Im Vitra-Haus

P1110101Hier sind wir, wo Wohnen sehr viel Geld kostet. Bei Vitra im beschaulichen Weil am Rhein im Dreiländereck zwischen Frankreich, der Schweiz und Deutschland. Einrichtungsberater in schlecht sitzenden Pepita-Jacketts und Restaurants mit Kartoffelbrei, Schweinebraten und Mischgemüse waren gestern. Hier sitzen Interior Decorators, die in jeder GQ als Model durchgehen könnten,in hochgeschlossenen, weißen Hemden mit dem Apple Air auf dem Hochlehnersofa. Das ganze Gebäude wie auch das superschicke Café wurden von Herzog/de Meuron gestaltet. Auf der Karte steht Ricotta-Spinat-Ravioli mit gegrilltem Gemüse und Grana Padano. Es lunchen die Maserati-Fahrer aus Basel und Zürich, bevor sie in der Verkaufsausstellung das Maßband auspacken und ihr zukünftiges Wohnglück als Gesamtpaket einkaufen.

Das Vitra-Haus ist ein Schauraum, ein klug kuratiertes Möbelkaufhaus zur Aufmöblierung der Besserverdienenden. Es wirkt wie eine individualisierte, private Wohnoase, deren Hausherr mal eben den Raum verlassen hat, wie die wie zufällig über dem Sofa liegende Wolldecke, das aufgeschlagene Buch, die vor dem Sessel stehenden Hausschuh andeuten. Ein fiktive Bewohner und seine Familie, denen die Aura von weltoffenen Sammlern und Lebensgenießern gegeben wurde. Die Cocktails trinken, auf Sofas loungen, in denen sich selbst ein Basketballspieler bequem räkeln könnte, im Eames-Chair relaxen und dabei wohlgefällig ihre japanische Keramik, Holzobjekte von erlesener Ästhetik und das Max Bill-Buch in ihrem Bücherregal betrachten – eben alles, was es bei Vitra zu kaufen gibt, haha!

Nach Preisen fragt man besser nicht und für den Fall, dass der hippe Interior Decorator einen anspricht, legt man sich vielleicht eine Wendung zurecht. So was wie: „Vielen Dank, ich bin Mode- und Lifestylebloggerin und rein beruflich hier.“P1110084

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