Dinner for one?

Man könnte ja meinen, dass Nora von Waldstätten zwar einen klangvollen Namen hat, aber vielleicht eine einsame Frau sein muss.

Ich bin ihr nie begegnet, aber lese mit Hingabe ihre hin und wieder im ZEIT Magazin erscheinende Kolumne, in der sie ausführliche Rezepte, eben “Dinners for one” vorstellt. Schweinebauch in Scheiben und die mindestens vierstündige Herstellung von einem Liter Kalbsfond beeindrucken die Leserin und zeigen eine leidenschaftliche Freude an guter, manchmal vergessener Kochkunst. Und, da bin ich sicher, wer bei Nora von Walstätten eingeladen ist, kann schlemmen nach Herzenslust und sich glücklich schätzen! Ihre Auswahl  der Rezepte und das Zelebrieren der einzelnen Koch-, Brat- und Einkochvorgänge verraten ihre sinnenfreudige Hingabe an das Kochen als Tun an sich. Mit trauriger Einsamkeit hat das nichts zu tun, ganz im Gegenteil: Allein das Lesen der detaillierten Zutaten und deren Verarbeitung lassen im vorweggenommen Genießen schwelgen. Fast meditativ konzentriert sich die Köchin auf die einzelnen Handgriffe und scheint so ganz in der Rezeptabfolge aufzugehen. Ich stelle mir vor, dass sie vielleicht gar nicht sprechen will und niemandem Rechenschaft geben möchte, weshalb sie heute 2 und morgen vielleicht 3 Teelöffel Fenchelsamen für ein und dasselbe Gericht verwenden möchte, dass die intensiven Gerüche der unterschiedlichen Gewürze Bilder von Ländern und Landschaften aufsteigen lassen, die nur die Köchin ganz für sich allein genießt. Vielleicht ist sie es auch, die ihr Mahl ganz allein verspeist, vielleicht möchte sie auch mit jemand anderem ganz allein zu zweit sein.

Womöglich muss jemand, der diese Kolumne liest, überhaupt nie mehr kochen! Allein das Lesen der Wörter – “Sauce sämig einkochen”,”Zwetschgenmarmelade”, “süße Chilisauce” – machen so herrlich satt, und behagliche Zufriedenheit breitet sich als angenehmes Bauchgefühl langsam aus. Bis zum Erscheinen des nächsten Magazins könnte ich ja vielleicht Vegetarierin sein oder in Gedanken ein wenig abnehmen.

Also, ein Hoch auf die hohe Schule der Kolumnen-Kochkunst, auf Menschen, die sich trauen manchmal ganz allein mit sich sein zu wollen und auf die ausführlichen Gespräche darüber!

Nora von Waldstätten ist Schauspielerin, würde angeblich  für ein Wiener Schnitzel töten und verrät im ELLE-Interview ein wenig mehr über sich.

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