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Dekadenblick … Urlaubskarten

Foto 1Gruß und Kuss, Dein Julius!

Mir geht´s gut. Wie geht es Dir? Das Wetter ist schön und das Essen reichhaltig.

Schreiben wir noch Urlaubskarten? Freuen wir uns, wenn wir welche bekommen? Oder ist diese Art von Urlaubsgrüßen völlig überholt von den scheinbar unbegrenzten technischen Möglichkeiten aktueller Medien, und ein passionierter Urlaubskartenschreiber gehört zu den ewig Gestrigen und sowieso bald der Vergangenheit an?

Wir haben unterschiedliche Meinungen und sind so jung und so alt, dass wir hier unbedingt mit reden können:

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Urlaubskarten sind was für Kinder, die das erste Mal alleine ins Zeltlager nach Spiekeroog fahren oder zu einer Sprachreise nach Brighton oder Arcachon. Denen die Großeltern und Tanten 5 Euro in die Hand drücken und sagen: Schreib doch mal!

Urlaubskarten sind was für Spießer. Oder Leute, die da, wo sie gerade sind, nicht wirklich sind, sondern schon wieder an die zu Hause denken.

Urlaubskarten sind hässlich. Am schlimmsten sind die mit den vielen briefmarkenkleinen Miniaturmotiven, die sich um die eine Hauptattraktion, z.B. die Dorfkirche, gruppieren. Die, bei denen man erst mal die Lupe rausnehmen müsste, um irgendwas zu erkennen. Tut man natürlich nicht. Man überfliegt den Text – „Haben bei viel Sonnenschein in einem heimeligen Berglokal Käsefondue gegessen“, fragt sich, wen das interessiert – und weg ist die Karte. Im Papierkorb gelandet.

Urlaubskarten gehen nur, wenn sie selbst gemacht sind. Oder wenn man wirklich was Wichtiges mitzuteilen hat, was die zu Hause umhaut. So was wie: Habe im Lotto gewonnen und bleibe ganz hier.

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Schreibe ich absolut immer. An die Familie, und an alle, die mir auch eine Karte schicken. Ich liebe Urlaubskarten. Und Briefe. Und den Postweg ueberhaupt! Ich bin ein grosser Freund der Schnelligkeit von Emails. Und ist es nicht unglaublich, dass man von Neuseeland aus innerhalb von ein paar Sekunden eine Nachricht gen Europa auf den Weg bringen kann? Ich moechte es nicht missen. Aber ich finde es schade, dass wir durch diese Art der schnellen Kommunikation auf andere schriftliche Weg mehr und mehr verzichten.

Sicher ist mein Beruf ein Grund fuer diese Ansicht: fuer Historiker sind Briefe, Tagebuecher und Postkarten unglaubliche Fundgruben. Wie leid es mir taete, wenn es sie in 50 Jahren kaum noch gaebe. Die schoenste Forschungsgeschichte dazu? Ende des 19. Jahrhunderts bekam ein Neuseelaender eine Reise nach Grossbritannien geschenkt, seinem Geburtsland. Auf der Reise fuhr er auch nach Schottland, obwohl er selbst eigentlich kein Schotte ist – diesen Teil der Reise unternahm er sozusagen fuer seine Frau. Sie konnte leider nicht mitkommen, aber er wollte ihr aus ihrem Heimatland berichten. Und genau das machte er auch: auf der Urlaubskarte. Unzaehligen, um genau zu sein. Er schrieb ueber Menschen und Unternehmungen, das Wetter und wie er immer an seine Frau denken musste. Neben den Karten, die er direkt an sie verschickte, schrieb er fuer seine Frau auch ein Reisetagebuch – und verschoenerte es mit Urlaubskarten, denn einen Fotoapparat hatte er nicht.

Genauso geht das mit der Urlaubskarte, finde ich. Sie ermoeglicht es, die Welt zu erkunden, auch wenn man nicht direkt dabei ist. Sie erzaehlt eine Menge ueber Menschen und Laender, Erlebnisse und Gefuehle. Und darum schreibe ich sie. Eben absolut immer.

DSC04646Eigentlich schreibt man Urlaubskarten aus einem einzigen Grund: um dem Empfänger unter die Nase zu reiben, dass man gerade nicht arbeiten muss und an welch’ wundervollem, exotischem oder aufregendem Ort man sich deshalb gerade befindet. Die guten unter uns schreiben sie, um die anderen an ihrem Glück teilhaben zu lassen, um mit ihnen einen winzigen Einblick in ihr tolles Leben zu teilen. Die meisten unter uns schreiben sie, um alle anderen neidisch zu machen.

Seit meine Schwiegereltern ein Tablet und meine Schwester ein Smartphone besitzen, hat sich auch für mich die Notwendigkeit der Urlaubskarten endlich, endlich erledigt und das neue Zeitalter der Selfies wurde eingeläutet.
Neidisch machen hoch fünf.
Stephan und ich in Siegespose nach dreitägigem Inka Trail vor der wahnsinnigen Kulisse des Machu Picchu. Mein Fondant du Chocolat und ich im Restaurant Kong in Paris. Ursel und ich im Claridge’s in London beim Champagner 5 o’clock.

Für alle zukünftigen Empfänger meiner Selfies: natürlich gehöre ich zu den guten und natürlich will ich euch an meinem Glück teilhaben lassen.
Ihr dürft trotzdem neidisch sein.

Profilbild (Mittel)Ich kann in Null Komma Nix Urlaubskarten schreiben! Viel schneller als diesen Text. Äh, ja, was soll ich denn jetzt schreiben…?

Dieses Gefühl habe ich nie, wenn ich im Urlaub Karten aussuche! Der Empfänger freut sich, wenn jemand, der weit weg ist, an ihn denkt und ihm sogar schreibt. Ich finde es geht weniger darum, etwas über den jeweiligen Ort des Aufenthalts, seine genauen Koordinaten oder Höhenmeter zu notieren, sondern mehr darum, einen persönlichen Gruß zu formulieren, etwas worüber der Adressat sich freuen kann, etwas, was er so gern liest, dass er die Karte nicht sofort in den Papierkorb wirft.

Wesentlich dabei ist es natürlich interessante Bildmotive auszuwählen. Am liebsten nehme ich die verstaubten und vergilbten, die, die kein Kioskbesitzer jemals mehr nachordern wird. Italien und hochgelegene Bergdörfer in den Schweizer Alpen sind eine wahre Fundgrube für solche Schätzchen, und die alten Karten – gern in Schwarz-Weiß – zeigen oft längst vergangene Ansichten von Panoramen, Idyllen und Menschen  in Trachten. Mit meiner Karte kann ich sie zum Sprechen bringen, vorne mit Sprechblasen und Text versehen und dem Abgebildeten Absurdes und Unmögliches in den Mund legen. Die scheußlichsten Karten können so mich als Finderin und Schreiberin erfreuen; umso besser, wenn der Empfänger lachen muss und mir aus seinem nächsten Urlaub ähnlichen Quatsch schickt!

Liebe Leser und Leserinnen, fahrt in Urlaub und forscht und schreibt und schreibt… Gern auch an mich. Bringt den Watzmann zum Sprechen!

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