Dedadenblick … Meerblicke

MeerblickeCollageVorüber die Flut. Noch braust es fern. Wild Wasser und oben Stern an Stern. Wer sah es wohl, O selig Land, Wie dich die Welle Überwand. Noch braust es fern. Der Nachtwind bringt Erinnerung und eine Welle Verlief im Sand. Hier beschreibt Rainer Maria Rilke in “Am Strande” einen möglichen Meerblick. Aber welche Bedeutung hat das Meer für uns IKNMLO-Bloggerinnen? Darüber möchten wir heute schreiben.

Ursel (60+) über das Meer

Aus dem Auto springen, an den Strand laufen, Salz riechen und schmecken, Haare flattern im Wind. Raus aus den Schuhen, durch den Sand spazieren, die Füße spüren, stundenlang Muscheln und Steine sammeln, die Zeit vergessen. Das blaue Gummiboot aufblasen, zu einer Expedition aufbrechen. Wir sind alle Forscher, die Kinder im Boot und ich. Wir suchen mit dem Fernrohr nach Delfinen, vermessen das Meer, untersuchen das Wasser, fotografieren die Fische, sammeln Muscheln und Steine in Plastiktüten. Am Abend sind wir ganz müde vom Wind, vom Wasser. Aber wir müssen unbedingt noch alle Fundstücke unter der Stranddusche waschen, trocknen und schön anordnen. Für unsere Ausstellung. Wir sind ja auch noch Museumsleiter, weltberühmt natürlich, Professoren mit 3 Doktortiteln. Damit es jeder weiß, schreiben wir uns schnell noch Visitenkarten. Und dann bemerken wir dieses komische Gefühl im Magen. Ist das Hunger? Also ab in die Strandbude, alles blau-weiß gestreift. Gemischte Fischvorspeisen für alle, Spagetti mit Vongole für die Kinder, gegrillte Brassen für die Erwachsenen. Dazu Weißwein, viel Weißwein, denn es sind ja Ferien. Ach ja, das Meer. Nie schöner besungen als in Charles Trenets Chanson “La mer”.06.278

Ute (50+) über das Meer

Früher, als ich noch unendlich lange Semesterferien genießen konnte, waren wir alle irgendwie auf der Suche nach dem ultimativen Traumstrand! Blaues, warmes Meer, weißer Sandstrand, kilometerlang! Unentdeckte einsame Buchten. Nacktbaden in den Wellen. Im warmen  Sand liegen und sich sonnen… Wir fuhren mit alten Autos ohne Klimaanlage tagelang quer durch ganz Spanien, um in Portugal das Paradies zu finden. Oder wir rumpelten mit dem Jeep über die Geröllstrecken in Kreta, um tief im Westen den weißesten Sand und die schönste Badestelle am Meer zu finden. Selbst in Ostfriesland, unvergesslich die große Freude beim Blick über den Deich: Das Meer! Das Meer! Heute weiß ich mehr über Ozonloch, Hautkrebs, Rückenschmerzen vom unbequemen Liegen und herrlichem Poolservice und Pseudoparadiese, aber ich finde, kein See, kein Fluß oder irgendein anderes Gewässer kann dem Meer das Wasser reichen! Im Herbst in Italien in den Bergen über Imperia wohnen, morgens zum Baden ans noch warme Meer fahren, danach Cappuccino im Strandcafe oder Stadturlaub in Barcelona am Meer!!! Ich will mehr Meer. Foto 6

Cerstin (40+) über das Meer

Schwimmen finde ich scheiße, erst recht im Meer, wenn es kalt ist und die Haare danach aussehen wie der Makramé-Teppich, den man im 6. Schuljahr in Textilgestalten knüpfen musste. Wellenrauschen, Palmen, weißer Sandstrand, alles wunderbar. Aber reingehen… ne, das brauchte ich wirklich nicht.

Und dann kam dieser Tag an dem sich alles änderte. Ich bekam eine Schnorchelausrüstung und ein wasserdichtes Case für meine Kamera geschenkt. Sicherlich hilfreich die Tatsache, dass es sich um den Indischen Ozean und kristallklares, badewannenwarmes Wasser handelte. Ich tauchte ein und erst drei Stunden später wieder auf. Faszinierende Korallenriffs, Schwärme bunter, exotischer Fische, blaue Seesterne haben mich in ihren stillen, glitzernden Bann gezogen. Zum ersten Mal im Leben hatte ich einen Sonnenbrand, weil auch wasserfester Sunblocker nur begrenzt lange hält. Was soll ich sagen, er war es wert. Seitdem reise ich mit Schnorchel und rash guard und bin die erste im Wasser.
Gut, kristallklar und badewannenwarm muss es schon sein.

Tanja (30+) über das Meer

Mittlerweile lebe ich seit fast zehn Jahren am Meer. Und moechte es nicht mehr missen. Die Luft ist klarer als im Inland und, obwohl es machmal bedeutet, dass es windiger ist, heisst es oft auch, dass sich schlechtes Wetter wieder schnell verzieht. Das Licht am Meer ist anders. Oft sehr dramatisch. Ich liebe Sonnentage am Meer, aber ein dunkler und nebliger Tag hat seinen ganz eigenen Charm (zumindest fuer einen Tag).  Fast alle meine liebsten Staedte liegen am Meer – direkt, oder zumindest relativ nah dran: Hong Kong, New York, Wellington, London, Singapur, Sydney, Vancouver, Edinburgh. Ich liebe alle Meerblicke von diesen Staedten aus. Aber ich kann auch gerne in Natur. Dazu vielleicht eine Reise nach Schottland. Dort gibt es, in der Gegegend von Wester Ross, einige der spektakulaersten Meerblicke, die ich kenne. Oder vielleicht lieber waermere Gefilde? Da gibt es auch die schoensten Moeglichkeiten. Mein Top Traum-Meerblick, den ich gerne irgendwann einmal geniessen moechte? Den gibt es von St Lucia aus.  Trotz der Liebe zum Meer: Sand mag ich gar nicht! Genaugenommen kriege ich da fast die sprichwoertliche Kraetze. Ueberall klebt das Zeug, besonders, wenn es sehr feiner Sand ist. Vor allem aber kommt man einfach kaum vom Fleck – zumindest nicht, wenn man entfernt vom Meer durch den Sand laeuft. In der Brandung ist es schon besser. Und wie Ursel muss ich auch nicht unbedingt drin baden! Ich bin also auch ein Meerblick-Fan der Spaziergangs-Art. Oder der Buchlese-Art. Und der Fotografen-Art. Oder der Cocktail-am-Meer-geniessen-Art. So geht das. Mit oder ohne Hut.   TBMeerblicke

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