Dekadenblick … Modezeitschriften

zeitschriftenIm Zeitalter von iPads und anderen technischen Neuerungen kann man alles ‘on the go’ bekommen – Apps sei Dank. Modezeitschriften aber lesen sich doch am schoensten gedruckt! Und wir lesen so immer gerne mit. Die ersten Modezeitschriften, oder besser: die ersten Publikationen, die sich mit Mode beschaeftigtenen, wurden Ende des 17. Jahrhunderts publiziert. Im 18. Jahrhundert kamen viele neue Titel hinzu, beispielsweise das Lady’s Magazine or Entertaining Companion for the Fair Sex, Appropriated Solely to Their Use and Amusement – Maenner nicht erlaubt! Immer beliebter wurden auch die sogenannanten Cabinet des Modes – beruehmt durch ihre wunderschoenen Illustrationen. So richtig los ging es aber erst Mitte des 19. Jahrhunderts, Haper’s Bazaar beispielsweise wurde 1867 gegruendet; Vogue kam Ende des 19. Jahrhunderts hinzu. Wir 4 IKNMLO-Bloggerinnen haben in diesem Blaetterwald natuerlich unsere Favoriten – und genau die moechten wir heute im Dekadenblick vorstellen.

DSC04644In der Kategorie „Fotostrecken“ gibt es für mich nur eine, die zählt. Sie kommt von der Stilhalbinsel Manhatten, aus dem Haus Condé Nast. Die Fotos in der amerikanischen Vogue sind Stilsensationen und eine Bastion gegen die Langeweile. Diesen Kraftakt orchestriert allmonatlich die Kreativdirektorin Grace Coddington (72). Ihre Ideen entsprechen nie der Norm, sind immer die Ausnahme, das Besondere, das die Blicke auf sich zieht. Sie arbeitet unter der wunderbaren Anna Wintour. Die Chefredakteurin ist die Titanin, die Furchtlose, die Unergründliche, die Unerbittliche, die ihr Team zu einer endlosen Kette von optischen Wundern anspornt. Und das seit 25 Jahren!

Eine Kritik sei jedoch erlaubt. Sie betrifft den redaktionellen Teil des Magazins. Gut, da gibt es den Kolumnisten Hamish Bowles, einen britischen Wunderling mit Vogelgesicht, großer Brille und rosa Anzug, der auf Selbststilisierung, Ironie und snobistische Sprache setzt. Neben ihm versucht sich Elisabeth von Thurn und Taxis als Kolumnistin. Sie fand vor Anna Wintour Gnade, weil sie das Eintrittstikett für den internationalen Jet Set besitzt und als Tochter von Gloria mit angeborenem Stilbewusstsein auf die Welt kam. Ob sie schreiben kann? Darüber wollen wir den Mantel des Schweigens hüllen. Außerdem ist das Frauenbild der amerikanischen Vogue ein bisschen verstaubt. Die Homestories über die blonden Park Avenue Prinzessinnen und die anorektischen Milliardärsgattinen, die sich an ihren Pools auf Long Island räkeln, gehen mir total auf die Nerven.

tanja2Gar nicht so einfach, die Frage nach der Zeitschrift! Und so gibt es fuer mich keinen klaren Favoriten. Heute sind aller guten Dinge … vier!

  • Fuer Mode pur die Vogue. Zeitlos klassisch, wenn man so will. Ich liebe die Fotostrecken! Und Ursel liegt absolut richtig: die Strecken der amerikanischen Vogue sind einfach, Grace Coddington sei Dank, ganz wunderbar/atemberaubend/herrlich. Hier gibt es ein paar schoene Beispiele bei Pinterest. Und man mag von ihr halten was man will, aber Anna Wintour fasziniert mich sehr. Und Alexandra Shulman – verantwortlich for die British Vogue – ist mir nach ihren Beitraegen zur ‘size zero debate‘ doch auch recht sympathisch.
  • Manchmal, aber manchmal … da muss es etwas High Society sein. Dann ist Zeit fuer Tatler – und somit ein wenig Voyeurismus. Dieser wird unter anderem durch das Little Black Book befriedigt: der Liste der “most eligible, most beddable, most exotically plumaged birds and blokes in town.” Ene mene miste …
  • Und fuer ein paar freie Minuten zwischendurch? Gerne In Style. Nicht zu high fly, aber schoene Tips und Tricks fuer Beauty, Lifestyle und natuerlich auch Mode.
  • Last but not least: Psychologies. Gute Artikel. Keine dummen Attitueden.

