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Dekadenblick… Geschenke

Beim Thema Geschenke scheiden sich bekanntlich die Geister.
Wer je am 23. Dezember in der Innenstadt einer größeren Stadt war, kennt die gequälten die Gesichter der Menschen, die in letzter Minute noch ein Fondue-Set für die Mutter oder ein paar Socken für den Schwiegervater kaufen werden. Schenken ist für viele Menschen eine Qual. Und das nicht nur zu Weihnachten.
Doch was für die einen kommerziellen Wahn oder Konsumzwang bedeutet, ist für andere eine willkommene Gelegenheit, geliebten Menschen eine Freude zu bereiten.
Geschenke – ja, nein, oder vielleicht? Das meinen die IKNMLO Bloggerinnen…

Ursel

Meine Schwiegermutter beherrschte die Kunst, erlesene Geschenke zu machen. Ihr Credo: Frauen schenken Frauen den kleinen Luxus zum Noch-Schöner-Sein. Männer schenken Frauen Schmuck. Punkt.

In ihrer über fünfzigjährigen Ehe bekam meine Schwiegermutter zwei Mal im Jahr von ihrem Mann Schmuck geschenkt. Die Folge war neben einer beachtlich gefüllten Schatulle, dass sie bis an ihr Lebensende von der Liebe ihres Mannes schwärmte. Mit über 90 Jahren genoss sie für einige Zeit die Gesellschaft eines Verehrers. Bis zu dem Tag, als er einen unverzeihlichen Fehler beging. Er sagte: „Männer schenken Frauen nicht mehr als drei Ringe. Den ersten zur Verlobung, den zweiten zur Geburt des Sohnes, den dritten, wenn das Verhältnis mit der Sekretärin aufgeflogen ist.“

Meine Schwiegermutter gehörte zu den Frauen, die denken: Nichts wird jemals an das Gefühl heranreichen, das eine Frau empfindet, wenn ein Mann ihr ein kleines, schwarzes Kästchen überreicht. Der Inhalt ist nur ein Stück Edelmetall mit einem Stein, doch für die Frau bedeutet er: Ich bin die Eine, die Einzige, die Frau seines Lebens. Für den Mann ist das natürlich Quatsch. Er fragt sich, wie er ein ganzes Monatsgehalt ausgeben konnte für etwas, mit dem man nicht ins Internet gehen, fotografieren oder sich fortbewegen kann.

Ja, warum wohl, du Dummkopf? Was glaubst Du, was passiert, wenn du mit einem Rührmix oder einem Satz Biberbettwäsche angetrottelt kommst? Da könntest du dich aber warm anziehen und ein Jahr lang Treueschwüre und Bekenntnisse im Stundentakt runterspulen. Beim nächsten Geburtstag würdest du freiwillig zwei Monatsgehälter investieren. Ein schwarzes Kästchen wird nicht reichen, dann musst du schon das türkisfarbene kredenzen.

Großschenker wir Richard Burton und Gunter Sachs wussten das. Doch trotzdem suchte Brigitte Bardot bald das Weite und auch Liz Taylor ließ sich nicht von Richards Riesenklunker zum Bleiben veranlassen. Frauen sind eben kompliziert, denkt nun der unsicher gewordene Mann. Will sie nun Schmuck oder nicht? Ich glaube, Frauen wollen vor allem die ganz große Geste. Einen Spielzeugring aus dem Automaten, aber aus dem Helikopter überm Haus abgeworfen.

Tanja

Wie definiert man denn nun eigentlich ein Geschenk?

Es kann gross oder klein sein. Es ist oft materieller Natur, muss es aber nicht sein. Ich bekomme gerne eines. Und verschenken tue ich es natuerlich auch. Man kann (und darf) sich selbst beschenken – und sollte es auch dann und wann einmal tun.

Aber Geschenke koennen auch problematisch sein. Zu manchen Anlaessen gibt es mittlerweile regelrecht ein Geschenke-Wettrennen: wer bringt das tollste Geschenk, wer das teuerste? Wer kann so richtig ueberraschen? Wer hat total versagt bei der Auswahl?

