GNTM, Beth Ditto und warum wir Mädchen mit Eiern brauchen

1995 konnte man 16 Jahren am Strand auch so aussehen …

Kürzlich sah ich Beth Ditto im Fernsehen. Es war in der Halbzeit des Relegationsspiels Wolfsburg – Braunschweig, als mein Mann, der naturgemäß auch meine etwas schrägen Neigungen kennt, für ein paar Minuten Germany‘s Next Topmodel (das Finale!)  für mich einschaltete.  Beth Ditto sang ihren neuen Song „Fire“, mit der ihr üblichen Präsenz – laut, beeindruckend, mitreißend, gewaltig.

Dann kamen „die Mädchen“ auf die Bühne. Liefen mit völlig überdimensionalen Taschen über der Schulter auf dem riesigen Laufsteg, sehr schön, sehr belanglos, irgendwie lächerlich und: gingen völlig unter neben der Stimme und der Präsenz von Beth Ditto.

Manifest der belanglosen Schönheit

Da wurde es für mich auf dem Sofa einmal mehr erschlagend manifest, wie entsetzlich es ist, dass diese jungen Frauen dort glauben, dass das, was sie dort tun, wirklich irgendeine Bedeutung hat. Dass Äußerlichkeiten das Wichtigste sind. Dass Taschengeld und die ersten selbst verdienten Euros für Designer-Handtaschen und Schuhe oder Bibis Duschgel ausgegeben werden müssen. Dass es uns immens zu interessieren hat, wie schön uns andere finden, und nur Schönheit zählt, und zwar die eine glatte Schönheit, die Mainstream-Schönheit, die Size-Zero-und-lange-Haare-Schönheit.

Natürlich ist das nicht erst heute so

In den 1990er Jahren, als ich ein Teenager war, wollten wir auch schon dünn sein, und einige von uns hatten natürlich auch vor über 20 Jahren schon völlig unerreichbare Vorbilder, wie Models oder Schauspielerinnen. Aber die Möglichkeiten, sich dem zu entziehen, waren eher gegeben, denke ich manchmal. Wir wussten damals nicht, was „Contouring“ ist und wer Louis Vuitton. Vermeintlich unperfekte Körper konnten wir gut mit der damals salonfähigen Grunge-Mode kaschieren. Pinke Haare zu haben, einen eigenwilligen Kleidungsstil und eine furchtbar große Klappe, die gegen jeden Mainstream Amok lief – damit konnte man damals noch was werden. PR-Direktorin mit Kind, Mann, Reihenhaus und furchtbar großer Klappe. Immerhin. Nicht abgerutscht in soziale Untiefen, wie meine Eltern und viele andere damals prophezeiten. Ohne G8, ohne Einser-Abi (dafür mit viel Kaffee, während die anderen in Mathe saßen), mit Studium, das nicht in Regelzeit abgeschlossen wurde und ohne teure Kleidungsstücke und Accessoires.

Und heute?

Generation Y und danach – dürft, wollt und könnt ihr noch unangepasst sein? Wie sollen die Mädchen von heute Eier haben, wenn selbst ihre Mütter nach dem perfekten After-Baby-Body-in-drei-Monaten streben? Wenn es Frauen in meinem Alter gibt, denen Mode, Haare und Körper wichtiger sind, als Politik, das Interesse für unsere Gesellschaft über den eigenen Mikrokosmos hinaus, und ob all die anderen es auch sehen, wie perfekt sie sind?!

Was wollt ihr euren Töchtern mitgeben?

Dass die Meinung der anderen das Relevante ist, die Lücke zwischen den Oberschenkeln möglichst groß und die Sohle untern den Schuhen idealerweise rot sei muss? Nicht, dass ich nach der Geburt meines Sohnes nicht auch wieder in die alten Hosen passen wollte. Schlank und fit sein ist gut und erstrebenswert, darf aber keine Religion sein. Lasst euren Töchtern Platz und Raum, ermutigt sie zum Anderssein da, wo es ihnen entspräche. Ermutigt sie, hier und da mehr Beth Ditto und weniger Heidi zu sei sein, weniger perfekt, dafür mehr präsent, laut, beeindruckend, mitreißend, gewaltig. Kein Mädchen sollte hinter einer Tasche verschwinden!

Was ich meinem Sohn mitgebe

Nun bin ich selbst Mutter eines Sohnes und habe keine Töchter. Ich habe also gut reden in der Sache. Sorry, ich weiß. Es musste trotzdem raus. Und was gebe ich meinem Sohn mit? Dass er sich ein Mädchen mit Eiern suchen soll, natürlich, weil das Leben dann mehr Freude macht!

 

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