Und so lautet sie, meine momentane Hitliste. Wozu aber dienen denn eigentlich die ganzen Zeitschriften? Nur dazu, uns mit Trends und den Vorstellungen anderer zu beseelen? Sicher: ich lasse mich gerne und oft beseelen. Habe so viele Trends und Styles entdeckt. Aber auch hier stimme ich Ursel vollkommen zu: die Sache mit der Oberflaeche kann ein Problem sein. Schade eigentlich, denn sein muesste das nicht! Warum gibt es nicht spannendere Artikel, die auf dem gleichen Niveau liegen, wie die Fotostrecken? Warum sind die meistens Models noch immer duenn und jung? Langsam werden die Barrieren etwas aufgeweicht, aber es ist noch viel zu tun. Liebe Redakteure: traut euch!

DSC04646Es ist mehr als 20 Jahre her und doch erinnere ich mich wie heute an den Tag, an dem ich meine erste Modezeitschrift kaufte. Es war die britische Elle, ich war 17 Jahre alt und auf Studienfahrt in London.
Ich fand mich schon ziemlich cool in meinem dunkelblauen Mini-Faltenrock und den dunkelblau-weiß gestreiften Overknee-Strümpfen (kleine Seitenbemerkung für diejenigen IKNMLO-Blog-Leserinnen, die sich nicht mehr an das Ende der 1980er Jahre erinnern können: damals war das ziemlich cool!), unterwegs in der Carnaby Street auf der Suche nach einem paar DocMartens in knallgrün mit Gänseblümchen drauf (ja, die gab es wirklich und ja, ich fand und trug sie wirklich).

Und ich weiß noch genau, wie die Modefotografien mich faszinierten und wie die hochglänzenden Seiten mich in den Bann einer völlig neuen Welt zogen, die nach und nach die wundervollsten Geheimnisse offenbarte: Seiten über Seiten voller Inspirationen, Glamour und Erkenntnisse, wie Kleidung das Bild, das wir von einem Menschen haben, verändern, unterstreichen oder auch erst erschaffen kann.
Seitdem bin ich eine leidenschaftliche Leserin aller Modezeitschriften, die mir in die Hände fallen. Jeden Monat die großen deutschen, englischen und einige amerikanische Zeitschriften. In jedem fremden Land die lokalen Modezeitschriften, auch wenn ich sie nicht lesen kann. Ich verschlinge sie. Ich studiere sie. Ich sammle sie und ich hänge die schönsten Seiten in meinem Zimmer auf. Eine teure Leidenschaft, ich weiß. Und eine Leidenschaft, die letztendlich zu einem Modejournalismus Studium am London College of Fashion und der Gründung dieses Blogs zusammen mit Ursel Braun geführt hat.
Denn eines ist noch schöner als Modezeitschriften zu lesen: Für Modezeitschriften zu schreiben.

Profilbild (Mittel)Nicht einfach so lesen, sondern ein wenig zelebrieren: Bahnfahrten eignen sich wunderbar, sich zur Mittagszeit in den Lieblingssessel im Sonnenlicht fallen zu lassen, die Zeitschrift aufgeschlagen liegen lassen und wissen, später lese ich weiter, bittere Schokolade bereit legen…Schwelgen und abtauchen, die Gedanken schweifen lassen und neuen Ideen Raum gewähren, plötzlich auf springen und sofort ein bestimmtes Kleidungsstück aus dem Schrank wieder ans Tageslicht befördern und ganz neu kombinieren…

All´das ging vor vielen Jahren schon mit der “alt”-bewährten “Brigitte” (Jaha…), heute mit “Elle”, niemals mit “InStyle”, aber am besten mit den herrlichen Modezeitschriften, die ich in dem einmaligen Laden in Amsterdam (ATHENAEUM NIEUWSCENTRUM) lange ansehe und meistens auch kaufe! Ob alt oder neu, sie sind einfach ein purer ästhetischer Genuss: “Material girl. My luxury diary” oder “Wonderland”…! Für mich sind sie märchenhafte Bilderbücher und Fundgrube für eigene Geschichten und Collagen. Meistens überfliege ich die längeren Artikel nur –  ich will die Bilder, die Mode, Inspiration.

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.