Dekadenblick … Männer mit Bart

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Es ist alles relativ! Oder?

Die “Apothekenschau” vom 1. April 2014 scherzt nicht und behauptet: “Voll im Trend. Gepflegte Männerbärte!” Erfahrungen legen nahe, dass auch bei diesem “männlichem” Thema die Frauen ein Wörtchen mitreden…

Wir machen das!

 

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Bärte kommen und gehen. Gerade scheinen sie mal wieder zu kommen. Viele Frauen mögen Männer mit Bärten. Ich nicht. Den „permanent 5 o´clock shadow“ würde ich einem George Clooney gerade noch durchgehen lassen, allerdings ist der Grat schmal. Schnell sieht der Mann aus, als litte er nach durchzechter Nacht an einem schweren Kater oder habe ganz knapp einen Transatlantikflug in der Holzklasse überlebt. Schlimm ist auch der Schnurr- mit integriertem Kinnbart, den früher Kurt Cobain und mittlerweile jeder ältere Studienrat trägt. Aber der Vollbart geht gar nicht. Beim Vollbart denke ich an Speisereste im Wildwuchs. Oder an Eremiten, die einmal im Jahr ihre Höhle verlassen, um sich unten im Dorf ein paar Säcke Reis und Trockenerbsen auf den Buckel zu laden.

In meinen Augen beginnt ein Mann den Tag mit einer Nassrasur oder er setzt sein Gesicht der dünnen Klinge der Zivilisation aus. Am stilvollsten ist es natürlich, wenn er in einen Rasiersalon geht. Leider findet man sie nur mehr auf Reisen.

In Shanghai hatten alle Männer Gesichter, die aussahen, als sei aus ihnen noch niemals ein Härchen gesprossen. Trotzdem fuhr der Friseur meinem Reisebegleiter über die Backen, als preschte er mit dem Rasenmäher durch den Vorgarten. In einer Oase in der Sahara befand sich der salon de coiffure in einem Zelt. Wir nahmen auf dem Teppich Platz und sahen, wie der Friseur den Männern das Gesicht knetete, bevor er sein Messer wetzte. In Lissabon war der Ledersessel rot, die Fliesen glänzend weiß und der Fußboden schwarz-weißes Schachbrett. Der Friseur sprach fließend Englisch, die Rasur dauerte eine Stunde und in dieser Zeit servierte er uns je 4 Espresso. In San Franziscos Schwulenviertel war der Friseur Kurde. Er trug eine Grace Jones-Frisur. Das Radio spielte Hits der 80er, während der Friseur die Rasur mit nassen Gesichtsumschlägen vorbereitete und anschließend mit dem Dachshaarpinsel die Seife auftrug. Er depilierte sogar die Ohren.
Zu meinen besten Reiseerinnerungen gehören die Momente, in denen ich einen Mann zum Bartschneider begleitete. Sie ermöglichten mir, die Welt aus der Perspektive der lokalen Barber Shops zu sehen.

Als hätte es eines weiteren Grundes bedurft, aus dem ich das glatte Männergesicht so schätze.

tanja2Ich hatte noch nie einen Partner mit Bart, kann hier so direkt also eigentlich gar nicht mitreden. Denke mir aber immer nur: Gott sei Dank! Denn dass muss doch total stachelig sein! Ich stelle mir vor, wie man da in schoenen Momenten immer abgelenkt ist durch kratziges Haar. Wie beim Restaurantbesuch irgendwas vom Essen im Bart haengenbleibt. Oder man auf dem Flughafen kontrolliert wird, weil Maenner mit Bart gleich irgendwie verdaechtig aussehen. Und so sehe ich es eigentlich klipp und klar: ab das Teil!

Aber Bart ist ja nicht gleich Bart, nein! Man muss schon etwas differenzieren. Einen Vollbart finde ich gar nicht so schlecht, aber gleichermassen gibt es fuer mich eine klare Bart-Ungeliebtheits-Liste mit den absoluten no-nos:

Der Schnaeuzer! Da krieg ich ja schon drei Kilometer vorher zuviel. Geht nicht. Gar nicht!

Der Kompensations-Bart: keine Haare auf dem Kopf, aber nen Bart? Maenner, was wollt ihr eigentlich? Den meisten von Euch steht die Glatze eigentlich gar nicht schlecht. Da muss man nichts kompensieren, und maennlicher werdet ihr so auch nicht.

Der Weihnachtsmann-Bart: je laenger, desto schlimmer. Allers uebers Kinn hinaus ist doch wirklich nicht schoen. Da hilft auch der beruehmte Name nichts.

