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Dekadenblick … High Heels

highheels-210 Zentimeter müssen es schon sein, wenn man von echten High Heels sprechen will. Alles darunter sind Schuhe. Vielleicht Schuhe mit Absatz. Vielleicht Pumps. Vielleicht Sandalen. Vielleicht Boots. Ab 10 Zentimetern Absatzhöhe ist die Art des Schuhs egal, denn dann verwandelt der Absatz sie zu High Heels, dann ziehen sie in die Königsklasse ein.
Natürlich sind High Heels nicht bequem. Sie verändern die Gewichtsverteilung vom Rück- auf den Vorfuß und führen damit zu einer Schwerpunktverlagerung, die zu einer veränderten Körperhaltung führt. Ihr Träger oder ihre Trägerin wiegt die Hüften stärker beim Gehen und sowohl die Brust als auch der Hintern werden durch diese Haltung betont, was auf viele Menschen erotisch wirkt.
Der Gang wird ein wenig unsicherer, die Gefahr umzuknicken steigt und langfristig kann es bei dauerhaftem Tragen von Schuhen mit hohen Absätzen zu Überbelastungen und krankhaften Veränderungen der Füße kommen.
Wollen wir das?

DSC04644Letztes Jahr in Paris ging ich (1.55 Meter) mit einem in der Stadt wohnenden Freund (1.95 Meter) essen. Er guckte entgeistert auf meine Ballerinas und fragte mit leichtem Ekel in der Stimme: „Warum trägst Du keine High Heels?“ Doofe Frage, dachte ich. Weil ich mir darin auf dem Weg ins Restaurant die Knöchel brechen würde.

Alles über 55 mm ist nicht angenehm. Jeder Schuhdesigner, der etwas anderes behauptet, belügt die Frauen. Jede Frau, die etwas anderes behauptet, belügt sich selbst. Es quetscht die Zehen, es schneidet an der Hacke, es brennt unter der Fußsohle; die Knöchel, Waden und Knie explodieren. Warum tun sich Frauen das an?

Mein Schuh-Motto: Immer schön auf dem Teppich bleiben! Ohnehin ist alles über 10 Zentimeter bei mir schlicht modischer Selbstmord. Ich trage flach und komfortabel. Um jedes Missverständnis zu vermeiden: Ich hole mir die Schuhe nicht beim Orthopäden ab. Ich meine: flach, stylish, extravagant und teuer. Für Schuhe bin ich bereit, richtig Geld auszugeben, denn leider gilt: Nur ein teurer Schuh ist ein guter Schuh. Es gibt zum Glück einige Firmen, die gute Flats anbieten, und manchmal schaffen sie es auch bis in den Schlussverkauf. Im Übrigen arbeitet die Zeit für mich. In ein paar Jahren werden die, die jetzt noch auf turmhohen Stilettos stöckeln, in mein Lager übergewechselt sein und Birkenstocks tragen –  die Yogamatten unter den Schuhen. Weil ihre schmerzenden, zerschundenen Fußballen nur noch in Gesundheitssandalen humpeln können.

Übrigens: Die Pariser Frühjahrsschauen vom Januar 2014 zeigen, dass ich mich schon jetzt in guter Gesellschaft befinde. Was ließ Karl Lagerfeld den Models über die edlen Porzellanfüße streifen? Sneakers, jawoll!

tanja2Ich wuerd ja gerne oefter. Wirklich. Aber es geht doch echt nicht! Nachdem ich mir vor ein paar Jahren mal dumm den Knoechel am rechten Fuss verstaucht habe (immerhin nicht durch High Heels) geht es noch weniger gut.

Aber natuerlich habe auch ich High Heels im Schrank. United Nude zum Beispiel. Und ach, was sind sie schoen! Absolut. Unbegreiflich. Schoen. Aber: Ursel hat den Nagel auf den Kopf getroffen, denn gut laufen kann man nicht wirklich in dieser absoluten Schoenheit. Und ueberhaupt muss doch auch einmal gesagt werden: kein Wunder, dass viele beruehmte Schuhdesigner Maenner sind! Glaubt ihr, Maenner wuerden sowas anziehen? Oder sowas? I doubt it. Aber Maenner tragen ja keine High Heels. Na ja, zumindest nicht mehr.

