Antwerpen – 10 Gründe für einen Besuch

PicMonkey CollageKürzlich war ich ein paar Tage in der flämischen Metropole. Was soll ich sagen? Ich bin restlos begeistert. Antwerpen ist bunt, schick, wohlhabend, erzkatholisch und dementsprechend barock und prächtig. Hier 1o Gründe, warum Sie bald hinfahren könnten.

DSC_26541. Furioser Empfang
Schon das Ankommen ist königlich. Der Reisende entsteigt dem Zug unter dem Wappen Leopolds II. und dem Wahlspruch „Endracht maakt macht.“ Mit ihrem 60 Meter hohen Kuppeldach, ihrem marmornen Treppenfoyer, Stuckdecken und der Glas- und Stahlüberdachung des Perrons wirkt die Centraal Station wie eine Kathedrale für Züge. Das monumentale Bauwerk steht für eine Epoche, in der Belgien sich mit seinen kolonialen Unternehmungen auf dem afrikanischen Kontinent ausbreitete und die Belgier dachten, ihr so lange unter der Fremdherrschaft erniedrigtes und in sich selbst zerstrittenes Land stehe im Begriff, eine Wirtschaftsgroßmacht zu werden.

P11600922. Multikulti
Gleich beim ersten Spaziergang durch Antwerpen fällt auf, wie bunt die Stadt ist. Die rund eine halbe Million Einwohner sind ein aus 172 Nationen bestehender Mix. Die größte jüdische Gemeinde Europas, nebenan das Pagodentor zu Chinatown, Marokkaner, Polen, Türken, Portugiesen, jede Menge Inder, Afrikaner aus den ehemaligen Kolonien, – alles existiert nebeneinander. Doch Ausländer- und Fremdenfeindlichkeit sind auch hier ein Thema. Die Bürgermeiserterschärpe trägt Bart de Wever, ein flämischer Nationaldemokrat.

P11602323. Die Kulturstadt
Jeder Tourist erlebt sein eigenes Antwerpen. Meins ist das der Spaziergänge, des Essens, der Mode und der Kultur. Rubensbilder ohne Ende, ganze Straßenzüge in Barock und Jugendstil und das weltweit einzige Museum, das zweimal als UNESCO -Weltkulturerbe ausgezeichnet wurde, für die Sammlung und für das Gebäude (Museum Plantin – Moretus; es ist in der Wohnung und Druckerei von Christoph Plantin untergebracht. Die Patrizierwohnung aus dem 16. Jahrhundert beherbergt die vollständig eingerichtete Druckerei mit den ältesten Druckerpressen der Welt. ) Obendrein gibt es aber auch jede Menge interessante moderne Architektur in Form von zu Galerien umfunktionierten Lagerhäusern im Hafenviertel und dem superhippen „Museum aan de Stroom“ im Hafenviertel Het Eilandje. Ein aufregendes Gebäude, das aussieht wie ein übereinander gestapelter Bau aus rotem Sandstein und Glas. Es ist bis zur Dachterrasse frei zugänglich und bietet aus jeder Etage einen anderen, überraschenden Blick auf Stadt, Schelde und Hafen. Alles ist schön in Antwerpen . Selbst im Zoo. Dort leben die Tiere in Jugendstil-Ställen.

P11603054. Flanieren
Die Stadt hat einen seltenen Reichtum: Wandelterrassen an der Schelde und wunderschöne Plätze. Neben dem bekanntesten, dem dreieckigen Platz am Grote Markt mit der Liebfrauenkathedrale und den Gildehäusern, die ursprünglich aus dem 16. Und 17. Jahrhundert stammen unzählige andere, auf denen man sitzen und in Ruhe seinen Kaffee trinken kann. Auf dem Hendrik Conscience Plein zum Beispiel. Er hat alles, was eine Stadtoase braucht. Stufen zum Hinsetzen, Sitzbänke unter einer großen Linde, eine schöne Barockkirche und eine Bibliothek. Hier lebt auch der Künstler Panamarenko. Besonders stilvoll kaffesiert es sich im urgemütlichen, verspielten Salon de Thé „Claude“, Hendrik Conscienceplein 5, Telefon 03 237 05 01 (www.salondethéclaude.be) Ein grüner Platz zum Verweilen ist der Pflanzengarten mitten im Stadtzentrum. Ursprünglich war er der botanische Garten mit Heilpflanzen für das angrenzende St. Elisabeth-Hospital. Die Kkräutersammlung besteht aus etwa 200 Exemplaren. Der Garten steht seit 1950 unter Landschaftsschutz. (Plantentuin, Leopoldstraat 24)

P11601985. Shoppen
Oh ja, absolut fantastisch. In den Modetempeln der Antwerpener Designer wie Dries van Notens prächtigem „Het Modepaleis“ in der Nationalstraat, in den Conceptstores Renaissance und Graanmarkt 13. Im im Juni eröffneten Annette Görtz-Store, der sich in einem eleganten Barockpalais mit Bambuswald im Innenhof befindet. Links liegt der Annette Görtz-Laden, rechts Issey Miyake. Die Geschäfte gehen ineinander über. Wunderbarst! (Eiermarkt) Wo es Designer-Outfits ganzjährig zu günstigeren Preisen gibt? Bei „Labels Inc“, einem Secondhandladen für Designermode in der Aalmoezenierstraat 4 (www.labelsinc.be)

