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Dekadenblick … Champagner

Wertigkeiten sind ja doch sehr ideosynkratisch. Natürlich höre ich den Unterschied zwischen einem Denon und einem Bose 5.1 Soundsystem.
Aber ist mir der Unterschied 2.000 Euro wert? Definitiv nicht.
Eine stylische Samsung Soundbar tut es für meinen Geschmack auch alle mal, zumal die auch noch sehr viel besser aussieht.

Und so geht es anderen Menschen mit Champagner. Wozu viel Geld für einen Champagner ausgeben, wenn es ein einfacher Sekt auch tut. Der Lidl-Prosecco ist auch nicht schlecht und hat auch eine schöne Flasche, könnte man sagen.
Könnte man.
Aber will man?

DSC04644Champagner ist auch nicht mehr das, was er mal war. Spätestens seit sich um die Jahrtausendwende in Berlin-Mitte schmeißfliegenartig sogenannte Partygirls materialisierten. Bildhübsche Blondinen mit Beinen bis zum Scheitel in lollipopbunten Versace-Kleidern und mit klackernden Stilettos. Ariane Sommer zum Beispiel, Deutschlands erstes It-Girl. Wie sagte sie später so schön? „Ich habe auf der Champagnerstraße Karriere gemacht.“

Unsereiner, der Blazer trägt und auf der Pfefferminzstraße Karriere macht, fragt sich natürlich, wie das wohl geht: Auf der Champagnerstraße Karriere machen? Jeden Abend im tief ausgeschnittenen Python-Print mit einem gegerbten Sugardaddy am Arm auf Wahnsinnsparties gehen? Als Marilyn Monroe-Klon im sexy Leo-Mantel in Wahnsinnsbars feiern, als ob es kein Morgen gäbe? Sich auf den Best dressed-Listen hocharbeiten? Einen Werbespots drehen und auf ein paar Titelseiten kommen? Endlich irgend einen Milliardenerben aufreißen und sich ein Kind machen lassen? Und dann den üblichen Verwertungsweg durchlaufen: In einem riesigen Duplex eingesperrt sein, mit leerem Gesicht behaupten, man sei Schmuckdesignerin und monatlich den Botox-Pabst konsultieren. Noch ein Glas Champagner bitte. Prost!

tanja2Champagner – der erinnert mich immer an besondere Momente. Sicherlich sind diese nicht unbedingt durch den Champagner besonders gewesen. Nein, so allumwerfend finde ich das feinperlige Getraenk nun auch wieder nicht. Aber der Champagner bot eine schoene Untermalung. Und eben eine etwas besondere, nicht alltaegliche.

Und so denke ich gerne zurueck an den allerersten Champagner. Mehr oder weniger verbotenerweise natuerlich, denn eigentlich war ich noch ein wenig jung. Meine Oma sah das aber anders: sie fand, dass zu einem richtigen afternoon tea in London zum Abschluss noch Champagner gehoerte. Und so nippte ich am Glas.

Oder den Champagner zu Abgabe der Doktorarbeit. Der Moment der Abgabe selbst war irgendwie doch sehr ernuechternd: da hatte man nun ueber zwei Jahre an der Arbeit geschrieben, und dann war sie aufeinmal weg. Und so musste der Champagner natuerlich spaeter nochmal her. Zur Feier der eigentlichen Promotion. Und dann zur Publikation der Doktorarbeit. Vielseitig einsetzbar!

Und dann natuerlich: Moet&Chandon rosé ueber den Daechern von Hamburg. Was will man mehr: wunderbare Aussicht, rosige Feinperlen, und beste Gesellschaft!

Aber Moment: vielleicht ein Glas Goût de Diamants? Nein! Dass ist kein Luxus. Das ist absoluter und irrsinniger Quatsch.

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Meinem ersten Studentenjob habe ich sehr viel zu verdanken. Mal abgesehen davon, dass ich dadurch die finanziellen Möglichkeiten hatte, von zu Hause auszuziehen und mein Studium selbst zu finanzieren, habe ich dabei auch sehr viel gelernt. Datenbanken programmieren. Geschäftsbriefe schreiben. Webseiten designen. Hartnäckig sein am Telefon. Mediadaten analysieren. Was als kleiner HiWi-Job begann, endete mit einer Projektleitung, der Mitarbeit im Fachverband Sponsoring und einer A-Klasse als Firmenwagen (während des Studiums, wohlgemerkt).
Aber mehr als alles andere war meine Zeit bei TWM eine Ausbildung im Fach Luxusleben.

Im Haerlin im Vier-Jahreszeiten in Hamburg habe ich gelernt Hummer zu knacken und in der Piano Bar des Bayrischen Hofs entdeckte ich meine Leidenschaft für Whisky.
Und dann gab es da noch diesen legendären Abend in der Sansibar auf Sylt. Wir Projektleiter hatten uns ein paar Tage frei geschaufelt, um ein paar strategische Entscheidung zu fällen und die aktuellen Projekte durchzusprechen.
Auf Sylt.
Wo sonst?
Am Abend rauchten uns die Köpfe und wir gingen etwas essen. Einen Champagner als Aperitiv? Klar. Welchen? Woher sollte ich das wissen… „Wie, du weißt nicht, welcher Dein Lieblingschampagner ist? Wie kann man das denn nicht wissen?“, fragte mich mein Chef.

An diesem Abend habe ich Champagner lieben gelernt. Wir probierten sie alle. Ruinart, Taittinger, Krug, Dom Perignon, Veuve Cliquot, Roederer, Lanson, Moet & Chandon und vermutlich auch ein paar weniger bekannte. Ich mochte sie alle. Der Barmann wusste jede Champagnermanufaktur zu beschreiben, hielt uns an, die Eigenheiten der Köstlichkeiten herauszuschmecken und jede Feinheit in unsere eigenen Worte zu fassen.
Mein Favorit an diesem Abend und bis heute der Roséchampagner von Veuve Cliquot Ponsardin. (Glück gehabt, hätte teurer ausfallen können.)
Von diesem Moment an war ich für Lidl-Prosecco verdorben.
Und das weiß ich bis heute zu schätzen. Danke, Michael!

Profilbild (Mittel)Ich halte es mit Madame Clicquot  und bin ihr bis an mein Lebensende dankbar, dass Sie für uns die Rütteltechnik erfunden hat, die den Champagner so klar und feinperlig macht!

Ich könnte mir gut vorstellen, auf einem Fest in die Nacht zu tanzen, wo nach „Alles Walzer!“ „Champagner für alle “ laut als Motto des Abends ausgerufen wird! Sofort würde ich den Kelch erheben, auf Madame trinken und auf das herrliche Gefühl warten, wenn die Bläschen des Champagners den Alkohol ins Blut schießen lassen…

Liebend gern greife ich zum Champagnerglas als Willkommensgruß zu Beginn einer Party, weitaus mehr jedoch genieße ich es, wenn eine von uns Frauen auf einer Zugreise (!) die mittelgroße Champagnerflasche samt Gläsern auspackt und wir gemeinsam auf eine wunderbare Reisezeit anstoßen! „Das ist Tradition!“, sagt Gaby.

Elisabeth Raether (vgl. ZEITmagazin, 23.1.14 Nr.5) hingegen stellt besonders jedoch die Weigerung der ungeselligen Witwe Clicquot heraus, gefallen zu wollen und bestätigt uns Frauen von heute, dass uns die Gefallsucht fest im Griff habe. Tun wir etwas dagegen und suchen einfach nach der Champagnermarke, die uns selbst am besten schmeckt – ohne Rücksicht auf andere! Wohlsein!

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