Was ich aber besonders interessant finde ist, dass High Heels keine Erfindung der Neuzeit sind. Chopines zum Beispiel gab es bereits im 15. Jahrhundert. Ein besonders furchteinfloessendes Exemplar gibt es hier, und wer mehr ueber diesen besonderen Schuh erfahren moechte, dem empfehle ich diesen Podcast vom Bata Shoe Museum in Toronto.

Klar: das Bein wird schoener. Und das Gesamtbild meistens auch. Da stimme ich zu. Wenn ich aber jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit sehe, wie Frauen unfaehig durch die Gegend starksen – anders kann man es wirklich nicht nennen – dann lobe auch ich mir meine Ballerinas, und hebe mir die gehobenen Aussichten fuer den besonderen Anlass auf.

Also, head over heels in love? Nein, nicht wirklich. Aber wie gerne wuerde ich Head over Heels in der Kunsthalle in Rotterdam sehen. Auch zu empfehlen – zumindest fuer den bildlichen Genuss – das Virtual Shoe Museum.

DSC04646UN-BE-DINGT! Kein anderes Kleidungsstück schafft es in so kurzer Zeit nicht nur unser Aussehen, sondern auch unsere gesamte Ausstrahlung zu verwandeln.

Eben noch Schluffi-Hausfrau in Jeans, T-shirt und Birkenstock-Pantoffeln mit Fleischwurststulle auf der Couch, im nächsten Moment im gleichen Outfit, Jeans, T-shirt, aber mit 10 cm United Nude Ankle Boots flirty, flirty im Szene-Café bei einem Milchkaffee. Eben noch in weiter Tunika, Leggings und Turnschuhen den Kindern die Spucke abgewischt, im nächsten Moment in besagter Tunika, Leggings aber mit 12 cm Mörderstiefeln ernstzunehmende Konkurrenz für Claudia Schiffer mit einem Old-Fashioned in der Hand an der Bar. Eben noch fleißiges Bürobienchen in Rock, Bluse und Ballerinas, im nächsten Moment toughe Geschäftsfrau in eben diesem Rock und Bluse, aber mit Stilettos bereit für das Management Power Play im Old Boys‘ Club.

Schuhe verändern unseren Blick auf die Welt und den Blick der Welt auf uns.

Natürlich haben in diesem Leben auch Pantoffeln, Ballerinas und Turnschuhe ihren Platz (diese, wenn es nach mir ginge, aber nur während der Joggingrunde im Park oder auf dem Laufband). Und natürlich gibt es Momente im Leben, da geht nichts über ein Paar flache Treter. Aber dann und wann und nicht zu selten gehören High Heels an die Füße.

Nicht um Männern zu gefallen. Sondern damit sie uns verzaubern, Cinderella aus uns machen oder Claudia Schiffer, Powerfrau oder Sexsymbol. Damit wir nicht vergessen, dass die Welt gemacht wurde, uns zu Füßen zu liegen.

Profilbild (Mittel)Ja, ich will auch!

Nicht immer, aber besonders gern mit Taxi, einem festen Männerarm an meiner Seite und bequemen Sitzmöbeln! Im Stehen und zur längerfristigen Fortbewegung nicht so gern! Wer von uns glaubt schon an die Aussage „Diese Schuhe sind wahnsinnig hoch, aber trotzdem waaahnsinnig bequem!“… Leider sehen sie meistens einfach nur wahnsinnig gut aus! Deshalb stehen sie wahrscheinlich auch lange Zeit ihres Lebens im Schrank oder im offenen Regal der stolzen Besitzerin und bleiben so schön wie sie sind. Angezogen jedoch verleihen sie der Trägerin nicht nur Größe, sondern auch Haltung und Ausstrahlung.Vorausgesetzt, sie beherrscht ihren Auftritt und hat Laufen gelernt…

Nichts schlimmer als hilflos stöckelnde Frauen auf städtischem Kopfsteinpflaster und ein locker ausschreitender, vorauseilender Mann!

Hier hat es das männliche Geschlecht natürlich auch viel einfacher den Koffer für die Reise zu packen; ein oder zwei Paar Schuhe reichen für die 6-wöchige Europareise, während frau für die feierlichen Anlässe selbstverständlich auf die High Heels in mindestens 4 unterschiedlichen Ausführungen keinesfalls verzichten kann.

Oder doch? Hauptsache bequem? Sehen wir einfach nicht auf unseren aktuellen Kontostand, sondern mal bei Net-A-Porter unter High Heels nach…

P.S.: Im Dekadenblick „Geschenke“ habe ich mir ein paar wirklich bequeme Schuhe ausgesucht!

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