Jean Paul Gaultier – From The Sidewalk To The Catwalk #JPGMUC

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Ich schaue Anna Wintour über die Schulter, wie sie mit schmalen Lippen die Outfits begutachtet. Fast scheint mir, ich sitze selbst in der Front Row, bewundere die 20 Kreationen an Mannequins, die sich unermüdlich auf dem Laufsteg im Kreis bewegen.

Die Jean Paul Gaultier Ausstellung in der Münchener Kunsthalle ist ein Erlebnis der besonderen Art, in 7 Räumen wird die Mode Gaultiers zum Leben erweckt. Einem der Mannequins rinnt eine Träne die Wange hinunter, einige sprechen, singen, lachen oder weinen: brilliant die Idee, mittels Beamer sich bewegende Gesichter auf die Köpfe der Kleiderpuppen zu projizieren.

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Der Salon widmet sich dem Korsett, zentrales Kleidungsstück in vielen seiner Kollektion, inspiriert von seinen Beobachtungen im Schönheitssalon seiner Großmutter, das nichtzuletzt durch Madonna und ihre legendäre Blond Ambition Tour 1990 berühmt wurde.
Die Odyssee zeigt Figuren aus Gaultiers Kollektionen, die ihren Ursprung in der Seefahrt haben: Matrosen, Meerjungfrauen, Sirenen und Nymphen zusammen mit Madonnenfiguren, jungfräulich und verführerisch zugleich.
Der Raum der Musen zeigt Gaultiers wundervolle Eigenschaft, gerade solche Persönlichkeiten auszustatten, die sich dem gängigen Schönheitsideal widersetzen, und mit klassischen Geschlechterzuweisungen in der Mode zu brechen, Beth Ditto, Conchita Wurst, Amy Winehouse, um nur einige zu nennen.
In Metropolis werden Gaultiers Kostüme für Theater, Oper und Kino präsentiert, 2002 wurde der Kinoliebhaber als erster Modeschöpfer Mitglied der Jury des Filmfestivals von Cannes.
Und im Großstadt-Dschungel vereinen seine Kreationen die Welt der Großstadt mit der Natur, Tradition und Moderne und kulturelle Einflüsse auf seine Entwürfe werden deutlich. In Hautnah und »Nicht jugendfrei« steht der menschliche Körper im Zentrum seiner Arbeit, sexuelle Anspielungen inbegriffen.
Den Abschluss bilden wie in jeder Modenschau, die was auf sich hält, Die Bräute, nur sind sie bei Gaultier weniger zerbrechlich und klassisch schön sondern vielmals herausfordernd stark und ungewöhnlich.

Ich flaniere durch die Räume, lasse mich begeistern von der Opulenz mancher Kleidungsstücke und faszinieren von der Kreativität. Bestaune die animierten Gesichter und stelle mir mich selbst in den Gewändern vor. Natürlich begutachte ich auch kritisch bevor ich am Ende zum tosenden Applaus ansetze.
Call me Anna, darling!

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Unbedingte Besuchsempfehlung.
Noch bis zum 14. Februar 2015 in der Kunsthalle München
http://www.kunsthalle-muc.de/ausstellungen/details/jean-paul-gaultier/

Dazu gibt es ein tolles Begleitprogramm:
»Re-Act!« – Kunst & Club
Donnerstag, 5.11.15, 20:30 Uhr
Das DJ-Duo Dapayk & Padberg übernimmt das Café.

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