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Café Sabarsky, New York

P1090881Es gibt Cafés erster, zweiter und dritter Klasse. Über die ungemütlichen Kummerorte der dritten Klasse reden wir in unserem erstklassigen Blog erst gar nicht. Wir bespielen nur feine Kaffeehäuser, die wir in die zweite Klasse einordnen und natürlich das ganz große Kino: Museumscafés. In ihnen findet auch ein Mensch, der im sicheren Hafen einer bürgerlichen Existenz dahindümpelt, seine große Bühne. Hier kann er sich der Illusion hingeben, er sei der Kunst nahe, ohne das Mindeste mit der Kunst zu tun zu haben.

Das Café Sabarsky befindet sich in 1A-Lage an der Fifth Avenue, Ecke 86. Straße, direkt am Central Park. Das Haus stammt aus dem Jahr 1914, es ist das frühere Stadtpalais von Grace Vanderbilt. Seit 2001 ist es die Heimat der „Neuen Galerie“. Sie beherbergt die beeindruckende Sammlung deutscher und österreichischer Kunst des beginnenden 20. Jahrhunderts von Ronald Lauder. Eins der bekanntesten Werke ist Klimts „Bildnis der Adele Bloch-Bauer“, das Lauder für 135 Millionen Dollar erwarb.

Das zum Museum gehörende Café nimmt in seiner Innenarchitektur und seinem gastronomischen Konzept die Themen von Lauders Sammlung auf. Es ist wie ein klassisches Wiener Kaffeehaus gestaltet und wirkt damit wie eine Insel aus der fernen, alten Welt mitten im quirligen Manhatten. Das bedeutet: Knallhart verdiente Kosmetikerbe-Milliarden meet Wiener Melancholie, Sneakers meet Schluppenbluse, Power Lunch meets Schmankerl. Dunkle Holzkassettenwände, Wandverspiegelungen und Mobiliar von Adolf Loos und Josef Hoffmann verleihen dem Raum eine gediegene Atmosphäre. Küchenchef ist der Österreicher Kurt Gutenbrunner, der alle Speisen und Torten nach traditionellen süddeutschen und österreichischen Rezepten zubereitet.

Es gibt viele Gründe, in New York in ein Wiener Kaffeehaus zu gehen.

1. Auf der Kuchentheke befindet sich nur Feinstes in Form von dem Hause angemessene Tortenstücke: Klimttorte! Mozarttorte! Kandinskytorte! Und natürlich die Ikone österreichischer Konditorenkunst: die Sachertorte!

2. Man bekommt wohl nirgendwo in New York ein feineres Frühstück. Ich sage nur: Marillenpalatschinken mit hausgemachter Aprikosenmarmelade.

3. Unter den Gerichten auf der Lunchkarte befinden sich mindestens drei Leibspeisen, auf die jeder Deutsche, der im Ausland unterwegs ist, irgendwann Heißhunger bekommt: Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurkensalat und Preiselbeeren, Matjesfilet mit Apfel und Ei, Wurstsalat mit roten Zwiebeln und Apfel-Birnen-Vinaigrette. ODER LÄUFT IHNEN JETZT ETWA NICHT DAS WASSER IM MUNDE ZUSAMMEN?

4. Die Speisekarte ist auf Deutsch mit englischen Untertiteln abgefasst. Wörter wie „Gurkerl“ sind einfach gut für den europäischen Blutdruck in einer so hektischen Stadt. Man liest sie und schaltet automatisch einen Gang runter.

5. Altmodische Touristen wie unsereiner, die noch Zeitung lesen und zwar auf bedrucktem Papier, sind hier im Himmel und müssen nicht erst durch ganz Manhatten irren, um die aktuelle Presse zu kaufen. Alle wichtigen Blätter liegen aus und sehen natürlich zu jeder Tageszeit aus wie frisch gebügelt.

Etwas irritierend bei so viel Kultiviertheit und Opulenz fand ich nur die sehr junge, leicht schläfrig wirkende Kellnerin mit französischem Akzent. Mister Lauder, Sie mit Ihren Dollars werden doch wohl irgendwo einen charmant näselnden Wiener Oberkellner auftreiben können, der den weiblichen Gast mit einem kleinen Handkuss begrüßt!

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