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I am my own muse: Frau, social media influencer und ein fake news shitstorm

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Was macht man – also ich – eigentlich, wenn unbekannte Männer auf Twitter auf einmal über meine Brüste tweeten?  Diese Frage sollte man sich natürlich eigentlich nie stellen müssen, aber als Frau und bekannte Aktivistin gegen den Brexit, als social media influencer – da muss ich mich immer mal wieder genau sowas fragen. Dabei geht es mir noch nichmal so sehr um meine Brüste: die sind ja schliesslich ein Teil von mir. Aber ob die Männer die sowas tweeten es auch dann machen würden, wenn es um einen Mann ginge? Wohl kaum. Und genau darin liegt natürlich das Problem: als Frau muss man sich einen Mist anhören, den Männer auf sozialen Medien einfach so gut wie nie bekommen.

So oder so: ich kann mit Sicherheit sagen, dass ich nach über zwei Jahren Aktivismus und einem relativ bekannten Twitter Profil gegen sowas gut abgehärtet bin. Oft ignoriere ich solche Sachen natürlich einfach, aber bei den grössten Klöpsen — da ist eine direkte Reaktion angebracht. Als zum Beispiel eine Mann, der auf seinem Twitter Profil auch noch angab Lehrer zu sein, zu einem Bild von mir meinte, dass ich ja gar keine Brüste hätte — und dann anderswo auch noch damit prahlte, dass er mir das gesagt habe … na ja, da tweetete ich ihm, dass ich in einer deutschen Frauenzeitschrift mit hoher Auflage natürlich stolz die Frau mit kleinen Brüsten war. Da war sein Tweet nach ganz kurzer Zeit verschwunden. Mit Schlagfertigkeit rechnen die Keyboard-Warrior nämlich nicht. Sie stellen sich vermutlich vor, dass man heulend in der Ecke sitzt.

Aber egal wie abgehärtet ich auch zu sein glaubte, was letzte Woche nach meiner Rede bei einer Veranstaltung in Edinburgh passierte — da konnte ich wirklich nur noch genau das tun: heulend in der Ecke sitzen.

Wie gehen eigentlich fake news? 

Was war passiert? Ich sprach auf einer Veranstaltung zum sogenannten People’s Vote — das ist eine Initiative, die sich darum bemüht, dass über den Vertrag zum EU Austritt Grossbritanniens im Land erst nochmal abgestimmt werden muss, bevor irgendwas rechtskräftig wird. Die Hoffnung dahinter ist natürlich, dass der Vertrag dann dadurch abgelehnt wird, und Grossbritannien so eventuell EU-Mitglied bleiben könnte. Bei der Veranstaltung gab es aber auch einige bekannte Redner, die beim schottischen Unabhängigkeitsreferendum vor ein paar Jahren gegen die Unabhängigkeit des Landes gestimmt hatten — und das passte einigen meiner Twitter Follower nicht, weil sie die Unabhängigkeit befürworten. Zunächst dachte ich mir nichts dabei — bei der Veranstaltung ging es schließlich überhaupt nicht um die Frage der Unabhängigkeit Schottlands, und so oder: in einer Demokratie ist es doch genau richtig, gemeinsam auf einer Plattform gegen den Populismus zu stehen. Sollte man denken.

Leider war soviel Verständnis nicht vorhanden. Es dauerte nur eine kurze Zeit, und meine Benachrichtigungen auf Twitter explodierten regelrecht. Ich bekam auch Emails und Nachrichten über das Kontaktformular meiner Website. Auf einmal gab es mehrere Blogposts auf verschiedenen Blogs über mich. Den meisten Tweets und Posts war gemein, dass sie einfach nur als fake news beschrieben werden können. Ich war ganz normaler Redner bei der Veranstaltung, aber vielen Tweets nach der Veranstalter. Obwohl ich gegen den Brexit bin schrieben viele, ich sei dafür. Und, die schlimmste Lüge (in diesem Zusammenhang) war, dass aus mir blitzschnell eine Gegnerin Schottischer Unabhängigkeit geworden war, obwohl ich dafür bin — und das auch öffentlich schon oft gesagt habe. Ich sollte mich für Positionen entschuldigen, die ich gar nicht habe, und mich für Zitate rechtfertigen, die gar nicht von mir stammten.

