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Dekadenblick … Lieblingsgebäude

P1010315Wie buchstabiert man eigentlich Lieblingsgebäude?

Atelier, Baumhaus, Bar, Bungalow, Bibliothek, Cabana, Chalet, Club, Datsche, Fabrik, Garage, Grandhotel, Hacienda, Iglu, Jagdhütte, Kirche, Kloster, Konzerthalle, Lodge, MERZbau, Museum, Orangerie, Palast, Pavillon, Penthouse, Puppenhaus, Ranch, Reihenhaus, Rustico, Schloss, Studio, Speicher, Strandhaus, Turm, Villa, Weingut, Wintergarten, Wolkenkratzer, Wunderkammer.

Herzlich Willkommen zu einem Ausflug zu unseren Lieblingshäusern!
(Auf dem Foto: Weingut Tramin, Südtirol)

DSC04644Es liegt in einem Stadtviertel, das allerhöchstens als „mittlere“ Wohnlage gilt. In der Nachbarschaft sind griechische Kneipen, Künstlerateliers, eine Hinterhof-Eisdiele und ein türkischer Supermarkt. Die Autos im Viertel sind nicht besonders schick. Das Haus hat vier Stockwerke, ganz oben einen Dachgarten und an der Fassade eine Rosette in Yves-Klein-Blau. Der Bürgersteig wird selten gefegt. Eigentlich nie. Der Anstrich müsste dringend erneuert werden. Jetzt war erst mal die Haustür dran. Der Farbton wurde extra angemischt. Ein leuchtendes, ins Schwarze gehende Rot, das man manchmal an Haustüren in England oder in Amsterdam sieht. Hinter dem Haus gibt es 2 Gärten. Einen Damengarten und einen Herrengarten. Der Herrengarten ist streng gerastert in zehn quadratische Beete an einem grau-weiß gepflasterten Mittelgang, dazu puristische Hightec-Gartenmöbel auf einem Sonnendeck. Im Damengarten stehen eine Hollywoodschaukel, ein kleines Hermannsdenkmal aus Plastik und neuerdings Mies van der Rohes „Barcelona Pavillon“ als Futterhaus für die Vögel. Pflanzen gibt es nur wenige und nur in Töpfen, denn die Dame hat keinen grünen Daumen. Im Sommer stellt sie einen kleinen Kickertisch in ihren Garten, an dem sich Freundinnen und Nachbarn zum Turnier treffen. Natürlich will sie immer “Brasilien” sein und eine Nachbarin immer die „Schweiz“. Leider zieht die Schweiz jetzt weg. Gelegentlich kommt ein sehr bürgerlicher Vetter zu Besuch. Der sagt jedes Mal: „Es tut mir wirklich leid, dass Du in so einem schäbigen Haus wohnen musst.“ Und ich antworte: „Ich muss hier nicht wohnen. Ich wohne hier gerne.“

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Ich kann alt und verschnoerkelt, aber auch hochmodern und kantig. Fuer mich liegt die Schoenheit eines Gebaeudes nicht unbedingt in der Aesthetik an sich, sondern darin, wie interessant ein Gebaeude ist – und die Antwort auf die Frage liegt nicht nur in Aeusserlichkeiten, sondern auch in der Biografie eines Gebaeudes.

Und hier schlaegt natuerlich zunaechst einmal wieder das Herz der Historikerin. Wie war es wohl, in einem der Kaufmannshaeuser auf Edinburgh’s Royal Mile zu wohnen? In Gladstone’s Land zum Beispiel? Erbaut im 17. Jahrhundert hat das Gebaeude sicher so einige interessante Geschehnisse miterlebt. Die Royal Mile ist sowieso ein architektonischer Augenschmauss: von den ersten ‘Hochhaeusern’ sprach man hier im 16. Jahrhundert. Ich kann mich jedenfalls nie satt sehen, egal wie oft ich die Royal Mile nun schon gesehen habe. Und so schoen ein Sonnentag in Edinburgh auch ist, die Royal Mile ist bei Nebel noch viel beeindruckender – man fuehlt such in vergangene Zeiten versetzt.

