Alexander McQueen: Savage Beauty

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Savage Beauty – die beste Modeausstellung, in der ich bisher gewesen bin. Punkt. 

Warum? Einerseits liegt es natürlich an den augestellten Stücken. Obwohl ich nicht alles im traditionellen Sinn “schön” finde hat mich McQueen mit seinen Ideen schon immer fasziniert: manchmal “over the top” und vor allem immer edgy. Also genau mein Ding. Letztendlich ist es aber das Gesamtkonzept der Ausstellung, dass so umwerfend ist.  Das Design der Räume ist wirklich ganz unglaublich. Hier stehen nicht einfach Modepuppen mit McQueen-Stücken in der Gegend herum. Nein, im Grunde ist es schon eher wie ein McQueen Abenteurspielplatz.

Während im ersten Raum alles noch recht dezent gehalten ist – mit ganz simplen grauen Wänden, gestaltet nur mit ein paar Zitaten von McQueen – könnte der zweite Raum kaum opulenter sein. So spiegeln sich die verschiedenen Kollektionen direkt wieder. Steht im ersten Raum die kontroverse Highland Rape Kollektion aus dem Jahr 1995 für sich selbst aussagekräftig vor dem grauen Hintergrund, ist der zweite Raum mit seinen in Gold eingerahmten Spiegel und Vitrinen ein Hintergrund, der die Stücke aus der Romantic Gothic Kollektion direkt komplementiert. Leder, schwarze und goldene Kleider aus Federn – stimmiger könnten Kleidung und Schauplatz nicht zusammenkommen.

Im dritten Raum wird dies nocheinmal besonders deutlich: hierher gelangt man durch einen Gang, der mit Knochen und Totenköpfen dekoriert ist – wie auch der gesamte Raum selbst. Dies mag auf den ersten Blick makaber erscheinen, schafft jedoch eine einzigartige Verbindung zur gezeigten Kollektion.

Im vierten Raum, der ganz in Holz gehalten ist, ist der rote McQueen Tartan in verschiedenen Kleidern zu sehen – und man erkennt, dass McQueen oft von historischer Kleidung inspiriert wurde. In dieser Galerie findet sich auch das erste meiner beiden absoluten Austellungs-Highlights: dieses unglaubliche Federkleid aus der “The girl who lived in a tree” Herbst/Winter Kollektion 2008.

Der fünfte Raum hat mich am meisten fasziniert: hier gibt es erstmal eine totale Reizüberflutung im Cabinet of Curiosities! Vom Boden bis zur Decke sieht man die unterschiedlichsten Stücke – Kleidung, Schuhe, Accessoires und eben einfach ein paar Kuriositäten.  Unter den Accessoires findet man etliche Kopfbedeckungen, die der Hutmacher Philip Treacy für McQueen entworfen hat. Darunter zum Beispiel mein Liebling, der Butterfly headdress (Philip Treacy for Alexander McQueen, La Dame Bleue, Frühjahr/Sommer 2008). Und auch der japanische Tempelhut, den niemand so herrlich trug wie Isabella Blow (mehr über Blow in meinem Bericht über die Fashion Galore Ausstellung, die Blow gewidmet war). Auf Bildschirmen werden zudem verschiedene McQueen Modeschauen gezeigt, und auch das “Making of” des brühmten  Graffiti Kleids. Hier befindet sich auch mein zweites Highlight – und eines, das ich nur zu gerne selbst einmal tragen würde: dieses Outfit aus der “The horn of plenty” Herbst/Winter Kollektion 2009 – überhaupt wohl meine liebste McQueen Kollektion (alle Stücke hier).

Der sechste Raum wirkt futuristisch und bietet so eine perfekte Austellungsheimat für die gezeigten Stücke. Der Blick auf die Zukunft setzte sich auf den letzten Austellungsmetern fort – mit Armadillo-Schuhen und futuristuschen Modepuppen. Ganz am Ende wird es allerdings noch einmal romantisch in der Konzeption – ein etwas unerwarteter Abgesang eines ungewöhnlichen Modedesigners.

Todtraurig 

Für mich hat die Ausstellung vor allem verdeutlicht, wie tragisch es ist, dass McQueen trotz seines immensen Talents und der kreativen Kraft seiner Arbeit im Leben selbst keinen Sinn mehr sah (hier ein Nachruf). Er hat durch seine Visionen und Ideen Mode – und die Vorstellung, was gute Kleidung ausmacht – immer wieder bis an die Grenzen gebracht, manchmal darüber hinaus.

McQueen sah Mode nicht einfach als Kleidung. Für ihn war sie Theater und Inszenierung. Genau wie die Savage Beauty Ausstellung selbst es auch ist. Sie ist die größte Mode-Ausstellung, die das Victoria & Albert Museum bisher gezeigt hat. Und die Kuratoren haben etwas wirklich wundervolles vollbracht: auch wenn die Grundkonzeption von Savage Beauty bereits für das Met in New York stand, hat die Ausstellung im V & A einen eigenen Charakter. Und auf jeden Fall bietet sie eine faszinierende, einfach stimmige und herrliche Homage an McQueen.

Wer gerne alle McQueen Kollektionen durchstöbern möchte, für den hat Vogue hier genau die richtige Seite.

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