Trotz der klaren Vorliebe fuer Mann ohne Bart muss ich aber auch sagen: wenn ich mal objektiv nur auf die Gesichtsproportionen schaue, dann steht manchen Maennern ein Bart wirklich nicht schlecht. Er verbreitet durchaus eine maennlichere Aura. BuzzFeed hatte neulich ein Stueck dazu, wie ein Bart das Gesicht veraendert. Und wenn ich mir die Liste dort so ansehe, dann wuerde ich, rein optisch betrachtet, zum Beispiel Michael Fassbender eher mit Bart nehmen. Und Javier Bardem auf jeden Fall absolut nur mir Bart.

Was mich bei der maennlichen Bartfrage aber immer besonders stoert ist etwas ganz anderes: die Tatsache, dass ein Bart bei einem Mann ein positives Maennlichkeitssymbol sein kann, waehrend viele Frauen mit Haaren im Gesich ihr Leben lang kaempfen muessen. Die Behaarung an sich ist ein heisses Thema, da stimmt ihr sicher zu. Rasieren, wachsen, epilieren … eine ganze Industrie steht dahinter. Nun will ich hier nicht sagen, dass ich gerne einen Bart haette, oder die Rasiererei an den Nagel haengen will. Aber unsere haarige Moral? Ja, die bedarf vielleicht ein wenig Ueberpruefung. Und auch wenn ich den Bedeutungsbogen nicht ueberspannen moechte: danke, Conchita Wurst!

DSC04383 (Medium)Männer werden ja erst ab 30 wirklich zu Männern. Alles davor sind Jungs. Erst ab 30 haben sie die Chance, souverän zu werden, haben ihr Testosteron im Griff und müssen sich – wenn es gut läuft – nicht mehr permanent beweisen, weder den Kumpels, noch dem Chef noch Frauen gegenüber.

Ein wichtiges Kennzeichen für diese Form der souveränen Männlichkeit ist in unseren Breitengraden auch der Bartwuchs, der erst ab dreißig (von wenigen frühreifen Exemplaren mal abgesehen) eine Konsistenz annimmt, die man nicht mit einem Handtuch abrubbeln oder als spärlich bezeichnen kann. Richtige Männer tragen für mich einen Drei-Tage-Bart.

Keinen Schnäuzer, keinen Vollbart und erst recht kein Ziegenbärtchen. Richtige Männer haben keine Zeit sich täglich nass zu rasieren, weil sie schließlich die Welt retten oder mit uns ausschlafen müssen, zerkratzen uns aber mit ihrer Mähne beim Rumknutschen auch nicht das Gesicht, was bei kurzen Stoppeln, kratzigen Schnäuzern oder Vollbärten auf zarten Frauenwangen schnell mal passiert.

Der Drei-Tage-Bart ist die perfekte Mischung aus verwegen und gepflegt, denn auch dieser Bart erfordert einiges an Aufwand. Langhaarschneider für die Flächen, Nassrasur von Hals und Rändern, aber eben nur alle drei Tage und nicht jeden Morgen.

Für mich die erste Wahl, wenn es um Haare im Männergesicht geht: der Drei-Tage-Bart.
Alles andere sind kleine Jungs.

PS: Ganz manchmal gibt es überzeugende Ausnahmen, lieber Frederick, dann sind sie schon mit 21 sehr männlich und mit Drei-Tage-Bart cool like a banana in the fridge ;).

Profilbild (Mittel)Haare im Gesicht gehen gar nicht, sind eine Art Urzeitrelikt und erinnern mich an Rübezahl und Rumpelstilzchen! Ältere Männer scheinen sich mit sprießenden Stoppeln im Gesicht so wild und verwegen zu fühlen, wie sie nie waren und jüngere glauben anscheinend ihre Männlichkeit offensichtlich präsentieren zu können… Ich weiß, es muss an mir liegen! Angeblich gibt es irgendwo auf dieser Welt – oder war es doch auf dem Planeten der Affen- Frauen, denen der männliche Wildwuchs im Gesicht gefällt! Aber wahrscheinlich haben sie die Freude am Küssen verloren oder finden Bart nur im Gesicht fremder (Ehe-) Partner ganz toll oder sie mögen sowieso lieber Frauen… Ich staune über den angeblichen Trend zum Bart, der doch im offensichtlichen Widerspruch zur Forderung nach gänzlich glatt rasierten Körpern vieler Frauen und auch Männer (!) steht! Oben pfui und unten hui? Haare im Männergesicht, aber die Brusthaare abrasiert? Ach, liebe Mannsbilder, glaubt nicht an angebliche Baarthaarmodetrends, lest unseren Blog, rasiert euch schön glatt im Gesicht und schmust mit euren Liebsten!!!

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