Dekadenblick … Cocktails

Die Herkunft des Cocktails ist eine strittige Frage! Amerikaner beanspruchen sie gerne für sich, und können die Verwendung des Wortes ins Jahr 1803 zurückverfolgen. Vor ein paar Jahren entdeckten Forscher jedoch einen Hinweis, der ins London von 1798 führt. Dort waren, auf einer Rechnung aus einem Pub, angeblich die Kosten für einen Cocktail aufgeführt. Zumeist meinte man zu dieser Zeit mit einem Cocktail aber etwas ganz anderes: die gestutzten Schwänze von Pferden – sie standen nämlich hoch wie das Gefeder eines Gockels, waren also “cock-tailed”. Nun gut.

Fest steht: die erste richtige Definition kommt wohl wirklich aus den USA. Dort hielt man 1806 fest: “Cock-tail is a stimulating liquor, composed of spirits of any kind, sugar, water, and bitters—it is vulgarly called bittered sling, and is supposed to be an excellent electioneering potion, inasmuch as it renders the heart stout and bold, at the same time that it fuddles the head.” Im Kopf duselig machen also. Ja, da sind wir wohl auf dem richtigen Weg!

Ursel Braun

UBCocktailIch trinke keine Cocktails. Ich bin davon sofort betrunken und schlafe ein. Krachbumms! So knallt mein Kopf nach dem ersten Cocktail auf die Theke und der Abend ist gelaufen. Trotzdem gehe ich gern in Cocktailbars. Gute Cocktailbars haben so etwas Elegantes und Kultiviertes. So eine Umgebung gefällt mir. Doch trinke ich dort – wie gewohnt – ein Glas Wein.

 

Bei Cocktails denke ich an Kater und Kopfschmerzen. Und an toupierte Hochsteckfrisuren und Mad Men. Diese Fernsehserie spielt im New York der frühen Sechziger Jahre. Da sie unglaublich perfekt ausgestattet und sehr cool inszeniert ist, habe ich schon viele Stunden vor dem Laptop verbracht, um die Episoden rund um ein Team von Werbern, ihren Geliebten und Vorort-Ehefrauen zu verfolgen. Die kühle blonde Protagonistin Betty Draper ist eine verklemmte Hausfrau, sie raucht in ihrer zerfallenden Einfamilienhaus-Idylle Kette und trinkt Cocktails, während Ehemann Don von einem Seitensprung zum anderen hechelt. Zwischendurch raucht auch er Kette und trinkt mit seinen Kollegen Cocktails. Jede Menge Martinis vor und nach dem Mittagessen. Dazu essen sie jede Menge Austern. Es geht darum zu zeigen: Wer hat hier den Längsten? Wer kann mehr Martinis und mehr Austern verdrücken? Am Ende schafft es der Gewinner bis zurück ins Büro und der Verlierer kotzt vor den Füßen des Chefs all die die schönen Martinis wieder aus.

 

Wie gesagt: Ich mag keine Cocktails.

Tanja Bültmann

TBcocktailBeim Cocktail meine ich immer, dass es fast genauso darum geht, wo man ihn trinkt, als darum, um welchen Cocktail es sich handelt. Cocktail in der Bar an der Ecke? Ne. Cocktail beim 0-8-15-Restaurant, wo man irgendwie durch Zufall gelandet ist, weil man sich in der Stadt nicht auskennt? Absolut nicht. Oder gar mitten im Flughafengewimmel? Nein, also da hoert es wirklich auf! Das Ambiente macht den Cocktail einfach besser! Und so teste ich gerne das Cocktailambiente weltweit. Hier meine Top 10:

 

TOTT’s and Roof Terrace, Excelsior Hotel, Hong Kong: Meine allerliebste Aussicht auf Hong Kong und den Hafen direkt von Hong Kong Island aus. Cocktailempfehlung: Moonlight Lychee Blossom – Gin shaken with elderflower liqueur, lychee purée, lemon juice, topped with royal bubbles.

