlzeit gab es erst abends. Seine Bücher schrieb er mit dem Kugelschreiber auf einen schlichten DIN-A4-Block. Platzsparend, wie er es als Reporter in Krisengebieten hatte machen müssen. Um 17 Uhr begann sein gesellschaftliches Leben. Er rauchte nie und genehmigte sich erst abends Alkohol. Auch hierfür galten strenge Regeln. „Whisky, wenn es kalt ist. Gin, wenn es warm ist.“

Mir geht es übrigens so wie dem französischen Choreografen Georges Balanchine. Die besten Ideen habe ich beim Bügeln.

Wenn Sie jetzt richtig neugierig auf Karl Lagerfeld geworden sind, geht’s hier entlang.

(Alles Wissenswerte über die genannten drei Herren stammt aus dem Büchlein “Am kreativsten bin ich, wenn ich bügle” von Mason Currey und Arno Frank, erschienen 2015 bei Kein & Aber)

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