Ich kann nicht mehr leben ohne

Die Emanzipation der Sara Berman

Wahrscheinlich haben Sie noch nie von Sara Berman geh├Ârt, die vor 13 Jahren friedlich im Alter von 83 Jahren verstorben ist. Sie wurde 1920 in Wei├črussland geboren. Ihre Eltern emigrierten nach Pal├Ąstina, als sie 12 war und lebten in Tel Aviv in einer H├╝tte am Meer. Sie heiratete einen Landsmann, er wurde Diamantenh├Ąndler. Das Paar ging mit zwei T├Âchtern nach New York , in die Bronx in ein gro├čes Apartment mit eigenem Schwimmbad. Mit 60 Jahren fasste Sara Berman einen radikalen Entschluss. Sie trennte sich von ihrem gesamten Besitz,gab ihrem Mann nach 38 Jahren Ehe den Laufpass und erfand sich neu. Sie zog in ein kleines, mit wenigen wei├čen M├Âbeln eingerichtetes Studio nach Greenwich Village und trug fortan ausschlie├člich wei├če Kleidung. Wei├če Blusen, wei├če Hosen, wei├če M├Ąntel. Auch die meisten ihrer Schuhe waren wei├č, oder zumindest von einem ins Milchige gehenden Beige.

Sara Bermans Garderobe ist jetzt im Metropolitan Museum New York ausgestellt, rechts hinten im American Wing hinter dem Frank-Lloyd-Wright-Raum. Die Installation mit dem Titel ÔÇ×Sara Berman┬┤s ClosetÔÇť ist eine Rekonstruktion ihres kleinen Ankleide-Raums aus der Single-Wohnung. Links zwei Kleiderstangen mit Blusen und Hosen, in der Mitte und rechts wenige Regalb├Âden mit ein paar Pullovern, etwas Unterw├Ąsche, Str├╝mpfen. Alles komplett in Wei├č und in seiner Klarheit und Reduziertheit an die Porzellan-Ausstellungen von Edmund de Waal erinnernd.

Warum Sara Berman im Alter ausschlie├člich Wei├č trug? Ihre Tochter Maira Kalman, eine bekannte Illustratorin, schreibt: ÔÇ× Ich wei├č es wirklich nicht. Keiner von uns redete gerne, nicht ├╝ber Filme, die wir sahen, nicht ├╝ber Gef├╝hle, die wir hatten, nicht ├╝ber Entscheidungen, die wir trafen. Besonders meine Mutter nicht. Sie lebte im Moment. Vielleicht hatte es etwas mit dem Leben am Mittelmeer zu tun, mit der frische wei├čer W├Ąsche und der Klarheit des Lichts. Sie liebte Hering. Aber das ist nur eine Nebens├Ąchlichkeit.ÔÇť

Die Installation ist noch bis zum 5. September 2017 zu sehen. Infos unter: www.metmuseum.org/exhibitions/listings/2017/sara-berman-closet

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