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Andrea Karg: Cashmere

P1200616Bildbände haben gegenüber anderen Büchern ja einen großen Vorteil. Sie sind unterhaltsam und schmücken den coffee table. Einen sehr schönen Bildband hat jetzt Designerin Andrea Karg vorgelegt. Informativ ist er noch dazu. Die Verfasserin ist eine der erfolgreichsten Modemacherinnen Deutschlands. Nach ihrem 2. Juristischen Staatsexamen sattelte sie um und gründete 1993 als Autodidaktin ihr Stricklabel „Allude“. Sie reiste auf eigene Faust zu Herstellern nach China und ließ einen taillierten Cashmere-Pullover mit V-Ausschnitt in 15 Farben produzieren. Das Wagnis hat sich gelohnt. „Allude“ ist international vertreten und zeigt seine Kollektionen auf den Schauen in Paris. Der Klassiker mit dem V-Ausschnitt wird immer noch hergestellt, aber inzwischen fertigt Andrea Karg auch Pullover, Röcke, Kleider, Hosen, Mäntel -immer aus hochwertigem Cashmere.

Die Texte ihres Buches „Cashmere“ hat Andrea Karg mit der Co-Autorin Berit Grosswendt geschrieben. Sie erzählen darin vom aufwändigen Gewinnungsprozess von Cashmere und von seiner interessanten Geschichte. Cashmere-Schals kamen Ende des 18. Jahrhunderts nach Europa, über die Seidenstraße nach Ägypten und in die Türkei. Engländerinnen waren die ersten, die die großen, wärmenden Tücher in ihre Garderobe aufnahmen. Von seinem Ägyptenfeldzug brachte Napoleon Bonaparte seiner ersten Frau Josephine Cashmere-Schals als Geschenke mit. Sie bildeten den Grundstock ihrer circa 60 Stück zählenden Cashmere-Schalsammlung. Sie ließ die kostbaren Tücher auch zu Schalkleidern nähen, die sie um die Taille wickelte und über die Schulter drapierte. Ein neues Styling, das zum In-Accessoire wurde und an Europas Adelshöfen und später im Großbürgertum für Furore sorgte. Diese Schals waren bis zu sechs Ellen lang (4,66 Meter) und zwei Ellen breit (1,55 Meter). Die Herstellung besonders komplizierter Teile mit eingewebten fernöstlichen Motiven oder reich verziert mit prachtvollen Paisley-Mustern dauerte bis zu 3 Jahren. Ein Cashmere-Schal war damals unerschwinglich teuer. Neben Gold und Diamanten gehörte er zum Wertvollsten, das eine Dame besitzen konnte.

Das Buch ist u.a. mit Arbeiten der Fotografin Anne Combaz bebildert, die vor und während der Allude-Präsentationen im Pariser Grand Palais Fotos der Kollektionen aufgenommen hat. Darin sieht man, wie innovativ Andrea Karg Cashmere verarbeit. Sie lässt Intarsien einarbeiten und versieht es mit Applikationen aus Chiffon und Seide. Sehr luxuriös und wunderschön.

Andrea Karg mit Berit Grosswendt: Cashmere. Herkunft, Geschichte, Herstellung, Design. Verlag Callwey, 2015. 240 Seiten, 49.95 Euro

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