P11603166. Schlemmen
„Lekkerbekken“ (Schleckermäulchen) heißen die Flamen nicht zu Unrecht. Sie legen viel Wert auf gutes Essen und gute Getränke und sind offensichtlich bereit, dafür auch Geld auszugeben. Antwerpen ist ein Schlemmerparadies mit einer großen Anzahl von Sternerestaurants. Ich aß mich herrlichst durch die Stadt. Von Café zu Café, von Brasserie zu Brasserie. Als Nationalgericht gelten Moules/Frites, also Miesmuscheln mit „handgeschnitzten“ und zweimal gebackenen Fritten. Zum kulinarischen Tagesablauf gehören Croissants, Rosinenbrot und leckere Fruchttörtchen schon zum Frühstück in den Grands Cafés, Austern und ein Gläschen Champagner auf dem Samstagsmarkt am Theaterplein, Waffeln mit Kirschen und Sahne zum Nachmittagstee, Pralinen, Schokolade, Fisch in allen Variationen. Nicht zu vergessen natürlich das Bier. Angeblich gibt es mehr als 1000 Geschmacksvarianten. Mit Früchten wie Erdbeeren, Aprikosen, Mirabellen verschnitten, mit Gewürzen angereichert, mit Kandis gesüßt, in Eichenfässern gereift. Empfehlen kann ich eine urige Kneipe neben der Kathedrale, „Het Elfde Gebot“. Es lautet: Du sollst so viele Biersorten durchprobieren wie möglich.

Wenn ich ein Restaurant besonders empfehlen kann, dann dies: In der Brasserie Bourla am Graanplatz speist man in einem Jahrhundertwendepalast unter einer Stuckkuppel oder im Sommer auf dem platanenumstandenen Platz. Das Essen ist hervorragend, der Service perfekt und dabei sehr lässig.

P11602017. In die Modewelt eintauchen
1981 macht Dries van Noten an der Königlichen Akademie der Schönen Künste Antwerpen im Bereich Mode seinen Abschluss. Im Jahr darauf reist er mit ein paar Studienkollegen im gemieteten LKW nach London, um dort seine Arbeiten zu präsentieren. Aus dem Nichts heraus werden sie dort von der Presse bejubelt und als „Antwerp Six“ feiert. Das ist der Moment, in dem belgisches Modedesign mit einem Schlag auf die internationale Bühne katapultiert wird. Was die Gruppe, die sich schon bald nach ihrer Formierung wieder auflöst, verbindet, ist die Suche nach einer radikal individuellen Handschrift. Ihre Mitglieder, darunter Dirk Bikkenbergs, Ann Demeulenmeester und Walter van Beirendonck, stehen jeder für einen anderen künstlerischen Look. Die Antwerpener Modeakademie gilt seither als die bedeutendste Talentschmiede für Modedesigner. Heute residiert sie in der Modenatie in der Nationalestraat, einem schneeweißen Belle-Époque-Palast , in dem sich auch das Modemuseum MoMu befindet, das wunderbare Ausstellungen ausrichtet und über eine fantastische Bibliothek verfügt, die für Besucher frei zugänglich ist.

P11604218. Einen sehr besonderen Ort aufsuchen
Das Theater Bourla Schouwburg gilt als eines der schönsten Theater der Welt. Vom Dach des halbrunden Gebäudes grüßen die Statuen der 9 Musen die Besucher. Die Brasserie im Foyer des Theaters ist nicht schlecht, aber gehen Sie die Treppen hinauf. Der Oberknaller ist das Café im 1. Stock. Genießen Sie dort Ihren Afternoon Tea oder einen Sonntags-Brunch. (Komedieplaats 18, Telefon 03 233 55 17)

DSC_26379. Übernachten
Die Stadt bietet Hotels für jeden Geschmack und jedes Portemonnaie. Vom kleinen, stylischen Hotel Julien bis zu sehr schönen Wohnungen des Anbieter airbnb. Egal, wofür Sie sich entscheiden, das Motto sollte in jedem Fall lauten: Slaapen in stijl.

P116008910. Die Kunstszene in Antwerpen-Zuid
Im südlichen Antwerpen schlägt das künstlerische Herz der Stadt. Früher war es ein bürgerliches Viertel mit breiten Boulevards und Patrizierhäusern, das Ende der 1970er Jahre von Künstlern und jungen Familien übernommen wurde. Mit der Eröffnung von Galerien, einem Fotomuseum und dem M HKA, dem Museum für zeitgenössische Kunst Antwerpen, macht das Viertel auf sich aufmerksam. Leider reichte bei mir die Zeit nicht mehr für einen Besuch. Ein Grund, ganz schnell wieder zu kommen.

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