Das ideale Wochenende… schlemmend im Gräflichen Park

Der Gast im Gräflichen Park hat die Wahl zwischen zwei Restaurants, dem rustikalen „Pferdestall“ und dem eleganten “Caspar´s”. Um mir etwas Luft nach oben zu lassen, aß ich nach meiner Ankunft am Freitag im “Pferdestall” zu Abend. Das Konzept dieses Lokals mit offener Küche, langen Tischen und bodenständigen Gerichten mit westfälischem Einschlag ist stimmig. Ich aß eine zart geschmorte Rinderroulade mit saftiger Füllung, zu der ein Kartoffel-Rote Beete – Stampf und Sauerrahm gereicht wurden. Zum Dessert gab es eine gebrannte Vanillecreme mit Zweierlei von der Kirsche – Kirscheis und Kirschkompott. Hm, köstlich!

Am Samstagmorgen also das Frühstück. Normalerweise brauche ich eine Tasse Milchkaffee, IRGENDWAS zu essen und vor allem Zeitungen – in meiner Dekade gehört man zum Glück noch zur Generation der Zeitungsleser! Im Gräflichen Park hat man die Wahl zwischen immerhin vier Tageszeitungen, doch ließ ich die Zeitungen links liegen. Die Auswahl am Büffet war so überzeugend, dass ich zur Abwechslung mal so richtig genussvoll frühstückte. Am Samstag frühstückte ich wie ein Seemann. Mit Garnelen, geräuchertem Lachs und Meerrettich. Sonntag aß ich wie ein Bauarbeiter. Jede Menge Männerwurst! Westfälische Mettwurst, Blutwurst, Schinken, kleine gebratene Würstchen und Rührei. Es ist eine Marotte von mir, ein Frühstücksbuffet nach seinem Bircher Müsli zu beurteilen. Es gibt da drei Kategorien: hat kein Bircher Müsli, hat ein nicht weiter erwähnenswertes Bircher Müsli, hat ein tolles Bircher Müsli. Für den Gräflichen Park musste ich eine vierte Kategorie erfinden: hat ein Bircher Müsli, das süchtig macht. Hat übrigens auch einen Eiersalat, der süchtig macht. Montag hätte ich gerne süß gefrühstückt. Mit einem Croissant, den selbst gemachten Marmeladen, etwas Honig aus der Wabe, Rosinenbrötchen mit Butter und einem Stück Napfkuchen. Aber da saß ich ja schon wieder zu Hause am karg gedeckten Tisch und steckte die Nase in die Zeitung …

Jedem seinen Pilgerort: Die einen zieht es auf den Jakobsweg, die anderen ins Museum – mich zieht es ins „Caspar´s“. Da ich selbst gern koche, möchte ich gerne, wenn ich essen gehe, etwas Neues kennen lernen oder etwas probieren, was ich selbst niemals hin bekäme. Thomas Blümels Küche hat auf sympathische Weise etwas Alchemistisches. Er kombiniert gern ungewöhnliche Aromen und zaubert immer neue Geschmacksvarianten hervor. Wie erfinderisch er ist, zeigt sich schon in der Zusammenstellung des Grußes aus der Küche, bei dem er Rettichsalat mit einem Möhrensorbet und frittierter Brezel zu einer kräftigen Geflügelconsommé serviert. Als Vorspeise wählte ich eine Jakobsmuschel in Gurken-Koriander-Sesam – Sud mit geeisten Wassermelonen- und Schmandperlen. Sie war wie ein Kunstwerk angerichtet, ein wirklich schönes Bild, und schmeckte ausgesprochen fein. Zum Hauptgang aß ich Ente. Als Erstes wurde eine Tasse an meinen Tisch gebracht, darin eine kleiner Stoffbeutel, der mit heißem Wasser übergossen wurde und 10 Minuten ziehen musste. Das sei eine Entenconsommé, erklärte Silke Schicker, die umsichtige Restaurantleiterin. Wie aber kommt die Ente in den Teebeutel? Geheime Chefsache. Die Entenbrühe würde reduziert und wieder reduziert und noch mehr reduziert und schließlich dehydriert. Den Sud trank ich wie einen begleitenden Wein zur perfekt gebratenen Entenbrust mit Sellerieravioli, Selleriepüree, Rauchmandeln und Kirschsafttröpfchen. Anschließend hatte ich zwar keinen Hunger mehr, aber Nachtisch geht immer. Das „Dessert en miniature“ enthielt ein kleines Türmchen aus runden Talern aus weißer Schokolade, abwechselnd geschichtet mit Joghurt-Limetten-Creme; dazu ein mit Valrhona-Schokolade umhülltes Walderdbeereis und als absoluten Höhepunkt ein Rote Beete-Himbeer – Parfait mit einem Himbeersorbet und Schokoladengarnache.

Who dunnit? Thomas Blümel, der endlich den ersten Stern bekommen soll.
[flagallery gid=8 w=670 h=500]

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

This site uses Akismet to reduce spam. Learn how your comment data is processed.