Markthal, Rotterdam – im Schlaraffenland

P1130843Was ist denn das? Von der Seite hat es die Form einer riesigen Biskuitrolle, frontal betrachtet sieht es aus wie ein gigantisches Hufeisen. 120 Meter lang, 70 Meter breit, 40 Meter hoch. Mitten in Rotterdam. Ein Jumbojet könnte hier ohne Weiteres einparken. Kaum habe ich den Eingang passiert, bleibe ich gleich wieder stehen. Starre an die Decke, bestaune die Ungeheuerlichkeit, die sich da wölbt, mache Fotos. Ein Wahnsinn!

Das 11000 Quadratmeter große Gemälde an der Decke von Rotterdams 2014 eröffneter „Markthal“ sprengt jedes Format. Es scheint, als regneten aus dem Himmel alle möglichen grellbunten Früchte und Gemüse herab. Erdbeeren, Weintrauben und Schoten so groß wie Einfamilienhäuser, dazu Insekten, Fische, Blumen und sogar eine Kuh ergießen sich von der Mitte des Gewölbes hinunter in alle Richtungen auf die Seitenwände. „Füllhorn“ nennt der Rotterdamer Künstler Arno Coenen sein Werk. Er sieht darin eine zeitgenössische Variante der Stilleben der alten holländischen Meister.

Das Innere des Gebäudes ist das Schlaraffenland. An den Längsseiten liegen Restaurants und Fachgeschäfte für Küchenzubehör und Lebensmittel. Durch die Halle ziehen sich in drei Doppelreihen Marktstände aus grau mattiertem Stahl mit Flachdächern, die Platz für Gästeterrassen bieten. Hier sitzt man beim Glas Weißwein und beobachtet die Köche, die in den offenen Küchen Antipasti, Confit de Canard und Fischgerichte marktfrisch zubereiten.

Mit der „Markthal“ hat das Rotterdamer Architekturbüro MVRDV wieder mal gezeigt, dass man Altbewährtes auch ganz anders denken und gestalten kann, denn hier kann man nicht nur futuristisch einkaufen, sondern auch wohnen. In rund 220 Miet- und Eigentumswohnungen auf 11 Stockwerken sowie 24 Penthäusern. Jede Wohnung verfügt zur Außenseite über einen Balkon und zur Innenseite über ein Fenster, das einen Blick auf das Geschehen in der Markthalle bietet. Leider nicht zum Öffnen. Wäre ja auch zu schön, wenn man morgens aus dem Bett einen Korb mitsamt Bestellzettel zum Marktstand abseilen und die frischen Brötchen herauf ziehen könnte.

Geöffnet täglich von 10 -20 Uhr, Sonntags von 12 – 18 Uhr.
Adresse: Markthal, Dominee Jan Scharpstraat, Rotterdam
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