 

Rivoli Bar, The Ritz, London: Alt-ehrwuerdig aber nicht mehr altbacken, und mittlerweile auch ohne superstrengen Dresscod – hier muss man einmal hin, alleine schon fuer die Inszenierung. Cocktailempfehlung: Ramos Fizz – Tanqueray 10 Gin, lime and lemon juice, vanilla syrup, cream, Solerno blood orange liquer.

 

Cafe Gray Delux, The Upper House, Hong Kong: Wunderbare Ausblicke auf die Strassenschluchten Hong Kongs und den Victoria Harbour. Cocktailempfehlung: Hong Kong Highball – Belvedere vodka, ginger, honey, cassis, pomegranate, Champagne.

 

Ku De Ta, Marina Bay Sands, Singapur: Spektakulaere Aussicht auf Singapur und direkt neben dem beeindruckenden infinity pool des Marina Bay Sands Hotel – wie schade, dass man den nur als Gast nutzen darf. Cocktailempfehlung: Berry Bellini – Prosecco, Chambord, berries.

 

American Bar, Savoy, London: Die aelteste Cocktailbar Englands, geoeffnet seit 1893. Cocktailempfehlung: Moonwalk – Grand Marnier with orange flower water, grapefruit bitters and champagne.

 

Hugos, Manly, Australien: Hugos liegt direkt am Anleger der Manly Faehre und bietet die wunderbarsten Ausblicke auf den Sydney Harbour. Cocktailempfehlung: Tuscan Mule – Absolut Vodka, Tuaca & Amaro Montenegro built with fresh lime and ginger beer.

 

Balthazar, New York: Im franzoesischen Flair dieses herrlichen Restaurants kann man wunderbar zum Brunch am Sonntag den hangover Cocktail geniessen. Cocktailempfehlung: Champagne Pick-Me-Up – Champagne, V.S. Cognac, Orange Juice and Grenadine.

 

Auf der Terasse der Botswana Butchery, Queenstown, Neuseeland: Von hier aus kann man die unglaubliche Landschaft um Queenstown bestaunen. Cocktailempfehlung: Negroni – Beefeater Gin, Campari, sweet vermouth, stirred and garnished with a flamed orange zest.

 

The Salad Kitchen, Harrods, London: Ein neues Restaurant bei Harrods und wunderbar fuer das Mittagessen waehrend des Shopping-Trips. Cocktailempfehlung: der Bramble – gin, crème de mure, blackberries, lemon, sugar.

 

Live Organic Food Bar, Toronto, Kanada: Hier gibt es den besten nicht-alkoholischen Saft-Cocktail. Ever! Cocktailempfehlung: Fairy Dust – freshly squeezed orange juice, lemon, ginger, anise, hibiscus flowers, sparkling water, stevia.

 

Zuletzt meine ultimative Cocktail-Regel: nie wieder einen Singapore Sling im Raffles Hotel! Total touristisch! Nicht gut gemixt! Viel (!!) zu suess! Unerwuenschte Nebenwirkungen. Aber das … na ja, das ist eine andere Geschichte!

Cerstin Henning

CHCocktailSan Diego, 1996. Ich wohne im Apartment eines Studienfreundes, der seine Verlobte in Irland besucht. Outdoorpool. Fitnesstudio. Ein Karmann Ghia Cabrio vor der Tür. Ein Traum. Mehrfach klingelt das Telefon, aber jedes Mal, wenn ich dran gehen, legt die Person auf. Irgendwann halte ich es nicht mehr aus und brülle in den Hörer “who are you?”. “Who are you?”, kommt die Gegenfrage. Ich erkläre, dass ich eine Freundin von Declan bin und zur Zeit sein Apartment nutze. “Eine Freundin?”, fragt sie. “Ja,” sage ich, “eine Freundin, er ist gerade bei seiner Freundin in Dublin. Und wer bist Du?”. “Ich bin Pam,” sagt die Stimme ein wenig irritiert, “seine Freundin in San Diego…” Ups, denke ich, das war jetzt nicht so schlau. Nach einer kurzen Schweigeminute kommen wir ins Gespräch und Pam fragt, ob sie mir die Clubszene San Diegos zeigen soll.

