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Hausbesuch bei Jim Thompson, dem Seidenkönig von Bangkok

picmonkey-collageHeute geht es um einen Mann und seine faszinierende Geschichte. Jim Thompson, Amerikaner, war Playboy, Geheimagent, Seidenproduzent und Kunstsammler, bevor sein Leben sich scheinbar in Luft auflöste. Es geht auch um eine Stadt, Bangkok – die Welthauptstadt von Smog, Hitze, Stau und Dreck. Thompson lebte in diesem Millionenmolloch. Wenn es Dir dort zu anstrengend wird, hatte mir Tanja gesagt, geh zu Jim Thompson, sein Haus ist eine Oase.

Mitten in der wuseligen Stadt in der Nähe des Siam Centers in einer Sackgasse. In einer Mauer eine kleine Pforte. Dahinter wartet im Schatten hoher Bäume ein Ensemble aus fünf luftigen Teakholzhäusern, Wasserstraßen und blau glasierten Töpfen mit üppigen Bougainvillea. Thompson hatte die alten Häuser in verschiedenen Dörfern in Nordthailand erworben. 1959 ließ er sie in seinem Refugium in Bangkok wieder zusammensetzen und elegant ausstatten. Schwarz-weiße Bodenfliesen, dunkel poliertes Mobiliar, in den Vitrinen zarte Keramik, an den Wänden gerahmte Stiche, auf den Daybeds und Couches kostbare Seidenüberwürfe. Der Guide weist uns auf zwei gerahmte Horoskope über dem Schreibtisch des Hausherrn hin. Eines davon prophezeit ein Unglück, das demjenigen im Alter von 61 Jahren zustoßen wird, der 1906, im Jahr des Pferdes, geboren wurde.

Jim Thompson kam 1906 in Greenville/Delaware zur Welt, wo sein Vater eine große Textilfabrik besaß. Er studierte Architektur in Princeton, doch baute er nur kurze Zeit Häuser, dann wurde er Direktor der „Monte Carlo Ballet Company“. Eigentlich führte er hauptberuflich das Leben eines Playboys. Mit Ausbruch des Zweiten Weltkriegs heuerte er beim Militär an. Als Offizier absolvierte er ein Überlebenstraining im Dschungel von Ceylon, schloss sich dem amerikanischen Geheimdienst an und wurde Leiter von dessen Niederlassung in Bangkok. Die Stadt faszinierte ihn sofort. Er quittierte seinen Dienst und baute das legendäre, damals heruntergekommene Oriental Hotel wieder auf. Bis die Seide ins Spiel kam. Thompson entdeckte das traditionelle thailändische Seidenweberhandwerk. Er begann damit, eine Seidenproduktion aufzubauen und verbesserte die Qualität der Stoffe. Feines, glattes Gewebe, das im Sommer kühlt und im Winter wärmt. Die Chefredakteurin der amerikanischen Vogue war auf der Stelle entzückt. Thompsons Thai-Seide wurde zu einer Weltmarke.

Die Dinner Parties des Hausherrn waren stadtbekannt. Somerset Maugham, Elisabeth Taylor und Katharine Hepburn trafen per Boot unten am Klong ein. Ein paar Schritte über den Kiesweg, einige Stufen hoch und schon standen sie im Salon. Nebenan der Dining Room mit Platz für 20 Gäste. Keine Wände, kein Glas in den Fenstern. Wozu auch? Es ist ja immer warm.

Dann der Ostertrip in die nordmalayische Bergregion, um ein paar Tage im Landhaus von Freunden im Dschungel zu verbringen. Es trägt den schönen Namen „Moonlight Cottage“. Ostersonntag , es ist der 27. März 1967. Thompson besucht am Morgen den Gottesdienst der anglikanischen Kirche. Vor dem Mittagsschlaf veranstaltet die kleine Reisegesellschaft ein Picknick. Danach legen sich alle hin. Nur Thompson bricht zu einem Spaziergang auf. Er kehrt nie zurück.

Thompson war 61 Jahre alt. Seine Fußspuren verloren sich auf einem Fahrweg, seine Leiche wurde trotz der größten Suchaktion in der Geschichte Malaysias nie gefunden. Seither ranken sich die wildesten Gerüchte darum, warum Thompson plötzlich verschwand. Darunter auch die These, Thompson sei von Geheimagenten umgebracht oder von einem Tiger gefressen worden. Mein Lieblingsgerücht ist: Jim Thompson hat irgendwo anders auf der Welt, an einem schöneren Fleck als Bangkok, ein neues, interessantes Leben begonnen.

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