Brautkleid bleibt Brautkleid? – Teil 2

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Der zweite Samstag auf Brautkleidsuche beginnt um einiges professioneller als der erste. Eigentlich beginnt er schon Freitagabend mit einer SMS, die mich an den Termin am nächsten Morgen erinnern soll. Allerdings sagt mir der Absendername nichts, weshalb ich genervt denke: Oh nein! Schon wieder so ein Spam – und die SMS umgehend lösche. Bis mir zwei Stunden später siedend heiß einfällt, dass der Absender ja das Brautmodengeschäft war …

Samstagmorgen betreten wir das Geschäft, und bereits das Ambiente ist deutlich schöner als in den anderen beiden Boutiquen: Gedeckte Farben, ein edler Parkettboden und überall geschickt platzierte Nischen, in denen diverse Bräute fast unbeobachtet von anderen Bräuten die Kleider anprobieren können. Fotografieren darf man leider wieder nicht. Erst wenn die Entscheidung gefallen ist …

Wir werden in Empfang genommen, eine Etage höher geleitet und bekommen Getränke serviert. Dann geht es auch schon los. Unsere Verkäuferin ist wieder sehr jung, hat aber, wie sich herausstellt, einen guten Blick für ihre Kundschaft. Ilka schildert kurz, was ihr vorschwebt: Schlicht, nicht zu viel Spitze, kein Blingbling, keinen Reifrock, fließender Stoff. Das Prinzessinnenkleid vom letzten Mal hat seinen Zweck erfüllt – es hat zum Vorschein gebracht, was die Braut wirklich möchte.
Zu dritt schreiten wir Reihe um Reihe an Brautkleidern ab, von schlicht bis opulent, und zielsicher zieht die Verkäuferin eines nach dem anderen heraus. Dann haben wir acht bis zehn Kleider beisammen, es kann also losgehen.

Bei den meisten ist relativ schnell klar, dass sie entweder nicht gefallen oder unbequem sind oder die Braut sich unwohl fühlt. Übrig bleibt ein Favorit, als die Verkäuferin kurz entschwindet, sie hätte da noch eine Idee, um dann mit einem weiteren Kleid auf dem Arm wiederzukommen. Es ist aus Seide, der Stoff wirkt jedoch etwas schwerer als bei den anderen Kleidern.
Ich rufe in die Kabine: „Das ist nix, das seh ich sofort, zu steif!“
„Warten Sie’s ab!“, meint die Verkäuferin.
Jaja, denke ich. Ich kenne doch meine Pappenheimer.
Ilka zieht das Kleid an, kommt heraus – und strahlt. „Das ist es!“
Oh. Ja. Stimmt, sieht wirklich gut aus. Da war ich wohl etwas voreilig.
Aber noch ist das zweite Kleid im Rennen, das auch sehr schön ist, nur in einem ganz anderen Stil. Zarter, romantischer, verspielter.

Nachdem Ilka dreimal zwischen beiden Kleidern hin- und hergewechselt hat – „Es ist doch dies hier!“ – „Nee, eigentlich doch das.“– „Oder doch das Erste?“ –, fällt die Entscheidung. Zur Insel Pellworm würde das zarte Kleid sehr gut passen. Zur Braut passt aber das elegantere mit dem originellen Kragen besser. Und zum Bräutigam ebenfalls, den hätten wir im Eifer des Gefechts fast vergessen ….
Uff! Das wäre geschafft! Wir sind es auch. Aber die Freude ist groß, auch wenn sämtliche Prinzipien über Bord geworfen wurden: Das Kleid ist nicht kurz, sondern lang, es ist nicht schlicht, sondern schick, und es ist teuer. Aber wenn man für seine Hochzeit nicht seine Prinzipien über Bord werfen darf, dann weiß ich auch nicht, wofür!

Zeigen können wir das Kleid natürlich erst im Mai! Schließlich darf der Bräutigam es vor der Hochzeit nicht sehen…

Fortsetzung folgt…

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