Mauve iknmlo BoJack BoCouture Clarins ü40 Blog ü50 Modeblog ü60 Fashionblog

Besuch bei TKmaxx :”Reich bleiben” – Schön wär´s!

Liebe Ute,
seit gestern gibt es in Bielefeld eine Filiale der britischen Modekette TK Maxx. Das dreistöckige Ladenlokal präsentiert sich auf einer Fläche von 4000 m2 in 1a-Lage am Jahnplatz. Bereits Stunden vor der Eröffnung umlagerten Hunderte von Kauflustigen das Geschäft und stürmten es um 10 Uhr mit lauten Jubelschreien. Angeblich können sie dort Designerkleidung zu 60 Prozent reduziert ergattern. Der Billiganbieter setzt damit seinen Expansionskurs fort. Für TK Maxx ist das Bielefelder Geschäft bereits das 62. In Deutschland.
Angeblich arbeiten in der hiesigen Filiale 80 Mitarbeiter. Sicherlich zu Billiglöhnen und unter prekären Arbeitsbedingungen. Angeblich stehen weitere Billig-Modeketten wie Primark und Holister in der Warteschleife, um sich in der Stadt anzusiedeln, was die Situation inhabergeführter, individueller Einzelhandelsgeschäfte nicht verbessern dürfte.
Ich kam heute bei TK Maxx vorbei. In den Schaufenstern nur Scheußlichkeiten, im Geschäft auf den ersten Blick nur Unordnung, Hektik und Schnäppchenjäger, die sich verbissen die Angebote aus den Händen rissen. So ging ich gar nicht erst hinein, auch weil ich ein solches Geschäftskonzept eigentlich nicht unterstützen möchte.
Wie denkst Du darüber, Ute?

Liebe Ursel,
als erfahrene Flohmarktbesucherin kann ich mich natürlich nicht von Hektik und Unübersichtlichkeit, Geschiebe und Gedränge einschüchtern lassen und wage den Selbstversuch!
Ein gewisser Jagdinstinkt lässt alle, die die Schwelle des Geschäfts überschreiten, schnell zu kleinen oder auch großen, rücksichtslosen Trüffelschweinen mutieren! „Wer sucht, der findet“ trifft auf diesen Laden trotz seines undurchschaubaren Ordnungsprinzips – einzig und allein eine Hängung der Kleidungsstücke nach Farben und Sorten (Pullover, Kleider, Hosen…) ist erkennbar – auf jeden Fall zu: Ein elegant geschnittener roter Rock von Jil Sander ist von 399,- auf 99,- Euro reduziert und entgeht meinem aufmerksamen Blick nicht! Unbedingt anprobieren muss ich diverse Kaschmirpullover und -jäckchen, deren Preisschild dazu verführen möchte gleich ein halbes Dutzend in den hauseigenen Kleiderschrank einziehen zu lassen…. Die flaschengrünen Pumps von Bally werden bestimmt zu irgendeinem vorhandenen Garderobenteil lässig kombiniert werden können; überwiegt doch hier die Freude, überhaupt noch ein passendes Paar Schuhe im bereits fast leer gekauften Regal mit der Nummer 38 gefunden zu haben! Auch wenn der Kunstfaseranteil des großgemusterten schwarz-weißen Kleides meine Haare ein wenig elektrisiert, so kommt es darauf schon gar nicht mehr an. Mir ist mittlerweile so heiß geworden, dass ich meinen wollenen Übergangsmantel lässig über den zunächst stehenden Kleiderständer werfe und den kleinen grauen Pullover, der sich von vorn so bescheiden gibt, hinten aber mit drei aufreizenden Schleifen verziert ist, einfach an Ort und Stelle anprobiere. Fast hätte ich mich, von den schnüffelnden und drängenden anderen Trüffelschweinen in meiner Umgebung sicherlich gänzlich unbemerkt, bis zu BH und Unterhemd ausgezogen, aber eine vage Erinnerung an Gebote von Sitte und Anstand ließ mich zögern und stattdessen den potentiellen neuen Pullover über den meinigen anprobieren. Mit platten Haaren und hochrotem Kopf konnte ich meine derangierte Erscheinung im Spiegel bewundern, falls nicht grade einer der mitgebrachten Ehemänner, Freunde oder Partner, von den Damen zumeist liebevoll „Schatzi“ tituliert, mit seiner gesamten Erscheinung inclusive überdimensioniertem roten Schiebe-Plastik-Einkaufswagen den wartenden, nur vordergründig geduldigen Platzhalter machte. Selbstverständlich konnten mich auch ganze Wagenladungen von plärrenden Kleinkindern nicht davon abhalten, die oben beschriebene Prozedur des Direkt-im-Laden-An-und- Ausziehens mehrfach zu wiederholen, obwohl das letzte bißchen Verstand mich eindeutig aufforderte diesen Ort auf der Stelle zu verlassen, die Schnäppchenjägerin in mir, aber auch noch auf dem allerletzten Ständer vor dem rettenden Ausgang ein VielleichtwollteichdasschonimmerhabenundmorgenistderLadenzu-Stück fand…
Nur unter Aufbietung aller Gedanken an Kontostände, Einkommensverhältnisse und der Furcht vor einer endlosen Kassenschlange gelang mir die Flucht in die rettende Freiheit!TKmaxx
Zurück ließ ich bewundernswert geduldiges Verkaufspersonal, unglaubliche Mengen scheinbar unglaublicher Schnäppchen…
Ungute Gefühle völliger Überforderung und Mitleid mit den Besitzern der letzten sog. inhabergeführten Einzelhandelsgeschäfte bleiben!
Liebe Ursel, ich glaube wir sollten in Zukunft lieber draußen bleiben!

P.S.:Meine Schnellrecherche hat ergeben, dass die Zufriedenheit des Personals mit den Arbeitsbedingungen je nach Standort variiert. Auf jeden Fall aber bleibt offen, für wen der bei TKmaxx ausgehängte Werbslogan „Schön werden, reich bleiben!“ wirklich zutrifft…

Sie möchten diesen Artikel teilen?

1 Comment

  1. Katrin Jacobs
    17/10/2013 / 14:59

    Ich kenne den Laden schon seit Jahren aus OS und natürlich Berlin: Man findet, wenn man Zeit hat und sucht, durchaus sehr schicke stylische Stücke (auch Porzellan und Kosmetik). Wie überall in solchen Läden: Zeit, Muße, zu Zeiten, in denen nicht jede Hausfrau hineingeht, dann sollte man durchaus mal gucken (auch für Männer!)
    LG
    Katrin

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahren Sie mehr darüber, wie Ihre Kommentardaten verarbeitet werden .