Sollte es darum gehen? Nein! Und genau darum bin ich zwar ein Freund von Geschenken, aber weniger ein Freund von Geschenken zu bestimmten Anlaessen – vor allem solcher, die nicht persoenlich sind. Also Weihnachten zum Beispiel. Was soll die Rumrennerei ab September, die bei einer steigenden Anzahl von Menschen nur in einer Umtausch-Rumrennerei im Januar endet? Warum gibt es neuerdings auch zu Ostern grosse Geschenke? Warum ueberhaupt stehen religioese Feiertage heute eigentlich fast nur noch als Makierung dafuer, wann es die naechsten Geschenke gibt? Und was soll die ploetzliche „Expansion“ auf den Vatertag und aehnliche Anlaesse? Die Liste geht lustig weiter.

Versteht mich nicht falsch: zu all diesen Anlaessen kann man durchaus schenken. Aber das Geschenk sollte eine weitergehende Bedeutung haben.

Wie also geht sie, die Schenkerei? Immer und ueberall! Ich finde es viel schoener, wenn ich mit einem Geschenk ueberrascht werde. Oder jemanden ueberraschen kann. Unerwartete Geschenke sind die besten! Und sie muessen gar nicht teuer sein. Warum also nicht einfach mal so …

  • Den Liebsten zum Verwoehnwochenende entfuehren?
  • Im schleichenden Verkehr trotzdem fuenf Autos in die Schlange lassen?
  • Der netten Nachbarin die oft beschriebene tolle Orchidee mitbringen?
  • Den Kollegen leckere Muffins backen?
  • Dem Müllmann, wie es früher üblich war, auch mal eine Kleinigkeit schenken?
  • Für den 5-jaehrigen Neffen einen vollkommen unnoetigen Abstecher zu einem Vulkan machen, um alles filmen und mit Kommentar an ihn zu schicken, weil er Vulkane toll findet?
  • Dem Unbekannten auf der Strasse einfach mal zulächeln?

Ja, solche Geschenke – sie gehören öfter verschenkt!

Cerstin

Ich liebe Geschenke. Ich liebe es zu schenken. Das ganze Jahr lang sammle ich Ideen für meine Lieben und wenn dann das perfekte Geschenk meinen Weg kreuzt, wird es sofort gekauft. Ich habe einen eigenen Schrank zur Lagerung von Geschenken (und ja, er ist ganzjährig verschlossen :-)). So manches Geburtstagsgeschenk habe ich schon Monate im Voraus und freue mich eben so lange darauf, es dann endlich, endlich übergeben zu dürfen.
Und genau so sehr liebe ich es, beschenkt zu werden. Ich liebe es, wenn sich jemand Gedanken über mich macht, überlegt, was mir wohl eine besondere Freude bereiten würde und mich damit überrascht.
Dabei geht es nicht um große materielle Werte. Eines der wundervollsten Geschenke, das ich je bekommen habe, war eine selbst geschriebene Geschichte. Es geht um die Idee, um Herzenswünsche, um heimliche Wünsche, darum verstanden zu werden und manchmal auch darum, dass der Schenkende etwas gefunden hat, das perfekt zu mir passt und von dem ich selbst nicht wusste, wie glücklich es mich machen würde.

„Wir schenken uns nichts.“, ist so ziemlich das Schrecklichste, das ich mir vorstellen kann. Oder „Wenn ich etwas haben möchten, dann kaufe ich mir das einfach, ich brauche keine Geschenke.“ Natürlich „brauche“ auch ich keine Geschenke. Aber ich liebe sie. Ich liebe den Akt des Schenkens und des Beschenktwerdens. Ich liebe Überraschungen. Und ich liebe es, wenn ein Geschenk erzählt, dass jemand zugehört hat, dass sich jemand in mich hinein versetzt hat, dass sich jemand überlegt hat, wie er oder sie mich glücklich machen könnte.
Das geht mit einem Gänseblümchen. Aber auch mit einem dreiwöchigen Luxusurlaub auf den Malediven. (Just saying :-))

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