Und auf der modernen Seite? Da faszinieren mich viele der architektonischen Leistungen in Skandinavien. Clear and clean. Unglaublich, zum Beispiel, wie das Juvet Landscape Hotel sich in die Landschaft einfuegt. Bei diesem Ausblick und diesem Umfeld kann man sicher ganz wunderbar entspannen, und die Architektur ist daran massgeblich beteiligt. Und auf groesserer Ebene? Sinpgapurs Marina Bay Sands zum Beispiel. Der Schiffrumpfartige Ueberbau beherbergt einen fantastischen Infinity Pool, und es gibt zahlreiche architektonische Ausblicke – hier interessanter im Abendlicht.

Ich bin gespannt, wohin uns unsere Architektur und Gebaeude noch fuehren werden. Wie werden wir in ein paar Jahren wohnen? Interessant habe ich schon immer gefunden, dass man in Deutschland recht ‘gross’ wohnt, was die Gebaeude und Grundrisse angeht. In anderen Laendern ist dem oft nicht so (wobei es aber auch noch groessere ‘Grosswohner’ gibt). Hier lief vor kurzem George Clarke’s Amazing Spaces – kleine spaces, um genau zu sein – und bot interessante Einblicke darin, wie wenig Platz man eigentlich braucht. Shoffice anyone?

Mein Lieblingsgebäude ist eines, in dem ich die Zeit vergessen kann, das mich immer wieder überrascht und neu für sich einnimmt.

Ganz oben auf meiner Liste steht das El Ateneo Grand Splendid in Buenos Aires, ein ehemaliges Theater, das zur Buchhandlung umfunktioniert wurde. Der Buchladen ist riesig und dabei unglaublich gut sortiert (es gibt auch eine kleine Auswahl fremdsprachiger Werke). Nach einer kurzen ersten Runde kann man seine Schätze mit in eine der Logen nehmen und dort in aller Ruhe durchblättern, reinlesen und dabei die Zeit vergessen.

Wenn sich dann der kleine Hunger meldet, bietet das Café auf der Bühne unglaubliches Eis und cremige heiße Schokolade. Man sitzt umrahmt von schweren, dunkelroten Samtvorhängen und genießt die majestätische Atmosphäre. Deckenfresken und verschnörkelte Wandlampen verzaubern die Sinne und man möchte sich nie wieder aus den roten Samtsesseln erheben.

Profilbild (Mittel)Spielte Geld keine Rolle und gefragt nach einem großen Herzenswunsch würde ich – abgesehen von der ewigen Seligkeit und der Gesundheit meiner Lieben – antworten, dass ich an all´den Sehnsuchtsorten meiner Welt ein Haus oder eine Wohnung mein Eigen nennen möchte! Ein jedes ganz für sich wäre mein Liebling in der jeweiligen Stadt, am jeweiligen Ort. In Wien sollte es ein Schatzkästlein sein mit einem Boudoir für die Dame und der Kaffee würde in silbernen Kannen serviert, während unter Stuckdecken auf puderfarbenen Polstern ausgeruht  und der Besuch am Abend im herrlichen Theater in der Josefsstadt geplant würde.

In Italien war es das kleine, paradiesisch gelegene Haus mit den drei Zimmern und dem wunderbaren Garten, wo ich meine Ferien damit verbrachte, auf der Bank zu sitzen, zu lesen, von ganz oben auf den Ortasee zu schauen, und um mich herum die Frühlingsblumen in voller Pracht blühten. Das Kind spielte zu meinen Füßen und der Mann spaltete das Holz für den Abend am Kamin.

Die Loftwohnungen in New York, Stockholm und das Stadthaus in Amsterdam könnten noch eingerichtet werden… und dafür sollte ich noch viele, weitere Reisen unternehmen.

Aber immer und immer wieder werde ich gern in mein eigenes Haus zurück kehren: mein Rückzugs-, Experimentier- und Wohlfühlort!

Nur, in Bielefeld müsste es nicht unbedingt stehen…

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