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Mein Leben im Café

P1100552Früher saßen Menschen gemütlich im Café, heute klemmen sie sich auf einen Hocker vor ein Brett im Schaufenster eines Coffeeshops und lassen sich von Passanten auf die Knie starren, während sie an einem klebrigen Brownie aus irgendeiner anonymen Großbäckerei mümmeln. Oder sie stehen vorm Tresen und warten auf einen überteuerten Kaffee mit Sojamilch, den ein schlacksiger Barrista mit Hipsterbart ihnen in einem Plastikbecher mit Strohhalm in die Hand drückt, damit er auf dem Weg ins Büro hastig konsumiert werden kann.

Ich mag Cafés und Caféhausgängerinnen. Ich bin selber eine. Ich bin Verteidigerin einer Lebensart, in der Kellner mit Fliege und weißem Jackett dem Gast eine Karte überreichen, in der er aus 20 verschiedenen Kaffeespezialitäten wählen kann. Ich liebe die wunderbaren Geschichten aus den Cafés, die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zu den Salons der Bohème wurden. Sehnsuchtsorten wie dem Berliner Café des Westens, in dem sich Else Lasker-Schüler und Gottfried Benn trafen oder dem Café de Flore in Paris, dem Wohnzimmer von Simone de Beauvoir und Jean Paul Sartre.

Es gehört in erster Linie viel Sorgfalt dazu, ein Café so zu führen, dass es eine angenehme Atmosphäre ausstrahlt. Stehen jedoch in blinden Glasvasen verstaubte Plastikblumen, die aussehen, als seien sie auf der Kirmes geschossen worden, sind die Wände kahl, glimmt im Kerzenständer nur ein Stummel, krächzt die Stimme des Moderators des Lokalradios aus dem Lautsprecher und findet man im Zeitungsregal ein zerfleddertes Sammelsurium statt ausgesuchter Zeitschriften, verkommt das Café zu einem Ort für Beerdigungsgesellschaften und geschiedene Paare, die sich auf neutralem Gebiet treffen, um die Verhandlungen um die Aufteilung des Hausstands zu führen.

Ein gutes Café strahlt eine Atmosphäre der Ruhe, Eleganz und Inspiration aus. Es ist eine Art Heimat, in der wir unseren Alltag vergessen, ganz bei uns sein, träumen, lesen und die anderen Gäste beobachten können. Oft, wenn ich arbeiten sollte, aber keine Ideen habe, gehe ich am frühen Nachmittag in mein Café. Je nach Jahreszeit bestelle ich einen Granatapfel Oolong Tee aus China oder eine Tasse Schokolade, dazu einen Apfelstrudel mit besonders viel Vanillesoße oder eine Waffel mit Sahne und besonders viel Kirschen. Ich blättere durch die bunten Magazine, die ich jeweils in neuster Ausgabe vorfinde. Am Ecktisch hinten links sitzt oft ein bejahrter Herr im dunkelblauen Zweireiher mit Einstecktuch, der hier wechselnde Begleiterinnen trifft, die den Altersdurchschnitt im Raum signifikant senken, am Ecktisch hinten rechts eine reife „Frau Doktor“ mit Nackenknoten, die konzentriert ihr Kreuzworträtsel löst. Sitzen, lesen, etwas essen und trinken, aber um Himmels Willen nicht reden. „Kaffeesieren“ nennt das ein Freund von mir. Gegen 16 Uhr, wenn die schnatternden Kaffeekränzchen-Damen eintrudeln, gehe ich wieder nach Hause und nehme die Ruhe und Inspiration, die mir der Ort bietet, mit hinaus in meine eigene Welt. In der schreibe ich gerade über meine Lieblingscafés. Zu lesen demnächst exklusiv nur bei uns im Blog. Es kommen übrigens Spitzenleute drin vor. Ronald Lauder, Jan Hoet, Peter Zumthor und natürlich die wunderbare Yoko Ono.

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  1. Pingback: Mein Leben im Café – Ursel Braun

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