 

Am nächsten Abend ziehen wir um die Häuser. Die Frau ist toll, witzig, unkompliziert, ein richtiges California Beach Babe. Erst gehen wir essen, danach in eine Cocktail-Bar. Sie bittet mich zu bestellen. Ich schaue auf die ellenlange Cocktail-Karte und bin verloren. “Die machen hier den besten Sex-on-the-beach, den musst du nehmen,” höre ich sie sagen, “und ein Heineken für mich.” Okay, denke ich, when in California… Der Barkeeper schaut mir tief in die Augen und reicht Pam das Bier, “The Sex-on-the-beach is for you?” Ich nicke und bemühe mich, das männliche Gepose hinter dem Tresen mit Flaschen, Eis und Cocktailshaker angemessen zu bewundern.

 

Nach einer Ewigkeit hält er den Drink in der Hand und beugt sich ein wenig in meine Richtung. “The Sex-on-the-beach is for you?”, fragt er noch mal. Noch während ich ja sage, krempelt er die Ärmel seines weißen Hemdes hoch. Ich habe das Gefühl, die Gäste der Bar halten kollektiv die Luft an. Mit dem Unterarm wischt er alles, was auf dem Tresen zwischen uns steht, runter, Erdnüsse, Gläser, alles landet auf seiner Arbeitsfläche. Dann steigt er auf den Tresen und macht vor meinen Augen einen Spagat. Dann schaut er mir tief in die Augen, reicht mir das Glas und raunt “enjoy the sex on the beach”. Ich laufe rot an und erkenne, dass ich offensichtlich nicht die erste bin, die auf diese Art bedient wird. Die ganze Bar lacht sich schlapp…

 

Es war bei Weitem nicht der beste Cocktails meines Lebens, aber die Inszenierung ist und bleibt unschlagbar und immer wieder eine Erinnerung wert.
Seitdem üben Cocktailbars einen unwiderstehlichen Reiz auf mich aus.
Wegen der Cocktails. Aber auch wegen der Barkeeper.

Ute Knaup

UKCocktailTonicwasser ist gut gegen Malaria, und wenn du nur genug Gin Tonics trinkst, hast du auch nach einer durchzechten Nacht so gut wie gar keine Kopfschmerzen – sagt H.H…

 

Der Kenner schwört auf Hendricks Gin aus dem schottischen Whiskyhaus von William Grant & Sons, eigentlich eher bekannt für Single Malts von Glenfiddich und Balvenie. Mit viel zerstoßenem Eis und einer Limonenscheibe ist dieser Gin Tonic für mich ein wunderbarer Auftakt zu einem schönen Abend im Freundeskreis! Aber auch in der späten Nacht in der Bar kann ich dem Gin Tonic als wirklich (!) allerletztem Drink kaum widerstehen! Und das ist das gemeine Geheimnis vieler Cocktails – sie schmecken mir nur zu gut, und ich muss mich an warmen Sommerabenden beherrschen, das große Glas mit dem köstlichen Inhalt nicht allzu schnell zu leeren. Doch der Ausschlussfaktor bestimmter Ingredienzien setzt der verfrühten “Beschwipstheit” Grenzen: Weder Rum, noch Whiskey, noch Kokosmilch oder allzu süße Säfte dürfen in meinen Cocktail! Die am Glasrand hängenden Deko-Früchte mag ich selten, und auf bunte Schirmchen kann ich verzichten. Wodka hingegen darf der Barkeeper gern verwenden, und ich werde zur Bewunderin seiner Kunst!

 

Just shake it!

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