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Dekadenblick … Stammkneipen

StammkneipeCollageDie Stammkneipe. Für manche der Ort, an den der Vater sich Sonntags morgens zum Frühshoppen verabschiedet hat. Für andere ein zwielichtiges Etablissement, in dem es ein wenig nach abgestandenem Bier und Bohnerwachs riecht und um den es einen weiten Bogen zu machen gilt. Für wieder andere, ein magischer Ort, an dem man sich sofort sicher und geborgen fühlt. In diesem Dekadenblick verraten wir IKNMLO Bloggerinnen Ihnen, wie wir es mit Stammkneipen halten.

Ursel (60+) über Stammkneipen…

Mit Mitte 40 habe ich von einem Tag auf den anderen aufgehört zu rauchen. Das war nur durchzuhalten, indem ich für das Jahr der Entwöhnung auf den Besuch meiner Stammkneipe verzichtete. Wir befanden uns in Zeiten vor dem Rauchverbot in Kneipen. Mit dem Verlangen nach einer Zigarette ließ die Lust nach, abends nach getaner Arbeit noch mal in die Stammkneipe an der Ecke reinzuschauen. Nach Jahren intensiven Mäanderns durch das Nachtleben war ich zudem der Kneipen überdrüssig. Außerdem schellte der Wecker morgens um sechs, das Berufsleben wurde anstrengender. So wurde ich häuslich, kaufte Kupfertöpfe, legte einen Weinkeller an und brachte mir bei, wie man Fischpasteten zubereitet. Fürs außerhäusige Amüsement (Zeitungslesen und Leute gucken) suchte ich mir ein Stammcafé.

Manchmal vermisse ich eine Stammkneipe und das Gefühl: Ich kann am Abend kommen, wann ich will, irgend jemand wird schon da sein, den ich kenne und mit dem ich eine Weile ziellos plaudern kann. Wenn ich heute, was gelegentlich mal nach einem Kinobesuch vorkommt, in die Ex-Stammkneipe gehe, kenne ich dort niemanden mehr. Es steht nur Jungvolk herum, zwischen dem ich mir vorkomme wie die Frau vom Jugendamt. Das hat auch damit zu tun, dass es bei uns keine Tradition gibt, dass ältere Leute überhaupt noch in Kneipen gehen. Aber wo sind sie denn, die Älteren? Sie sitzen doch nicht alle ab Viertel nach Acht in Puschen vor dem Fernseher und gucken den „Bergdoktor“? Ich sehe sie doch tagsüber putzmunter auf der Straße. Anders ist das in einer so offenen Stadt wie Amsterdam. Es gibt eine sozial- und altersgemischte Kneipenkultur. Alt und Jung stehen gemeinsam an der Theke und amüsieren sich. Anscheinend haben ältere Leute dort nicht das Gefühl, dass das Jungvolk raunt: Kommen die Gäste jetzt schon zum Sterben hierher? Allerdings, das muss ich mir eingestehen, bin auch ich in Amsterdam anders. Offener, amüsierwilliger und ob andere mich dort alt oder jung finden, ist mir schön längst egal.P1000602

Ute (50+) über Stammkneipen…

Fast wäre es soweit gekommen! In Gedanken und nach einigen Besuchen im “Essen und Trinken” in Bielefeld war ich mir sicher, das Lokal hat mehr als Stammkneipenpotential! Eben mal um die Ecke gehen, sicher sein, leckere Kleinigkeiten zu gutem Wein serviert zu bekommen und nicht auf jahrealte Trockenblumensträuße sehen zu müssen. Leider hat der Wirt nicht mitgespielt: Grobe Unfreundlichkeiten gegenüber weiblichen Gästen haben uns verscheucht und nie mehr wieder kommen lassen. Hier sollte nicht der Gast “König sein”, sondern der Wirt! Schade.

Sehnsüchtig denke ich an die Kneipe in Amsterdam (Ursel hat sooo recht! s.o.), in der ich mich bei jedem Besuch wohler fühle: “Cafe De Blaffende Vis”. Hier ist es einfach, unkompliziert, und man isst und trinkt in interessanter Gesellschaft!

Ich will immer wieder hin!

Stammkneipe1.