Fake news geht also genau so: irgendwem pass etwas nicht, und dann wird alles verdreht. Damit das effektiv ist braucht man eigene social media influencer and am besten noch ein paar sogenannte „bots“, die beim verteilen der Tweets helfen. Das war nicht gut. Was mich aber bist heute am meisten erschreckt ist, wie schnell echte Menschen diesen ganzen Mist — der sich ganz einfach widerlegen lässt — glaubten. Wenn sich fake news so auf sozialen Medien schnell ausbreitet, dann gibt es wirklich, soviel kann ich nun mit Gewissheit sagen, kein Halten mehr. Und wenn dann auch noch, sozusagen als Krönung, in einem Blogpost ein Mann schreibt, er hätte an meinen Genitalien kein Interesse, und ich wäre “safe enough” (sicher genug) – ja, wie gesagt: da fällt auch mir nicht mehr viel ein, außer heulend in der Ecke zu sitzen.

Und warum nun? 

Ja, darin liegt natürlich die Frage. Sinn macht es nicht, denn hierbei handelte es sich um Beschuss von der eigenen Seite. Zumindest zum Teil. Letztendlich glaube ich, dass es alles viel komplizierter war, als es zunächst erscheint. Ich bin zwischen die Fronten von Leuten geraten, die nur ihr Endziel im Auge haben — entweder Brexit oder die Unabhängigkeit Schottlands. Was sie auf dem Weg dahin vielleicht alles plattwalzen? Daran haben sie kein Interesse. Ich wurde einfach zum Kanonenfutter. Der schottische Journalist David Leask vom Herald (Glasgow) hat es gut erkannt:

Attacks does not nearly cover the crude misrepresentation orchestrated against Prof Bueltmann. This is sinister, dangerous extremism, red in tooth and claw. […] But the pattern here is that one influencer flags something up, more extreme influencers cast this something in an unfavourable light & then their fanboys pile on. The influencers know what they’re doing. […] Personally speaking, I regard crude misrepresentations of the kind perpetrated against Prof Bueltmann as being more pernicious than the foul-mouthed abuse of football grounds or Twitter. It is these false narratives that create the ecosystem that facilitate serious extremism. […] There is some serious Trumpian “alternative facts” shit here. […] The same network targeting Tanja now was spreading Kremlin messages on Salisbury.

Wie man damit nun umgehen soll ist mir immer noch nicht so ganz klar. Wie immer habe ich alles ganz offen auf Twitter dokumentiert: mir ist das ganz wichtig. Warum soll ich mir immer nur alleine diesen Dreck ansehen? So bekomme ich wenigstens auch meine Stimme etwas zurück. Ich schreibe hier darüber. Und habe auch auf Englisch schon einen Artikel geschrieben. Gegen die fake news kommt man damit nicht an. Aber wenigstens gibt es, wie gesagt, die öffentlich Dokumentation.

Was ich aber weiss ist, dass Frauen sowas oft passiert. Zumindest die sexualisierte Sprache wird eben meistens nur uns getweetet und gemailt. Gerade nach der #MeToo Debatte gibt es hier noch ganz viel Arbeitsbedarf!

I am my own muse

But, in the end: I am my own muse – wie Frida Kahlo. Von der Ausstellung zu ihrem (Mode-)Leben im Londoner V&A Museum (Post folgt) kommt nämlich der Anstecker mit dem Motto, den ich auch noch zufälligerweise bei meiner Rede in Edinburgh trug. Und so ist natürlich klar, dass ich weitermachen werde. Aber erstmal gibts jetzt eine Twitter Pause und „Notfall-Urlaub“. So ein fake news shitstorm? Der ist nämlich vor allem wirklich einfach nur eins: shit.

I dedicate this post to the friends who were with me in Edinburgh when this happened, and who have been there ever since. Thank you so very much, everyone. You know who you are. Love you all xx

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