 

Cerstin (40+) über Stammkneipen…

Frauen gehen nicht in Kneipen um angesprochen zu werden. Zumindest keine die ich kenne. Dafür haben wir Stammkneipen.
Als Frau würde ich niemals alleine in eine Kneipe oder eine Bar gehen, um dort etwas zu trinken. Essen gehen, in einem Café sitzen, alles kein Thema. Aber alleine abends an einer Bar zu sitzen ist anstrengend. Was eine Stammkneipe für mich von anderen Kneipen unterscheidet ist die Tatsache, dass man mich dort kennt und dass ich dort immer jemanden treffe, den ich kenne.
Auch allein bin ich dort nie wirklich allein.

Meine erste Stammkneipe waren die Flottmannhallen in Herne. Egal zu welcher Tages- oder Nachtzeit: es war immer jemand da, mit dem ich genau das tun konnte, was frau in Kneipen eben tut – etwas trinken, dummes Zeug quatschen, aktuelle Personenupdates einholen, Fußball gucken und die Probleme der Welt lösen, ohne die ganze Zeit doof angesprochen zu werden nach dem Motto “na, so alleine hier, schöne Frau…”.

In Bielefeld gab es zwei Häuser weiter das wunderbare “Abseits”. Eine Kickerkneipe der verschärften Art mit Sandboden, damit die Bälle nicht über den Boden rollen, in der Halbprofis mit Lederbandagen an den Handgelenken die Kickertische umringten, liebevoll jeden Kickerboden mit pinkfarbenenm Sprühreiniger reinigten und sorgsam jeden Ball polierten, um – Absolute-Giganten-mäßig – den einen perfekten Zug spielen zu können.
Wunderbare Jungs, die ein wenig brauchten, um nicht jedes Mal wieder die Augenbrauen hochzuziehen, wenn ich sie forderte, die mich viele bittere Niederlagen (meine, nicht ihre) später aber in ihr Herz schlossen und von denen ich die Turnierregeln und den ein oder anderen Kickertrick gelernt habe, in Zeiten, in denen ich eigentlich an meiner Staatsarbeit hätte sitzen sollen.

In meiner jetzigen Stammkneipe bekomme ich mit dem ersten Fuß in der Tür ein perfektes Cola-Bier in die Hand gedrückt (danke Svetlana!), beim Fußballgucken fragt mich keiner, ob er mir die Abseitsregel erklären soll (danke Jungs!), und der Türsteher begrüßt mich mit einem Küsschen auch in hektischsten Karnevalszeiten (danke Imad!).
Dafür bin ich der Ubierschänke auch immer treu. Denn Stammkneipentum heißt auch, dass man Zeit, Geld und Liebe in dieses Etablissement investiert und die ein oder anderen lange Nacht riskiert.
Wenn es sein muss, auch bis Sveti frühmorgens den Laden dicht macht…
stammkneipe1

Tanja (30+) über Stammkneipen…

Ich habe keine Stammkneipe – und auch kein Stammpub. Jedenfalls nicht so ganz im traditionellen Sinn. Warum das so ist, kann ich gar nicht unbedingt sagen. Vielleicht, weil ich immer viel unterwegs bin, und gar nicht so recht dazu komme, irgendwo eine “Kneipenheimat” zu finden. Aber natuerlich gibt es Kneipen, in die ich immer wieder gerne gehe. Die mir, um die Welt verteilt, doch ein klein wenig Heimat bieten:

 

In Newcastle gibt es gleich drei Favoriten: das Crown Posada, das Bridge Hotel und das Free Trade Inn. Richtige Reale Ale Pubs mit schoener Atmosphaere.

 

In Edinburgh das Cafe Royal – ein Pub der etwas feineren Art. Natuerlich geht es aber auch in Edinburgh in urig, zum Beispiel im Last Drop.

 

In London besonders gerne in der Viaduct Tavern und The Star Tavern. Und wenn es mal doch so richtig heimelig sein soll dann das Zeitgeist – “a German gastropub, with German beers and German football.”

 

In Wellington das herrliche Fidel’s Cafe – vielleicht nur so halb eine Kneipe, aber auch der Ort, der einer Stammkneipe fuer mich am naechsten kommt: mancher Abend wurde waehrend der Promotion hier verbracht. Und auch gerne das Hotel Bristol. Nicht so schick, aber die besten Kumara fries der Welt!

 

In Hong Kong wird mir immer The Canny Man in guter Erinnerung bleiben – seit langem waehrende Freundschaften fanden hier ihren Ursprung, als ich fuer die Arbeit zu Schotten in Hong Kong meinen Weg hierher fand. Und in der beruehmten Lan Kwai Fong das Rockabilly.

 

Prost um die Welt!

 

Tanja-Stammkneipe

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